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April - 2010    
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Buchtipp – Bücher for Rebels



Der Junge im gestreiften Pyjama (original: The Boy in the Striped Pyjamas) ist ein Buch des irischen Schriftstellers John Boyne aus dem Jahr 2006. Es handelt von Bruno, einem achtjährigen Jungen der zur Nazi-Zeit in Berlin lebt. Als er eines Tages von der Schule nach Hause kommt, bricht seine Welt zusammen, weil er ohne Vorwarnung Berlin verlassen muss. Sein Vater wurde befördert und aufs Land in ein Konzentrationslager versetzt. Bruno, seine Mutter und seine Schwester folgen dem Vater. Der Autor nahm sich die Freiheit, nicht auf Auschwitz im Besonderen einzugehen, sondern beschränkte sich auf die allgemeine Methodik dieser Lager. Bruno muss alle seine Freunde in Berlin zurücklassen und fühlt sich allein.

So recht weiß er zwar nicht, was sein Vater macht, aber es muss etwas sehr Wichtiges sein. Er hat nun nur mehr seine ältere Schwester Gretel zum Reden, die hat jedoch nur Augen für den sadistischen jungen Offizier Leutnant Kotler, der sich permanent im Haus aufhält. So begibt sich Bruno auf verbotene Streifzüge durch die umliegenden Wälder. Dabei entdeckt er den Zaun des Arbeitslagers, wo sich viele Leute in »gestreiften Pyjamas« aufhalten. Durch Zufall lernt er dort den gleichaltrigen Schmuel kennen, der hinter dem Zaun lebt und sie werden Freunde. Die beiden Jungen treffen sich jeden Tag am Stacheldrahtzaun, sie reden oder spielen Brettspiele – jeder auf seiner Seite. Eine der interessantesten Stellen ist die, als Schmuel ins Haus von Bruno zum Arbeiten eingeteilt wird. Bruno gibt dabei Schmuel aus dem Kühlschrank zu essen. Als er von Leutnant Kotler angesprochen wird, ob Bruno ihm zu essen gegeben habe, oder Schmuel es sich stahl, verrät Bruno seinen Freund. Unmittelbar danach begreift Bruno, dass er seinen Freund im Stich gelassen hat. Nur langsam fanden die beiden Freunde wieder zueinander. Als Schmuel schließlich seinen Vater nicht mehr findet, will Bruno ihm suchen helfen und schmuggelt sich ins Lager, in dem alle Leute nur Pyjamas tragen.

Das Buch bedeutete den Durchbruch des irischen Autors Boyne. Es erhielt weltweit hohes Kritikerlob und hielt es sich monatelang in den Bestsellerlisten. 2008 wurde die Geschichte verfilmt. Im Herbst 2009 lief der Streifen schließlich in den österreichischen Kinos. Boyne gelingt es in diesem Buch die Schrecken des Holocaust aus dem Blickwinkel eines naiven Kindes zu beschreiben. Bruno stellt aus seiner Naivität heraus unpassende Fragen und spricht vom »Furor« und »Aus-Wisch«. Im Gegensatz zu seiner Schwester, die unreflektiert die Propaganda übernimmt, fragt Bruno, ob er auch Jude sei, und begreift die Gut / Böse-Rhetorik des 3. Reichs nicht.

Boyne meinte, dass nur Opfer und Überlebende die Gräuel jener Zeit in Auschwitz wirklich begreifen können, und dass wir anderen – die sich auf der anderen Zaunseite befinden – nicht mehr als versuchen können, aus dem Ganzen schlau zu werden. Die einfache Art, wie das Buch geschrieben ist, macht das Lesen besonders für Jugendliche Interessant. Es tut auch gut, dass es nicht mit dem erhobenen Zeigefinger geschrieben wurde. Die erschütternde Botschaft ist, dass auch Du es sein könntest, der auf der anderen Seite des Zauns ohne Essen, ohne Schuhe, ohne Zukunft lebt!

ISBN 978-3-596-80683-6, Fischer Verlag. 272 Seiten
www.fischerverlage.de

von Mario Schulmeister

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