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März - 2011 © Linksjugend Deutschland
Kein Bildungssystem weltweit sortiert so früh zwischen akademischer und »praktischer« Berufslaufbahn aus wie das österreichische. Dabei entscheidet vor allem soziale Lage und Bildung der Eltern über die Chancen der Kinder. Linkswende bringt die Fakten zu den Hürden.
Kindergartenplatz ergattert?Gute Kinderbetreuung in den ersten Jahren ermöglicht Eltern das Verdienen des Lebensunterhalts und fördert die soziale Kompetenz und das spielerische Lernen der Kinder. Nur schade, dass sich das nicht alle leisten können!
Volksschule oder Sonderschule?Auch wenn die Primarstufe als die einzige Gesamtschule Österreichs gilt – auch hier wird schon selektiert.
Hauptschule oder Gymnasium?Die prägendste Selektion passiert in Österreich schon mit 10 Jahren. Dieser Übergang belastet das Leben von Schülern, Eltern und Lehrern bereits im Vorfeld mit einem riesigen Erwartungsdruck und Versagensangst.
Lehre oder Weg zur Matura?Hier zeigt sich, dass die Entscheidung nach der Volksschule bereits den Bildungsweg vorherbestimmt hat.
Reich genug fürs Studium?Nur 39,3% der Jugendlichen erreichen in Österreich überhaupt die Hochschulreife. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass für sie der Weg in die Universität geebnet ist.
Erfolgreiche MädchenSowohl in höheren Schulen als auch an den Unis sind junge Frauen inzwischen in der Mehrheit. Doch mit Beginn des Erwerbslebens wendet sich das Blatt: Ab 25 Jahren fällt ihre Bildungsbeteiligung drastisch ab und sie brechen häufiger Ausbildungen ab als Männer – mit der Mehrfachbelastung in Familie und Beruf holt sie das alte Rollenbild wieder ein. Dann macht ihr Lohn trotz besserer Ausbildung nur 60% der Männereinkommen aus. Migration und Zweisprachigkeit ein Defizit?Kind von Migranten zu sein reicht im österreichischen Schulsystem, um als »Risikofall« zu gelten. Obwohl 2006 jedes fünfte Kind eine Zweitsprache beherrschte, wird dieses Potential bis heute nicht durch muttersprachlichen Unterricht oder zweisprachige Alphabetisierung genutzt. Stattdessen werden Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund auf ihre anfänglichen Sprachprobleme reduziert und vermehrt in Sonderschulen und Hauptschulen abgeschoben. Sie müssen überproportional oft eine Klasse wiederholen. Ihre Chancen auf Matura und Studium sind damit besonders gering. Armut ist größtes BildungshemmnisKindergärten sind großteils mit hohen Gebühren verbunden. Auch der Schulbesuch kostet: Bücher und Busfahrten sind nur zum Teil staatlich gedeckt. Die Einschulung bringt pro Kind durchschnittlich 118 Euro an »Materialkosten« mit sich – und die Preise für Hefte, Stifte und Co. steigen jedes Jahr (von 2008 auf 2009 z.B. um 7,7%). Wer es an die Hochschulen schafft, wird durch Studiengebühren, fehlende Familienbeihilfen und die Verschulung des Studiums (mit weniger Zeit für Nebenjobs) belastet. Mit Einführung der Studiengebühren 2001 begannen 7,7% weniger Jugendliche aus bildungsfernen Schichten ein Studium. Und es ist ein Teufelskreis: Die Einkommensunterschiede zwischen höchster und niedrigster Bildungsebene sind in Österreich im EU-Vergleich am größten. Menschen, die nur die Pflichtschulen absolviert haben, sind bei Einkommen und Beschäftigung in einer besonders prekären Lage – und diese zwingt sie dazu, ihren geringen Bildungsstand zu vererben. Zu allen Artikeln dieser Ausgabe |
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