Wirtschaftskrise & Faschismus: Olympia will Umsturz

März - 2010
Drucken

Wirtschaftskrise & Faschismus: Olympia will Umsturz', 'Wirtschaftskrise & Faschismus: Olympia will Umsturz', '', 'Die »Heimatseite« (arisch für Homepage) der Burschenschaft Olympia zeigt Mitte Februar nur drei Artikel. Die haben es in sich: Der eine Artikel heißt »Wer ist der Feind?«. Die Antwort ist wenig überraschend: die antifaschistische Linke. Der andere Artikel wird mit »Die Zeit des Umbruchs naht…« betitelt und handelt vom nahenden »Schicksalstag der Deutschen«.

Der interessanteste Artikel »Umsturz 2010?« geht inbrünstig auf die derzeitige Krise des Kapitalismus und die damit verbundenen Hoffungen der deutschnationalen Burschenschaft ein. Hier ein Auszug aus dem pathetischen Machwerk:

|z-start|»Der aufmerksame Zeitbeobachter spürt schon seit längerem, daß sich die gesamte Welt in einem Gärungsprozeß befindet: … Geschichte wiederholt sich eben doch. … Wir müssen uns durch mentale wie politische Vorbereitung rüsten, um dann, wenn es darauf ankommt, unsere Handlungsfreiheit bewahren zu können und uns zum Wohle unseres Volkes mit aller Kraft in die Waagschale werfen zu können! Jede Krise bringt ihre Revolution mit sich – laßt uns diese zu unserer werden!«|z-end|

Kaderschmiede der FPÖ



Das bedeutet für Olympia-Kenner nichts anderes als dass die akademische Burschenschaft sich für den Umsturz rüstet. Auf der Homepage des Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes gibt es folgende Erkenntnisse nachzulesen: »Laut Hamburger Verfassungsschutz scheinen innerhalb des deutsch-österreichischen Dachverbandes Deutsche Burschenschaft (DB) jene ''Kräfte'' an Gewicht zu gewinnen, die eine starke Affinität zum nationalistischen Lager aufweisen«. Namentliche Erwähnung findet dort die Wiener Burschenschaft Olympia. Der Innsbrucker Historiker Michael Gehler kommt zum Schluss, dass Österreichs Burschenschaften heute in Teilen von einer »bis ins Neonazistische reichenden Gesinnung« geprägt seien. … Doch erschöpft sich die Bedeutung der Burschenschaften nicht in der Funktion einer Kaderschmiede oder eines Auffangbeckens für den militanten Rechtsextremismus, auch die entliberalisierte Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) rekrutiert ihr Führungspersonal wieder zu einem nicht geringen Teil im korporierten Milieu… Der Olympe und FPÖ-Nationalrat Martin Graf: »Die heutigen Staatsgrenzen wurden willkürlich gezogen; das deutsche Volkstum muß sich frei in Europa entfalten können.« (-) … Neben dem Ausblenden der Verstrickungen von Burschenschaftern in die NS-Herrschaft ist in burschenschaftlichen Kreisen auch die Leugnung oder Verharmlosung der NS-Verbrechen und der deutschen Kriegsschuld (»Revisionismus«) verbreitet.«

Gastgeber für Ewiggestrige



Ein Dossier über die Olympia hat der Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger zusammengestellt. Darin finden sich Veranstaltungen, Gäste und Aussagen von namhaften Repräsentanten der Olympia:

|z-start|»Die Burschenschaft Olympia und ihre Anwälte Dr. Hübner und Dr. Steiner können vieles behaupten und festhalten – eines können sie nicht entkräften: die Burschenschaft Olympia ist eine rechtsextreme Burschenschaft mit zahlreichen und besten Kontakten zu neonazistischen Personen und Organisationen. … Irving, David, britischer Holocaust-Leugner, aufgrund eines Haftbefehls aus dem Jahr 1989 am 11.11.2005 verhaftet. Irving war auf dem Weg zu einer Diskussionsveranstaltung der Olympia gewesen, eingeladen und geleitet vom Olympen Christoph V. … David Irving wurde nach seiner Festnahme von einem österreichischen Gericht wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt…« |z-end|

Ein weiterer Gast der Olympia ist Rennicke, ein rechtsextremer Liedermacher, früher bei der »Wiking-Jugend«, dann NPD-Mitglied. Er ist gemeinsam mit dem österreichischen Neonazi Gerd Honsik Gründungsmitglied des »Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten«.

Der Kreis schließt sich: FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache hat im Zuge der Foto-Affäre Kontakte zur Wiking-Jugend zugeben müssen: »Strache erklärte weiters, zu Silvester 1989 an der deutsch-deutschen Grenze an einer Aktion teilgenommen zu haben, bei der auch Mitglieder der Organisation (Wiking Jugend) anwesend gewesen seien. Ziel der Versammlung sei es gewesen, DDR-Bürgern ''Care-Pakete'' über die Grenze zu reichen.«

Der ehemalige Parteifreund Straches, Ewald Stadler, berichtete, dass Strache bei einer Veranstaltung der kurz danach wegen Wiederbetätigung verbotenen Wiking-Jugend vom deutschen Bundesgrenzschutz verhaftet worden sei.

Man muss kein Historiker sein, um zu wissen, dass die Mauer damals bereits gefallen und die DDR schon Geschichte war.

Perspektive Revolution



Die Neonazis stehen für eine revolutionäre Situation bereits in den Startlöchern. Immer wieder hat die Abwesenheit sozialistischer Strategien zur Niederlage von Bewegungen geführt. Moderne Geschichte ist eine Geschichte der Siege und Niederlagen von Bewegungen. Adolf Hitler schrieb 1934: »Nur eines hätte unsere Bewegung stoppen können – wenn unsere Gegner ihr Prinzip verstanden hätten und vom ersten Tag an den Kern unserer neuen Bewegung mit aller Brutalität zerschlagen hätten.« Kapitalismus und seine Krisen geben Faschisten immer wieder die Möglichkeit anzuwachsen.

Rosa Luxemburg hatte es in Deutschland nicht geschafft rechtzeitig eine sozialistische Organisation aufzubauen. Das hat ihr letztlich das Leben gekostet. Dass der Staat den Faschisten nichts entgegen zu setzen hat, zeigt sich am deutlichsten daran, dass Hitlers erste diktatorische Maßnahmen vom deutschen Parlament legitimiert wurden, noch bevor er das Parlament ausgeschaltet hat.

Es geht hier nicht darum, Panik zu schüren. Wir von Linkswende bauen eine sozialistische Organisation auf, damit »Nie wieder Faschismus« nicht nur eine Worthülse bleibt. Dafür haben wir nicht unbegrenzt Zeit, aber mit einer Revolution 2010 rechnen nur die Ewiggestrigen – wir nicht. Der russische Revolutionär Lenin beschrieb, wann eine revolutionäre Situation entsteht:

|z-start|»Zur Revolution genügt es nicht, dass sich die ausgebeuteten und geknechteten Massen der Unmöglichkeit, in der alten Weise weiterzuleben, bewusst werden und eine Änderung fordern; zur Revolution ist es notwendig, dass die Ausbeuter nicht mehr in der alten Weise leben und regieren können. Erst dann, wenn die unteren Schichten die alte Ordnung nicht mehr wollen und die Oberschichten nicht mehr in der alten Weise leben können, erst dann kann die Revolution siegen. Diese Wahrheit lässt sich mit anderen Worten so ausdrücken: Die Revolution ist unmöglich ohne eine gesamtnationale (Ausgebeutete wie Ausbeuter erfassende) Krise«|z-end|

Drucken

www.linkswende.org