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März - 2011    
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So unglaublich es heute klingen mag: Die Frauen, die 1911 beim ersten Internationalen Frauentag auf die Straße gingen, brachen damit das Gesetz und wurden verfolgt. Karin Wilflingseder berichtet von der Entstehung der sozialistischen Frauenbewegung.

Anfänge



Schon 1893 kam es in Gumpendorf zum ersten von Sozialistinnen organisierten Arbeiterinnenstreik. 700 Frauen protestierten drei Wochen lang gegen die unwürdigen Arbeitsbedingungen. Und das, obwohl das bis 1911 gültige Vereinsgesetz Frauen, Ausländern und Minderjährigen jede Form der politischen Betätigung untersagte.

Die soziale Schere zwischen Adeligen, Bürgertum und Lohnabhängigen klaffte Anfang des 20. Jahrhunderts weit auf. Arbeiterinnen und Arbeiter lebten unter schrecklichen Bedingungen. Wiens Einwohnerzahl stieg zwischen 1810 und 1910 um das Zehnfache an. 40% der Bevölkerung waren Untermieter, meist »Bettgeher«: In den kleinen Einzimmerwohnungen wurde in Schichten geschlafen um den Wucherzins zahlen zu können. Der Sozialdemokrat Viktor Adler beschrieb die Lage der »Sklaven vom Wienerberg«: »Für die Ziegelschläger gibt es elende Arbeitshäuser. In jedem einzelnen Raum… dieser Hütten, schlafen je drei, vier bis zehn Familien, Männer, Weiber, alle durcheinander, untereinander, übereinander. Die Arbeitszeit betrug bis zu 15 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. 1911 war ein Jahr geprägt von Teuerungen der Milch und Fleischpreise und Angriffen wie der neuen Mietgesetzregelungen. Durch die gestiegenen Mieten verschärfte sich die Situation für Lohnabhängige noch dramatischer«.

Soziale Situation



75% der Wiener Bevölkerung waren laut Statistik »Arbeiter, Hauspersonal, Lehrlinge, Amts und sonstige Diener«. 51 Prozent des geschundenen Industrieproletariats waren Frauen. Sie verdienten etwa die Hälfte der unterbezahlten Männer. Krankheit und Schwangerschaft waren häufig Kündigungsgründe. Kinderarbeit war zwar gängige Praxis, wegen des Verbots aber nicht in Statistiken erfasst.

Der Wiener Polizeiarzt Dr. Josef Schrenk schrieb in »Die Prostitution in Wien«: »Aus dem Proletariat rekrutieren sich die Verbrecher und die Prostituierten. » Wahr ist, dass 60% der Prostituierten früher Dienstmädchen waren. Das braucht nicht weiter zu verwundern: Entlohnung, Kost und Unterkunft der Dienstmädchen waren nicht geregelt. Üblicherweise arbeiteten sie von sechs Uhr bis Mitternacht, mussten die Speisereste der »Herrschaften« essen, schliefen dann am Tisch und hatten höchstens alle zwei Wochen einen Sonntagnachmittag frei. Die Dienstgeber hatten das Züchtigungsrecht und misshandelten dementsprechend das Personal. Sexuelle Übergriffe an den »Haussklavinnen« waren häufig. Wenn sie in ihren »Dienstbüchern« ein schlechtes Arbeitszeugnis hatten, fanden sie keine neue Anstellung.

19. März 1911



Die proletarischen Frauen hatten wenig gemeinsam mit adeligen, groß und kleinbürgerlichen Damen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der 1. Internationale Frauentag am 19. März 1911 von der der zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz ausgerufen wurde. Er fand in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und auch in den USA statt und übertraf alle Erwartungen. Es beteiligten sich über eine Million Frauen und Männer an den Protesten, in Österreich über 20.000 Sozialistinnen. Vor allem Klara Zetkin hatte erfolgreich für eine wichtigere Rolle der Frauen und ihrer Anliegen in Partei und Gewerkschaft gekämpft.

Verein sozialdemokratischer Frauen und Mädchen



Bereits 1902 gründete sich unter führender Beteiligung von Adelheid Popp, Gabriele Proft, Anna Boschek, Amalie Seidl und Therese Schlesinger und gegen einigen Widerstand der eigenen Partei der »Verein sozialdemokratischer Frauen und Mädchen« in Österreich. Sie waren es, die den Frauenkampftag aufbauten. Popp musste bereits als Elfjährige in der Fabrik arbeiten und wurde die Pionierin der sozialistischen Frauenbewegung. Proft war Dienstmädchen, später Heimarbeiterin und kämpferische Gewerkschaftsaktivistin. Boschek arbeitete bereits im Alter von neun Jahren, zunächst als Heimarbeiterin, später in Fabriken und widmete ihr Leben der Partei und der Gewerkschaft. Seidel musste schon im Alter von zwölf Jahren als Dienstmädchen zum Lebensunterhalt ihrer Familie beitragen. Schlesinger war die Tochter eines Papierfabrikanten und hatte daher Einblick in die soziale-Notlage der Lohnabhängigen. Aus der bürgerlichen Frauenbewegung wechselte sie in die Sozialdemokratie. Schlesinger übernahm den Vorsitz für den Frauenkampftag und dichtete dafür das »Frauenwahlrechtslied«.

Forderungen



Forderung der ersten Demonstration 1911 waren die Einführung des allgemeinen und geheimen Wahlrechts, Mutterschutz, Acht-Stunden-Tag, gleicher Lohn für gleiche Arbeit und Straffreiheit für Abtreibungen. Heute, hundert Jahre später, wird deutlich, dass viele dieser Forderungen noch immer nicht eingelöst wurden oder wieder in Frage gestellt werden.


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