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Arbeitskampf | Staatsgewalt | Geschichte | Lateinamerika
April - 2010 Das chilenische Militär bombardierte Städte und pferchte 100.000e in Lager Salvador Allende und die Unidad Popular (UP) gewannen 1970 nach Jahren intensiver Klassenkämpfe die Wahlen in Chile. Es war ein Ausdruck der Stärke der chilenischen Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen in Allende. Als Vertreter der alten Schule der Sozialreformer verkündete er den »chilenischen Weg zum Sozialismus«. Der UP-Regierung gelang es, erstaunliche Reformen durchzuführen. So wurde allen Kindern unter 7 Jahren ½ Liter Milch pro Tag zugesichert, was ein großer Schritt für ein armes Land wie Chile war. Außerdem kam es zu kleineren Agrarreformen und zu Verstaatlichungen von vor allem ausländischen Konzernen. Alles in allem vermied Allende jedoch größere Angriffe auf chilenische Unternehmen. Streik der BosseDie herrschende Klasse Chiles wollte 1972 Allende durch Unternehmerstreiks stürzen. Die Bosse sperrten einfach die Firmengebäude und Supermärkte zu, Ärzte und Anwälte schlossen ihre Büros. Sie versuchten das Land zu lähmen, indem sie wirtschaftliches Chaos und Panik erzeugten. Allende sollte so zum Rücktritt gezwungen werden. Die UP-Regierung wusste nicht, wie sie mit der Offensive der Kapitalisten umgehen sollte. Sie war gelähmt. SelbstorganisationDie Arbeiter Chiles wichen dem Druck nicht: sie begannen, ihr Geschick in die eigene Hand zu nehmen und bildeten »comandos comunales« zur Nahrungsmittelversorgung, zur Selbstverteidigung, für Bildung, usw., die zusammen mit den in den Betrieben gebildeten »cordones industriales« die Kontrolle über das Land übernahmen. Die cordones waren bereits da, als die Unternehmer die Werke zusperren wollten. Über Produktion und Verteilung der Güter wurde nun gemeinsam diskutiert und entschieden, nach den Prinzipien der Arbeiterinnen- und Arbeiterdemokratie. Dadurch war es dem chilenischen Volk gelungen, die Offensive der Unternehmer zurückzuschlagen und damit die Allende-Regierung zu retten. Aber diese Bewegung ging viel weiter: sie zeigte eine grundsätzliche Alternative auf, wie eine Gesellschaft demokratisch von den Menschen selbst organisiert werden kann. Allende passte diese Selbstaktivität der Arbeiterklasse nicht in sein Konzept eines »chilenischen Weges zum Sozialismus«. Die UP-Regierung einigte sich in der Folge ungeachtet des Umsturzversuchs mit den Unternehmern. Ein erster PutschversuchNachdem der Versuch der Unternehmer, Allende mit wirtschaftlichem Druck aus dem Amt zu hebeln misslungen war, planten sie den militärischen Putsch. Im Juni 1973 wurde der erste Versuch unternommen, und wieder war die Reaktion der Arbeiter enorm: sie schützten die Regierung mit massiven Protesten. Diesmal ging Allende sogar noch weiter um den Klassenkampf zu befrieden und beorderte sogar Armeegeneräle in die Regierung, unter ihnen ein gewisser General Pinochet. Die UP-Regierung fürchtete sich mehr vor der Massenaktivität von unten als vor den Bossen. Militärregime & »Chicago Boys«Pinochet und die Eliten verstanden Allendes Entgegenkommen als Schwäche. Am 11. September 1973 übernahm General Pinochet nach einem Militärputsch die Macht. Gewerkschaften, politische Parteien und Streiks wurden verboten, Zehntausende fielen dem Terror der Todesschwadronen zum Opfer. Auch wirtschaftlich wurde das Land umstrukturiert: Für die internationale herrschende Klasse war Chile das ideale Testfeld der Privatisierungspolitik. Chilenische Ökonomen, die in Chicago bei Milton Friedman studierten, errichteten in Chile das erste Experiment neoliberaler Politik. Sie waren das ökonomische Hirn der Diktatur. von Daniel Harrasser Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführende Artikel:
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