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Österreich | Protest | Rassismus | Rechtsextremismus | Islam

Mai - 2011    
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Wir hatten den Infotisch mit Transparent und Schilder noch nicht mal aufgebaut, kamen schon die ersten Interessierten. Kein Wunder überall war Polizei. Die hetzerischen Bürgerinitiativen präsentierten den neuen Dachverband der »Bewegung Pro Österreich« im Brigittenauer Stadl. Viele wussten bis jetzt nichts vom Medienspektakel des organisierten islamfeindlichen Mobs in ihrem Grätzel.

Wir hatten doppelseitige Flugzettel für Anrainer schon vorbereitet und informierten offensiv. Bis auf zwei bereits um 17 Uhr völlig Betrunkene fanden alle Rassismus gegen Muslim/innen völlig scheiße. Einige fingen gleich an unsere Flugis an andere Vorbeikommende zu verteilen. Eine Mutter von drei reizenden Söhnen kam mit Trinkwasser für uns zurück.

Mütter mit Kindern waren am aktivsten



Überhaupt waren es großteils Mütter mit ihren Kindern, die aus dem Gemeindebau kamen, als sie unsere Durchsagen aus dem Megaphon hörten. Die Mädchen waren am mutigsten. Sie fragten gleich, ob sie auch am Megaphon reden dürften. Wir waren platt, wie cool die Kids Reden schwangen.

Silvia, eine emanzipierte Frau, berichtete wie widerlich sie diese Hetzer/innen findet. Ihre muslimische Nichte wird laufend von einigen Verhetzten als »Scheißtürkin«, etc. in der Schule angefeindet. Silvia ist wütend, dass das Kind sogar zusammengeschlagen wurde. Dieses Klima schüren die Islamfeinde bewusst und nehmen Gewalt in kauf. Da sind sich auch die Jugendlichen nebenan sicher: »Die wollen, dass wir uns gegenseitig fertig machen – lenken uns ab. Da spielen wir nicht mit!«

Allen ist klar, dass wir Frauen uns nicht vorschreiben lassen was wir anziehen und was nicht. Ein Mann sagte, dass er eigentlich nur gegen Atomkraft politisch aktiv ist. Aber hier müsste er trotzdem Haltung zeigen.

Kräfteverhältnisse im Gemeindebau



Wie bei einen hochpolitischen Straßenfest tauschten sich die herbeigekommenen Menschen grinsend aus. Die Stimmung war fantastisch. Die Beobachter von der Rassistenseite ärgerten sich offensichtlich, dass hier Widerstand vor Ort organisiert wurde. Sie können sich nur als Vertretung der »kleinen Leute« aufspielen, solange sie niemand entlarvt.

Es war ein herrliche antirassistische Aktion. Man könnte glauben, dass es keine Rassistinnen und Rassisten in den umliegenden Gemeindebauten gäbe. Islamfeinde bekämpfen macht nicht nur Spaß und ist ungeheuer nötig, vor allem zeigt es die Kräfteverhältnisse. Würde man nur den bürgerlichen Medien glauben schenken, bekämen Linke wohl Depressionen. sähe man die viel stärkere antirassistische Seite weder im Gemeindebau noch sonst wo. Aber kein Grund für Panik, viele Gründe zum Aufbau der aktiven, konsequenten antirassistischen Alternative.

Unsere Argumente gegen Islamfeindlichkeit


  1. Die »Bewegung pro Österreich« sind keine besorgte Bürger/innen, sondern organisierte Rassist/innen. 2009 sagte die Sprecherin der Initiativen Hannelore Schuster neben FPÖ-Strache: »Langsam finde ich Nazi schon als einen Ehrentitel.« Der Titel bleibt ihr.
  2. Diese Leute marschieren mit uniformierten Nazis und nehmen Gewalt in Kauf. 2010, kurz nach Straches Brandrede bei einem Aufmarsch des Mobs gegen ein islamisches Kulturzentrum in Floridsdorf, verübten Neonazis zwei Brandanschläge auf ein Zuwanderer- Wohnheim dort.
  3. Strache macht es wie Hitler in der Krise der Dreißiger Jahre. Er nutzt den Zorn der Menschen und lenkt ihn auf eine religiöse Minderheit, die für die Krise genauso wenig verantwortlich ist wie alle anderen Lohnabhängigen.
  4. Die FPÖ ist keine Protestpartei – sondern die Partei der elitären, deutschnationalen Burschenschaftler. Die FPÖ steht immer auf Seiten der Unternehmer. Strache lehnt nicht nur Reichensteuern oder eine höhere Stiftungssteuern ab. Wegen der Krise forderte die FPÖ ja sogar die Kollektivverträge aufzuheben. Das hatten die Faschisten früher umgesetzt.
Es hat sich wieder einmal gezeigt, Faschismus ist nicht die Bewegung der »kleinen Leute«!

von Karin Wilfingseder

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