Horacio Castellanos Moya: »Der schwarze Palast« |
Dezember - 2010 |
Buchtipp:Für viele Linke in Europa war in den 70er- und frühen 80er-Jahren Solidarität mit dem Befreiungskampf der linken Guerilla gegen das US-gestützte Terror-Regime in El Salvador der wichtigste Bezugspunkt. Die Todesschwadronen der Militär-Junta und der Großgrundbesitzer begingen 1981 in El Mozote eines der schlimmsten Massaker in der Geschichte Lateinamerikas. Doch die Geschichte von Diktatur und US-Intervention begann schon viel früher. »Der Schwarze Palast« spielt in El Salvador 1944, während des zweiten Weltkrieges. Der Autor Horacio Castellanos Moya erzählt die Geschichte einer Familie, als sich das Land von seinem Diktator General Martinez (im Roman der »Nazi-Hexer«) befreite. Die Zentrale Figur der Geschichte ist Haydee, eine klassische Frau der Oberschicht. Ihr Ehemann Pericles, mittlerweile Journalist, einst persönlicher Berater des Generals und Diplomat, wurde wegen eines regimekritischen Artikels verhaftet und in der Polizeizentrale, dem so genannten schwarzen Palast, festgehalten. Haydee besucht ihren Mann täglich und versorgt ihn mit Informationen und Nahrung. Währenddessen spitzt sich die politische Lage immer mehr zu. Wenige Tage später scheitert ein dilettantisch ausgeführter Putschversuch, bei dem sowohl Haydees und Pericles’ Sohn Clemente als auch dessen Cousin Jimmy eine führende Rolle spielen: der eine als Radiosprecher, der andere als Angehöriger des Militärs. Von einem Kriegsgericht werden beide in Abwesenheit zum Tod verurteilt. Clemente und Jimmy gelingt gemeinsam die Flucht. Der weinerliche und versoffene Clemente, der gar nicht so recht weiß, wie und warum er in diese Situation gekommen ist, und der rational funktionierende Jimmy sind durch ihr gemeinsames Schicksal auf Gedeih und Verderb aneinandergekettet, ohne sich ausstehen zu können. Zunächst verbringen sie Tage auf dem finsteren Dachboden eines Geistlichen, unternehmen im Anschluss, als Priester und Messdiener verkleidet, eine abenteuerliche Bahnfahrt zur Küste, um schließlich in einem Mangrovensumpf die Orientierung und alle Hoffnungen zu verlieren. Auf der anderen Seite ist Haydee, die während des Putsches keine Besuchserlaubnis mehr bekommt und langsam politisches Interesse entwickelt. Da sie nicht mehr ihren Mann zum Reden hat, vertraut sie ihre Sorgen und Bedenken ihrem Tagebuch an. So organisiert Haydee gemeinsam mit Müttern und Ehefrauen anderer Opfer des Regimes eine Art von Untergrund-Kaffeekränzchen-Netzwerk: Bei Schokotorte und verschlossenen Fensterläden werden Flugblätter gegen den General entworfen und vervielfältigt. Schließlich verbreitet die »frisch politisierte« Hadyee ihre Flugblätter im Schönheitssalon, in den sie pilgert, bevor sie für die Freilassung ihres Mannes demonstriert. »Der schwarze Palast« ist in einer konkreten politisch-historischen Wirklichkeit angesiedelt, in den Tagen vom 24. März bis zum 9. Mai 1944, bis zu jenem Tag also, an dem General Martinez, der zwölf Jahre lang in El Salvador ein theosophisch-rassistisches Schreckensregime ausgeübt hatte, vor den Protesten in die Knie ging. von Mario Schulmeister.ISBN 978-3-10-010223-2 www.fischerverlage.de |
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