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Juli/August - 2011 (Di. 21.06.11) Hauptsächlich jüdische und italienische Arbeiterinnen organisierten sich in den Gewerkschaften in New York © National Archives
Der Brand in der Triangle Waistshirt Factory war einer der bestimmenden Momente der amerikanischen Arbeiterbewegung. Anlässlich des 100. Jahrestags rollt Peter Herbst die Geschehnisse rund um den Arbeitskampf auf. In der New Yorker Näherei waren großteils jüdische und italienische Einwanderinnen beschäftigt.
Die KatastropheDas Feuer bricht Ende des Arbeitstages im achten Stockwerk aus und greift rasch auf die obersten beiden Stockwerke über. Die Arbeiterinnen im achten Stock versuchen den Brand zu löschen, was jedoch aufgrund des geringen Wasserdrucks nicht gelingt. Sprinkleranlage oder Brandschutztüren – damals durchaus schon üblich – gibt es nicht. Die Arbeiterinnen im zehnten Stock können per Telefon gewarnt werden, im neunten Stock erfahren sie erst vom Feuer, als die Flammen durch den Fußboden schlagen. Ein paar Dutzend können sich mit den Aufzügen retten, bevor diese funktionsuntüchtig werden. Die mangelhafte Feuertreppe, die möglicherweise bereits vorher beschädigt war, gibt unter dem Gewicht der Flüchtenden nach und stürzt 30 Meter in die Tiefe. Ein Stiegenhaus ist aufgrund des Feuers innerhalb von drei Minuten unpassierbar. Vor der versperrten Tür zum anderen Stiegenhaus wird später ein Leichenberg gefunden werden. Passanten sehen mit an, wie eine Frau nach der anderen in den Tod springt oder stürzt, manche von ihnen brennend. Die Leitern der Feuerwehr sind zu kurz, manche springen und versuchen sich an ihnen festzuhalten, keine Einzige schafft es. Die Sprungtücher reißen unter dem Aufprall der Körper. Ein Mann und eine junge Frau werden gesehen wie sie sich küssen, bevor sie gemeinsam in den Tod springen. Manche setzen sich verzweifelt wieder an ihre Arbeitsplätze, wo sie ersticken. Die FarceDie Betriebseigentümer wurden vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen, im anschließenden zivilrechtlichen Prozess wurden sie pro getöteter Arbeiterin zu 75 Dollar Strafe verurteilt. Von der Versicherung erhielten sie 60.000 Dollar mehr als den angegeben Schaden oder 400 Dollar für jedes der 146 Opfer. Auch zuvor waren sie bereits mehrere Male nach Bränden durch Versicherungen entschädigt worden, deren Umstände Versicherungsbetrug nahe legten. Ein paar Wochen später waren im neuen Fabriksgebäude die Fluchtwege nicht mehr verschlossen, sondern mit Maschinen zugestellt. Blanck, einer der Eigentümer, wurde zwei Jahre später festgenommen, da er erneut die Türen zum Arbeitsbereich versperrte. Er erhielt eine Strafe von 20 Dollar. Die KämpfeDer Grund für die versperrten Türen war angeblich Diebstahl durch die Arbeiterinnen, wobei Harris, der andere Eigentümer, während des Prozesses zugab, dass die Verluste aufgrund von Diebstahl nicht den Betrag von 25 Dollar pro Jahr überstiegen. Der tatsächliche Grund für die versperrten Türen war es, Gewerkschaften aus dem Betrieb fernzuhalten. Während eines Streiks der Textilarbeiter 1909, an dem sich 20.000 beteiligten, stellten sie als Ersatz Prostituierte an, um ihre Verachtung für die Arbeiterinnen zum Ausdruck zu bringen, sie heuerten Verbrecher an um die Belegschaft anzugreifen und drängten Polizisten dazu, Streikposten zu verhaften. An einem Streik 1910 beteiligten sich bereits 60.000 Arbeiterinnen. Das Ergebnis waren höhere Löhne, eine Anerkennung der International Ladies »Garment Workers« Union alsGewerkschaft sowie erste Ansätze einer Gesundheitsvorsorge.Das Feuer wurde zum Symbol für dieMissstände, deretwegen sich Arbeiter organisierten und schuf in derBevölkerung Sympathien für Arbeitskämpfe. Diese fanden zumBeispiel 1912 ihren Ausdruck, als während des Streiks der Textilarbeiter in Massachusetts die Kinder der Streikenden von Unterstützern in New York aufgenommen wurden. Oder 1913 während desPaterson Silk Strike in New Jersey, der von Künstlern in New Yorkunterstützt wurde. Auch wurden in New York neueSicherheitsverordnungen beschlossen, die schließlich bundesweitübernommen wurden. Der Streik machte allerdings auch den Spaltzwischen Bürgertum und Proletariat deutlich, wie Rose Schneidermannbei einer Andacht feststellte: »Ich kann nicht von einerKameradschaft sprechen, mit euch die ihr hier versammelt seid. Zuviel Blut wurde vergossen. Ich weiß aus meiner Erfahrung, dass es anden arbeitenden Menschen liegt, sich selbst zu retten. Der einzigeWeg in dem sie das tun können, ist durch eine starke Bewegung derArbeiterklasse.« Widerstand in den USA
wearemany.org/v/battle-front-wisconsin Weiterführende Artikel:
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