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Österreich | Rechtsextremismus

Mai - 2011    
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Die Verhaftung von Gottfried Küssel hat uns einen tiefen Einblick in die Arbeitsweise der FPÖ erlaubt und legt ihre engen Verbindungen zu diversen Nazi-Homepages offen, schreibt Peter Herbst.

Gottfried Küssel



Küssel hat sich vermutlich nicht träumen lassen, welche Fliehkräfte seine Verhaftung freisetzen würde. Rege Betriebsamkeit herrschte in der FPÖ bereits 2006, als nach einem Zwist mit dem damaligen Parteigenossen Ewald Stadler Fotos ans Tageslicht kamen, die Strache bei Wehrsportübungen zeigen – Schlagstöcke, Dolch und nachgestellte Exekutionen mit inbegriffen. »In höchster Erregung und Entrüstung« ließ sich Lutz Weinzinger (bis 2010 für die FPÖ im Nationalrat und Haimbuchners Vorgänger als Parteiobmann in Oberöstereich) dazu hinreißen, Gottfried Küssel einen »Idioten« zu nennen. Verständlich, nahm Weinzinger doch an, dass es Küssel war, der den Chef mit seiner Vergangenheit anpatzen wollte. In der Biographie »HC Strache. Sein Aufstieg. Seine Hintermänner. Seine Feinde« gestand Strache dann ein, dass er auf einer von der VAPO organisierten Wehrsportübung zusammen mit Küssel war, sei aber entsetzt nach Hause gefahren, nachdem ihm klar geworden wäre, was das für Leute waren(!!!).

Rechtsextreme Homepage



Nun grenzt sich die rechtsextreme Homepage »unzensuriert.at« selbst von seinem Gründer dem dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf ab. Auf der Homepage, werden regelmäßig Neuigkeiten aus rechtsextremer Sicht kommentiert. Die Kommentarfunktion wurde in den vergangenen Monaten auch von einem Besucher namens Isegrim genutzt, um über arische Hochkulturen und verschwindendes »Rassenniveau« zu referieren. Als er bei einem Posting mit dem Titel »Moslems raus« besonders über die Stränge schlug, sah sich die unzensuriert-Redaktion gezwungen, einen Teil seiner Ergüsse zu zensieren. Ansonsten fiel er jedoch laut Alexander Höferl nicht sonderlich auf, was angesichts des übrigen Seiteninhalts plausibel ist. Es wäre auch nichts weiter passiert, hätte Isegrim nicht Küssels Freilassung gefordert. Die folgende Aufmerksamkeit führte dann zur Sperrung und zum Versuch seine monatelange, ungehinderte Tätigkeit zu vertuschen, indem man sämtliche Postings von ihm löschte. Des Weiteren will man in Zukunft die tatsächliche Gesinnung auf unzensuriert.at nicht offen heraushängen lassen, um unbedarfte Besucher nicht sofort abzuschrecken. Man darf gespannt sein, wie mit einem Besucher namens »der faule Willi« verfahren wird, der sich einen »Militärputsch heimattreuer Soldaten« wünscht.

Martin Graf



Und: »Unzensuriert.at steht seit geraumer Zeit in keinem personellen und organisatorischen Zusammenhang mehr mit seinem Gründer, dem dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf.« Man will politischen Mitbewerbern keine Angriffsfläche bieten, was sehr rücksichtsvoll ist, aber gleichzeitig verlinkt man weiterauf Grafs Homepage und seine facebook-Seite. Graf wurde auch nicht aus dem Impressum gelöscht, genauso wenig, wie die übrigen als Autoren/Gastkommentatoren mit engen Verbindungen zur FPÖ: EU-Parlamentarier Andreas Mölzer sowie die NR-Abgeordneten Walter Rosenkranz und Norbert Hofer sind allesamt lang gediente FPÖ-Mitglieder, Alexander Höferl ist Martin Grafs Pressesprecher und Grafs Büroleiter, Walter Asperl, ist selbst Mitglied der deutschnationalen Burschenschaft Olympia und stellte wie Graf das Verbotsgesetz in Frage.

Olympia



Apropos Olympia: Die bekundete bereits im November 1993, in Person ihrer Funktionäre Volker Lindinger und Mathias Konschill, ihre Solidarität mit Küssel und ihren Widerstand gegen »Gesinnungsterror«. Damals war Küssel soeben wegen Wiederbetätigung zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

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