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Geschichte | Revolution | Kultur | Frauenrechte

September - 2010    
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Frida Kahlo könnte uns kaum so begeistern, wäre sie tatsächlich nur die leidende, unterdrückte Ehefrau des Malers Diego Rivera gewesen. Die Bezeichnung als »Malerin des Leidens« oder die Reduzierung ihres Werks zur »Frauenkunst« drängen die großartige Künstlerin in eine weibliche Opferrolle, meint Karin Wilflingseder. Bis 5.12. präsentiert das Kunstforum Wien die bisher größte Kahlo-Ausstellung in Europa mit 150 Werken.

Die Werkschau will zwar abseits der Heiligenverehrung »Licht in Fridas Rezeptionsgeschichte bringen« und über den populären, »biografisch-voyeuristischen Aspekt« hinausgehen. Leider vergessen die Begleittexte auf den sozialen und politischen Werdegang der Künstlerin. Eine fast völlige Entpolitisierung und Reduktion auf das Geschlecht der Künstlerin erlitt schon die Zeitgenossin Tina Modotti in der Retrospektive im Kunsthaus.

Monatelang ans Bett gefesselt begann Frida Kahlo mit ihren ersten Malversuchen. Ihr Unterleib wurde bei einem schweren Busunglück von einem Geländer durchbohrt. Die Folgen des Unfalles im Jahr 1925 bereiteten ihr ein Leben lang Schmerzen. Entgegen allen medizinischen Erwartungen lernte Frida wieder laufen. Sie perfektionierte ihr künstlerisches Talent. »Damals begann ich, ernst und konzentriert zu schauen, zu zeigen, dass ich eine gute Kämpferin bin.«, schrieb Frida Kahlo.

Der bedeutendste Maler Mexikos, Diego Rivera, war ihre große Liebe. Sie schrieb in ihren Tagebüchern, ohne Diegos Liebe hätte sie die zunehmenden Qualen oft nicht ertragen können. Neben offener politischer Bildersprache und den berühmten Selbstporträts gibt es viele Werke, die die eigenen körperlichen und emotionalen Traumata darstellen.

Neben großen männlichen Kollegen



Frida war nie unterwürfig. Nach ihrer Begegnung mit der jungen Künstlerin sagte Diegos damalige Ehefrau Lupe: »Sie ist eine zarte junge Frau, die Tequila wie ein Straßenmusikant hinuntergurgelt, selten ohne Zigarette anzutreffen ist und meinen Mann cuatado (Kumpel) nennt.« In Diego Riveras 1943 veröffentlichtem Essay »Frida Kahlo und die mexikanische Kunst« schrieb er: »Im Panorama der mexikanischen Kunst der letzten zwanzig Jahre strahlt das Werk von Frida Kahlo wie ein Diamant unter geringwertigen Juwelen, klar und hart, mit genau umgrenzten Facetten.«. Picasso schwärmte in einem Brief an Rivera: »Weder Derain, noch du oder ich, keiner von uns kann einen Kopf so malen wie Frida Kahlo.«

Sie liebte die Revolution!



Frida ändert früh ihr Geburtsdatum von 1907 auf das 1910, da in diesem Jahr die mexikanische Revolution ausbrach. Sie wollte ihren Lebensbeginn mit diesem Ereignis verbinden. Bauerntruppen besiegten die Armee und beseitigten die Diktatur, aber sie verabsäumten es ein Bündnis mit der jungen Arbeiterklasse herzustellen. Nachdem sich die Bauernarmeen aufs Land zurück zogen, konnten die konterrevolutionären Kräfte Arbeiter und Bauern gegeneinander ausspielen. Die großteils indigenen Bauern blieben in der mexikanischen Geschichte die großen Helden der Revolution, obwohl sie letztlich um viele ihrer Siege betrogen wurden. In diesem Spannungsfeld arbeiteten Frida Kahlo und Diego Rivera. Die Helden und Heldinnen der mexikanischen Revolution waren Indios, Landarbeiter und Kleinbauern. Frida trug die Tracht und den Schmuck der aufständischen Indios, die sie auch in ihren Bildern ehrte. Die einst am schwersten Unterdrückten standen für Widerstand und Stolz. Ihre Parole lautete »Land und Freiheit«.

Für Frida und Diego war die russische Revolution von 1917 die zweite wichtige Inspiration. Frida titelte ein Bild: »Der Marxismus wird die Kranken heilen«. Sie wollte Teil sein im »Kampf, den die Menschen um Frieden und Freiheit führen«. Zwei Jahre lang wohnten Stalins Gegner, Trotzki und seine Frau Natalia, in Fridas Blauem Haus. Als der Spanische Bürgerkrieg 1936 ausbrach, gründete die Malerin gemeinsam mit anderen Künstlern ein Solidaritätskomitee zur Unterstützung der Republik. Kurz vor ihrem Tod 1954 nahm sie im Rollstuhl an ihrer letzten Demonstration gegen den vom CIA unterstützten Sturz des linken Präsidenten von Guatemala teil. Fridas Bilder sind mit ihrer Kraft und Schönheit ein direkter Ausdruck der Kämpfe, die ihr Leben prägten.

Frida Khalo Retrospektive



Ausstellung bis 5. Dezember 2010;
im Bank Austria Kunstforum (Freyung 8, 1010 Wien)
geöffnet: Mo. bis So. 10-19 Uhr, Fr. 10-21 Uhr
Eintritt: 10 Euro

www.bankaustria-kunstforum.at

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