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Wirtschaft | Umwelt
Juli/August - 2011 Der Handel mit CO2-Zertifikaten ist kein effektiver Mechanismus um Emissionen zu reduzieren. Er ist auf spektakuläre Weise fehl geschlagen, erklärt Judith Litschauer. Dennoch bleiben viele Regierungen dabei – auch die österreichische. Das Grundprinzip des CO2-Handels ist folgendes: Umweltschädigenden Unternehmen (oder Staaten) werden CO2-Zertifikate gegeben, die es ihnen erlauben, eine bestimmte Menge CO2 zu emittieren. Wollen sie mehr emittieren, müssen sie weitere Zertifikate kaufen – was Umweltverschmutzung teurer macht. Verwenden sie ihre Zertifikate nicht zur Gänze, können sie sie weiterverkaufen und zu Geld machen – ein Anreiz, die Umwelt weniger zu zerstören. Beschiss CO2-HandelDas hört sich gut an. Aber der Zertifikat-Handel erlaubt es den Industrien, mehr CO2 billiger zu emittieren. Das zeigt das europäische Modell: Die EU gab mehr Zertifikate aus, als eigentlich gebraucht wurden. Der Preis fiel. Dadurch konnten Unternehmen billig weitere Zertifikate kaufen, ihre CO2-Emissionen erhöhen und dennoch stolz ihren »grünen« Status erhalten. Dies ist kein Marktversagen, sondern genau das, was die Regierungen und Unternehmen wollten. Die durch die Krise hervorgerufenen Produktionsminderungen sollten die CO2-Emissionen reduzieren, doch Energieunternehmen kaufen übrig gebliebene Zertifikate von der Schwerindustrie auf, und wir tragen mit unserer Stromrechnung die Kosten dafür. Andere CO2-Zertifikate werden billig eingekauft und für die Zukunft auf die Bank gelegt. Es wird geschätzt, dass der globale Sektor für den CO2-Handel bis 2020 über 3 Billionen Euro umfassen wird. Anstatt Investitionen in erneuerbare Energien zu fördern, half die EU großen Unternehmen reicher zu werden, während diese nichts taten um den Planeten zu retten. Die Gewinner sind die größten Umweltverschmutzer. »Gutschriften«Ein weiteres Instrument sind CO2-Aufrechnungen. Unternehmen bekommen extra CO2-Zertifikate, wenn sie in Projekte investieren, die Emissionen reduzieren. Diese »Gutschrift« wird dann verwendet um selbst mehr CO2 zu emittieren oder als Zertifikate weiter zu verkaufen, damit jemand anderer mehr CO2 emittieren kann. Ein Unternehmen bekommt beispielsweise »Gutschriften« für ein Projekt, das in Brasilien Bäume pflanzt. Niemand überwacht, ob dieses Projekt auch tatsächlich durchgeführt wird. Wenn tatsächliche Bäume gepflanzt werden, wird dies wahrscheinlich schnell wachsender Eucalyptus sein, der das Grundwasser aussaugt, sonstige Vegetation umbringt und in zehn Jahren abgeholzt wird um als Biodiesel oder Holz zu enden – und das oft auf Flächen, die ehemals Regenwald waren. Oder es sind Projekte, die ohnehin umgesetzt worden wären oder weit von »grün« entfernt sind. Zum Beispiel eine indonesische Energiefirma, die von Kohle auf Gas umstellt: Sie macht dies, weil Gas billiger ist. Aber Gas produziert auch weniger CO2, also verkauft die indonesische Firma die CO2-Ersparnisse, damit jemand anderer mehr CO2 produzieren kann. Im Endeffekt bleiben dabei die CO2-Emissionen gleich hoch. Problem & LösungDas Problem Klimawandel wird nicht bei der Wurzel – an unserem derzeitigen Wirtschaftssystem – gepackt: Geld wird nur ins System gepumpt um am Ende mehr Geld heraus zu bekommen. Die kapitalistische Konkurrenz bevorzugt kurzfristige Profitinteressen zulasten langfristiger nachhaltiger Planung. Und genau so wird auch auf den Klimawandel reagiert. Die Alternative ist: öffentliche Investitionen zur Errichtung von Wind- und Solaranlagen und zur termischen Sanierung der Häuser, Schaffung von »grünen Jobs« und neue Standards und Regulierungen zugunsten nachhaltiger und zukunftsfähiger Sektoren. Es ist besser, für eine ehrliche Alternative einzustehen als bei Pseudo-Lösungen wie dem Zertifikat-Handel zu assistieren. In einer Welt des Klimawandels, steigender Nahrungsmittelpreise, der Kriege um Ressourcen, extremer Ungerechtigkeit und wirtschaftlicher Krisen müssen wir die Spielregeln ändern und das Marktsystem zerstören um unsere Zukunft zu retten. Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführender Artikel:
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