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Österreich | Rassismus | Theorie | Islam
Oktober - 2010
In liberalen und auch linken Kreisen ist oft davon die Rede, dass FPÖ-Wähler halt ungebildet seien, ein typisches »Unterschicht«-Phänomen also. Dabei wird gerne vergessen, dass viele FPÖ-Stammwähler Akademiker und Kleinbürger sind. Es ist aber nicht zu leugnen, dass seit Haiders Übernahme der Partei viele Lohnabhängige, auch wenn sie sich ideologisch nicht fest an die Fascho-Truppe binden, zur FPÖ tendieren. Das zeigte sich in der Steiermark traurigerweise gerade in den traditionellen Industriegebieten, früher Hochburgen der Sozialdemokratie, in Wien in den klassischen Arbeiterbezirken wie Simmering und in den Verlusten der SP in den Gemeindebauten (wo sie aber immer noch 57% erreichte).
Vor allem junge Männer haben da die FPÖ gewählt. Laut SORA-Studie schnitt die FPÖ in der Steiermark bei unter 30-jährigen am besten ab, 16 Prozent stimmten für die FPÖ. In Wien punktete die Strache-Truppe vor allem bei jungen und ungelernten Lohnabhängigen. Bei beiden Landtagswahlen zeigte sich, dass Frauen mehrheitlich zu Rot und Grün tendieren. Auffällig konnte die FPÖ von der SPÖ gewinnen, aber auch 42% von Leuten, die bei der letzten Wahl Nichtwähler waren. ProtestAbgesehen davon, welche Rolle das Geschlecht spielen mag, diese jungen Männer waren zu einem großen Teil mit Sozialabbau konfrontiert: Eine ISA/SORA Wahltagsbefragung im Auftrag des ORF ergab, dass junge Männer der FPÖ ihre Stimme häufig dann gaben, wenn sie von Personalabbau, Lohnverzicht und Kurzarbeit betroffen waren. Das heißt, viele, vor allem junge, Lohnabhängige hatten das Gefühl, dass ihr Lebensstandard oder gar ihre Existenz angegriffen wird – und dass da keine Partei auf weiter Flur ist, die sie schützt, die ihre Interessen konsequent vertritt. Für Leute, die nicht wissen, wie sie im Winter die Heizung bezahlen sollen, war der »Feel Good«-Wahlkampf der SPÖ wohl nicht das richtige Angebot. In so einer Situation wählen dann viele »gegen die da oben« und wollen zumindest ihren Protest deponieren. Gerade diesen Leuten konnte die KPÖ übrigens in der Steiermark kein Angebot machen. Sie wurde viel zu wenig als Vertreterin einer Proteststimmung von unten angesehen. Der Wählerstrom von der KP zur FPÖ erklärt sich aber auch daraus, dass die KPÖ keinen Versuch machte, die Islamfeindlichkeit der Blauen ernsthaft zu konfrontieren. IslamRund 20% der FP-Wähler in der Steiermark waren laut Umfrage mit deren Politik gegenüber Muslimen nicht einverstanden, ihr Wahlmotiv war nicht in erster Linie Rassismus. Trotzdem kann man keinen FPÖ-Wähler aus der Verantwortung entlassen, für eine faschistische, offen rassistische Partei gestimmt zu haben. Das heißt, dass die Leute die aggressive Islamfeindlichkeit und die Nazi-Sympathien der FPÖ-Führung zumindest in Kauf genommen haben, während für andere gerade die Ausländerfeindlichkeit wichtigstes Wahlmotiv war. In Wien gaben FPÖ-Wähler die »Zuwanderung« als Wahlmotiv gleich hinter dem Motiv »Rote Absolute brechen« an. Es ist deshalb nicht richtig, sie einfach nur »Protestwähler« zu nennen. JugendEin anderes Vorurteil: Jugendliche, besonders mit niedriger Bildung, stimmen aus Unverständnis für die Blauen. Für Wien zumindest stimmt das nicht. Eine Umfrage des Instituts für Jugendkulturforschung vor der Wahl (genaue Analyse der Ergebnisse bei Redaktionsschluss noch nicht vorhanden, Anm.) zeigte: Rund 36 Prozent der Jugendlichen wollten am 10. Oktober für die SPÖ stimmen, 20 Prozent für die Grünen, 13 Prozent für die FPÖ und 12 Prozent für die ÖVP. Besonders hoch war die Zustimmung für die SPÖ bei Lehrlingen und Berufstätigen, hier wollten sogar 52 Prozent für die SPÖ votieren. Bei der Wiener Wahl stimmten dann 46% der Erstwähler für die SP. Wir sollten die Jugend nicht für dumm halten, die meisten wissen sehr genau, was von HCs primitiver Anbiederung und seinen hohlen Sprüchen zu halten ist. von Tom D. Allahyari Weiterführende Artikel:
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