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Wirtschaft | Imperialismus | Geschichte | Afrika | England
Oktober - 2010 Deutscher Kolonialherr © wikimedia-commons Der europäische Kolonialismus entwickelte sich ab 1500. Das habsburgische Spanien eroberte nach der »Entdeckung« Amerikas große Teile Mittel- und Südamerikas, Portugal wurde im 16. Jahrhundert zu einer großen Handelsmacht im Indischen Ozean, Indonesien und Brasilien. In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die »Vereinigten Provinzen« der Niederlande – »kapitalistische Musternation« dieser Zeit – die zentrale Handelsmacht in der Ostsee, im Mittelmeer und im Atlantik. Es war ihnen gelungen, die Portugiesen und Spanier als größte Handelsmächte abzulösen. In der Folge schaffte es England, die Franzosen komplett aus Nordamerika und Indien zu verdrängen und große Teile der ehemaligen Kolonialreiche Spaniens, Portugals und der Niederlande zu übernehmen. Großbritannien war so im 19. Jahrhundert zur imperialen Großmacht schlechthin geworden. Kolonialismus brachte viele Reichtümer nach Europa. Spanien und Frankreich erlebten jedoch nicht denselben Entwicklungssprung wie England und die Niederlande. Das liegt daran, dass der Status einer Kolonialmacht nicht zwangsläufig zu einer schnelleren wirtschaftlichen Entwicklung führen musste. Dynamik der bürgerlichen RevolutionenDer ausschlaggebende Punkt dabei war, dass durch bürgerliche Revolutionen in den Niederlanden (1568-1609) und in England (1688) der Adel entmachtet werden konnte. Dadurch erhielt die Dynamik der kapitalistischen Entwicklung einen gewaltigen Auftrieb. Auch in Spanien, Frankreich und Deutschland trachtete das Bürgertum nach Fortschritt, konnte den Einfluss des Adels aber nicht zurückdrängen. Dies wirkte sich negativ auf das Steueraufkommen und damit auf die Finanzierung der Armeen aus, denn die Adeligen und ihre riesigen Besitztümer brachten dem Staat keine oder nur minimale Steuern. Spanien schiffte – als der große Gewinner der frühen Kolonisierung – jährlich Tonnen an Silber aus den Anden und Mexiko nach Europa. Dadurch erhielten Karl V., Philipp II. und ihre Nachfolger die nötigen Ressourcen, um ihre Ambitionen in Europa zu verfolgen ohne dabei jedoch die mittelalterlichen Wirtschaftsmethoden modernisieren zu müssen. Die Folgen dieser Entwicklung waren ökonomischer Rückschritt und ein neuerliches Erstarken der habsburgischen Herrschaft in Spanien. In England und Holland dagegen flossen die Reichtümer in die Weiterentwicklung der Produktionsmethoden, was zu einem noch nie da gewesenen wirtschaftlichen Fortschritt führte. Nachfrage an RessourcenInsbesondere in England kreierte die Nachfrage durch die eigene Regierung eine gewaltige Eisenwarenindustrie. Militärische Anforderungen an die britische Wirtschaft pushten so die Industrielle Revolution. Die Verbesserung der Dampfmaschine und solch große Erfindungen wie die der Eisenbahn wurden erst unter jenen Bedingungen möglich, die es ohne die Impulse des Kolonialismus auf die Eisenwarenindustrie wohl nicht gegeben hätte. England baute ein gigantisches Eisenbahnnetz in seiner Kolonie Indien und transformierte das indische Wirtschaftsgefüge völlig. Eine »Nebenwirkung« dieser wirtschaftlichen Transformation war die Hungernot von 1876 – 1878 mit sechs bis zehn Millionen Toten. Was wir in dieser Phase der Geschichte beobachten können ist die Transformation der Natur von geopolitischer Konkurrenz. Was als Rivalität zwischen Dynastien und Auseinandersetzung um Territorien in der Krise des Spätfeudalismus begann, hat sich durch das Aufkommen der ersten kapitalistischen Staaten grundlegend verändert. Ihre ökonomische Basis – der Kapitalismus – verschaffte ihnen einen ungeheuren Vorsprung in den geopolitischen Kämpfen mit den absolutistischen Monarchien. Und vor allem verstärkte ihre koloniale Expansion die Dynamik der kapitalistischen Entwicklung »zu Hause«. Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführende Artikel:
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