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Österreich | Soziales | Bildung

September - 2010    
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Unter Schwarz-Blau begonnen – Österreichs Uni-Politik bleibt eine Müllhalde. Während Länder wie Deutschland und Frankreich Milliarden in Forschung stecken, kündigt Österreichs Regierung das Einfrieren des Uni-Budgets ab 2012 an. David Albrich beleuchtet die sozialen Auswirkungen der Spar- und Reglementierungspolitik.

Anstatt in Bildung und Wissenschaft zu investieren, werden generelle Zugangsbeschränkungen eingeführt. Doch hinter den Forderungen von Wissenschaftsministerin Karl nach Elite-Unis und Studienbeschränkungen steckt mehr als nur eine unangebrachte Sparpolitik.

Selektion und Elitenbildung



Instrumente wie Zugangsbeschränkungen, Knockout-Prüfungen, und besonders Studien- und Kursgebühren dienen als »Hebel«, über den entschieden wird, wer Zugang zu höherer Bildung bekommt und wer nicht. Dabei geht es für Politik und Wirtschaft um Kontrolle – einerseits über die Bildung der künftigen Eliten, andererseits über die Produktion von »simplen« Fachkräften für die Wirtschaft. Ein solcher Bruch wird beispielsweise aktuell über die Limitierung von Masterstudienplätzen an der Wirtschaftsuniversität versucht.

Soziale Herkunft der Studierenden



Der Trend der letzten Jahre zeigt, dass wir uns bereits in Richtung einer »Bildungselite« bewegen und es schwieriger wird, ein Studium zu absolvieren, wenn man aus »einfacheren« Verhältnissen kommt. Die Studierenden-Sozialerhebung (SSE) ergab, dass von 1998 bis 2009 die Zahl an Studierenden aus niedrigen Herkunftsschichten von 26,2% auf 18,6% gesunken, während jene aus gehobenen und hohen Schichten von 46,2% auf 50,6% gestiegen ist. Die soziale Durchmischung nimmt auch während des Studiums ab: Der Anteil an Studis aus niedrigen Verhältnissen sinkt vom ersten bis zum sechsten Studienjahr um 2,8%, jener aus gehobenen und hohen Schichten steigt um 4,6%.

Zugangsbeschränkungen



Studienplatzbeschränkungen verstärken die soziale Selektion. Die Einführung des Eignungstest im Medizinstudiums (EMS) 2005 hat zu dramatischen Veränderungen geführt. Nach der SSE betrug 2002 das Verhältnis von Studierenden aus niedrigen Schichten zu jenen aus höheren Schichten (die sich teure Trainingskurse im Vorfeld leisten können) noch 1:3, kletterte 2006 auf 1:4 und landete schließlich 2009 bei unglaublichen 1:6. Alarmierend ist auch, dass Frauen beim EMS-Test schlechter abschneiden als Männer. Lag die Frauenquote vor Einführung des Tests noch bei über 50, ist sie bis 2009 auf 43 Prozent gefallen. Die Ursachen dafür liegen laut Experten bereits in Kindergarten und Schule.

Ausfinanzierung!



Derzeit werden neben Medizin auch noch Psychologie, Publizistik und Kommunikationswissenschaften, und Studien an Kunstuniversitäten beschränkt. Dabei soll es nicht bleiben: Der Chef der Universitätenkonferenz Sünkel hat immer wieder betont, dass »der freie Unizugang ein Problem« sei. Anstatt die Universitäten mit ausreichend finanziellen Mitteln auszustatten, wird der Bildungsbereich für den Großteil der Menschen ausgehungert, während einzelne Unis zu Exzellenz-Zentren umgebaut werden sollen.

Doch solche Veränderungen ziehen auch soziale Spannungen nach sich, wie wir vergangenes Jahr bei den größten Uni-Protesten seit langem erleben durften.

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