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September - 2011    
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Martin Luther King – eigentlich Vertreter eines pazifistischen Kampfes um Bürgerrechte – bezeichnete den Watts-Aufstand um »Würde und Arbeit« als »den Beginn der Bewegung der Menschen in unserer Gesellschaft, die vom Fortschritt des letzten Jahrzehnts ausgelassen wurden.« Tom D. Allahyari beschreibt die Umstände der Ereignisse von 1965.

Am 11. August 1965 kam es zu einem Aufruhr, als Polizisten wieder einmal einen Schwarzen drangsalierten. Bald darauf ergriff der »Riot« den ganzen Stadtteil Watts in Los Angeles.

Polizeibrutalität



In dem Viertel, das zu 99% von Schwarzen bewohnt war, herrschten Bedingungen wie in der Dritten Welt. Immer wieder hatte die vorwiegend weiße Polizei Morde und Vergewaltigungen begangen. Die Wut über diese ständigen Übergriffe kam mit der Verzweiflung über die soziale Lage zusammen und entlud sich in Brandstiftungen an verhassten Geschäften und Straßenkämpfen mit der Polizei. Die rechte Presse schrieb: »Eine Woche lang mordete, marodierte und brandschatzte der schwarze Mob.« 35 Tote, über 800 Verletzte, 700 niedergebrannte Häuser waren die Folge.

Soziale Hintergründe



1960 lebten in den USA 45 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze, die meisten davon Schwarze oder Eingewanderte aus Mittel- und Südamerika. Nach dem zweiten Weltkrieg hatten Afro-Amerikanerinnen und -Amerikaner noch eine Chance auf Arbeit im Norden. Zwischen 1940 und 1960 kamen daher an die drei Millionen Schwarze aus den Südstaaten in den Norden, wo sie sich in bestimmten Stadtteilen konzentrierten. Schon bald wurden Jobs ausgelagert, die Industrie rationalisiert und die Arbeitslosenquote schoss in die Höhe.

Die Erfahrungen von massenhaften Lynchmorden, der Terror des Ku-Klux-Klans, die Verweigerung von Bürgerrechten und rassistische Gesetze formten das afro-amerikanische Bewusstsein. Zusätzlich prägten Kommunistenhatz und Bigotterie die Zeit, sodass Gewerkschaften und linke Parteien, die sich für die Rechte der Schwarzen eingesetzt hatten, einen dramatischen Verfall erlebten.

Die Ghettos explodieren



Schon ab 1964 »explodierten« die Ghettos, am heftigsten in New York und Rochester. 1967, im vierten »Heißen Sommer«, waren bereits 100 US-amerikanische Städte betroffen.

Einen Höhepunkt erreichte die Bewegung in Detroit, wo eine Razzia gegen ein »schwarzes« Lokal der Auslöser war. Die Washington Post schrieb: »Panzer mit aufgesessenen Fallschirmjägern, die in Viererfront den Raum von Häuserfront zu Häuserfront ausfüllten. Ihre Maschinengewehre schossen auf alles, was sich auf Straßen und Plätzen bewegte. Über den Dächern kreisten dutzende Hubschrauber – sie feuerten auf Dachluken und Simse. Auf Bürgersteigen und in Hausfluren lagen Tote, zum Teil verkohlt. Draußen trieben Uniformierte mit Kolbenstößen Gefangene zusammen.«

Grenzen des Pazifismus



Mitte der 60er Jahre, nach zahlreichen Morden an Aktivistinnen und Aktivisten, zeigte sich, dass viele Schwarze nicht mehr zufrieden mit den gewaltfreien Methoden der Bürgerrechtsbewegung waren.

»Black Power« wurde zum Slogan. Malcolm X, anfangs ein Führer der Black Muslims, forderte die bewaffnete Revolution, die Black Panthers Party entstand und trat für bewaffneten Widerstand gegen die »Pigs«, die Polizei und den Staat, ein.

Die Bewegung gegen den Krieg in Vietnam, der Kampf für die Rechte von Frauen und Homosexuellen und die militante Bewegung der Schwarzen kamen zusammen. Die »Students for a Democratic Society« (SDS) hatten gegen Ende der 60er Jahre 100.000 Mitglieder.

Sprache der Ungehörten



Nach der Ermordung von Martin Luther King 1968 fegten erneut Riots über 75 amerikanische Städte. Wieder wurde massiv das Militär eingesetzt. »Newsweek« schrieb entsetzt: »Washington glich der belagerten Hauptstadt einer Bananrepublik.«

Als in den 70ern die Bewegung abflaute, die Führer verhaftet oder ermordet worden waren, blieb die schwarze Jugend mit ihrer Frustration und Wut alleine. Aus Freundeskreisen, die eben noch gegen die Polizei gekämpft hatten, entstanden die ersten Gangs. Drogen überfluteten die Ghettos. Das Entstehen einer schwarzen Mittelklasse und beinharte Repression hatten der Bewegung das Rückrad gebrochen. In Erinnerung bleibt der Aufstand von Watts als Aufbegehren der Unterdrückten und Ausgebeuteten, ohne den viele spätere Reformen niemals angegangen worden wären.

Chronologie:


  • 1865 Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs, Verbot der Sklaverei in Südstaaten.
  • 1866 Gründung der rassistischen Terrororganisation Ku Klux Klan.
  • 1876 Gründung der Workingmens Party
  • 1881 Gewerkschaft »Knights of Labor« wird aktiv. Sie vertritt auch Frauen und Schwarze.
  • 1883 Aufhebung des Bürgerrechtsgesetzs von 1875. »Jim Crow«-Gesetze: »Rassentrennung« in die Verfassung aufgenommen.
  • 1901 Gründung der Socialist Party of America
  • 1905 Gründung der »Industrial Workers of the World« (Wooblies)
  • 1909 Gründung der NAACP (National Association for the Advancement of Colored People)
  • 1919/1920 »Red Scare«-Kampagne nach Streikwelle und »Rassenunruhen«.
  • 1929 Beginn der Weltwirtschaftskrise. 1937 lag die Arbeitslosenrate von Weißen bei 18%, von Schwarzen bei 38,9%.
  • 1930 Gründung der »Nation of Islam«
  • 1940-44 Anstieg der Beschäftigung von Schwarzen in der Rüstungsindustrie.
  • 1963 »Civil Rights Act«.
  • 1963 »Marsch auf Washington«, angeführt von Martin Luther King.
  • März 1964 Bruch zwischen Malcolm X und der »Nation of Islam«
  • 1966 Gründung der »Black Panthers Party« (for Self-Defense)
  • 4. April 1968 Ermordung Martin Luther Kings.
  • 1992 Aufstand und Riots in Los Angeles, starke Beteiligung armer Schwarzer, Weißer und Latinos.


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