Wer ist der IWF? |
Juni - 2010 |
Ende des Zweiten Weltkriegs, 1944, wurden der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank von den Siegermächten in Bretton Woods (USA) gegründet. Das entstandene Weltwirtschafts- und Finanzsystem baute vorwiegend auf US-Interessen auf, das den Absatz seiner Handelsüberschüsse nach Europa und Asien sicherstellen wollte. Der IWF sollte kurzfristige Zahlungsschwierigkeiten der Mitgliedsländer vermeiden und die internationale Währungsstabilität sichern. Der IWF hat sich seit damals von einer finanztechnischen zu einer politischen Organisation gewandelt. Wenn der IWF keinen Kredit vergibt, bekommt das Land auch bei Privatbanken keine Kredite mehr. Und er vergibt Kredite gegen Bedingungen. Damit strukturiert er die Wirtschaft nach den Vorstellungen der kapitalistischen Staaten. Trotz unzähliger Beispiele für die katastrophalen Auswirkungen der IWF-Politik pochen die europäischen Eliten auf die »Hilfe« des IWF im Fall Griechenland.HaitiAls die Haitianische Bevölkerung in den 1980er Jahren den von den USA unterstützten Diktator Jean-Claude »Baby Doc« Duvalier stürzte, war das Land durch neoliberale Reformen schon vollkommen zerstört. Der IWF hatte unter der Bedingung, dass Strukturanpassungsprogramme durchgesetzt würden, Kredite an Haiti vergeben. Er verlangte, den Mindestlohn abzuschaffen und verbot Subventionen an haitianische Bauern, die dem freien Markt »dazwischenfunken« würden. Gleichzeitig wurde Haiti dazu gezwungen, seine Wirtschaft gegenüber hoch subventionierten US-Importen zu öffnen. Die Bevölkerung Haitis wurde vom globalen Nahrungsmittelmarkt abhängig. Vor 1950 erzeugte Haiti mehr als 80 Prozent seiner Nahrungsmittel selbst und exportierte sie sogar – heute importiert Haiti 75 Prozent. Als ob diese »IWF-Hilfe« nicht reichte, schritt er, zwei Tage nachdem das Erdbeben im Jänner diesen Jahres Haiti erschütterte, wieder ein, um Haiti noch tiefer in die Schuldenfalle zu tauchen. Die Hilfe des IWF kam in Form eines Darlehens von 102 Mio. US-Dollar – nicht in Form einer Spende. Zusätzlich zu dem, was Haiti bereits dem IWF schuldet, ergibt dies insgesamt 1,3 Mrd. US-Dollar an Schulden. 2003 gab Haiti mehr für Zinsen aus als es aus Hilfskrediten bekam! Dafür fordert der IWF, dass die Regierung den Elektrizitätspreis erhöht und Löhne einfriert. Die Krise wurde verwendet, um neoliberale »Reformen« in einem Land durchzusetzen, das bereits am Boden liegt. Die Parallelen zu Griechenland sind offensichtlich! Von Argentinien zu GriechenlandAuch Argentinien musste nach seinem Staatsbankrott eine »bittere Medizin nehmen«, wie es der damalige IWF-Chef Horst Koehler ausdrückte, und er fügte hinzu: »Das Problem Argentiniens ist hausgemacht.« Internationale Banken und Konzerne krallten sich sogleich, geschützt durch den IWF, die Telefongesellschaften, Öl und Gas. Das war nichts anderes als Diebstahl. Griechenland droht jetzt ähnliches: »Der IWF wird nicht aufhören, nach dem Blut der Arbeiter zu dürsten«, sagte der GSEE-Vorsitzende (Gewerkschaft des privaten Sektors) Yannis Panagopoulos. »Seine Rezepte sind eine Katastrophe, und die Regierung muss sie ablehnen.« Judith Litschauer |
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