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Geschichte | Revolution
Jänner/Februar - 2010 Das kulturelle und wissenschaftliche Leben Europas im Mittelalter war geprägt von der Rückständigkeit der katholischen Kirche im Vergleich zu asiatischen Hochkulturen. Schon im 13. Jahrhundert wurden erste Schritte in die Moderne versucht: In Toledo, im arabisch beherrschten Süden Spaniens, wurden wissenschaftliche Werke aus dem Griechischen, Latein und Arabischen übersetzt. Technologische Errungenschaften aus Alexandria und Rom, die in Europa seit eintausend Jahre vergessen waren, wurden wieder belebt. Aber die Errungenschaften konnten sich nicht durchsetzen. Kampf der Eliten gegen die ModerneDie herrschenden Eliten, die Feudalherren, Bischöfe, Äbte und Päpste unterdrückten mit aller Brutalität die aufkeimende Moderne. Sie verfolgten die Wissenschaftler, überzogen Europa mit Kriegen und verwüsteten die prächtigen Städte des Orients in den Kreuzzügen. Die »Heilige Inquisition« und das Verbrennen von Menschen für Ketzerei wüteten in Westeuropa. Erst als im 15. Jahrhundert reiche Kaufleute in den Städten Norditaliens zu dominieren begannen, wurden Wissenschaftler und Künstler, wie Michelangelo und Leonardo da Vinci gefördert. Die »Renaissance« (Wiedergeburt) verbreitete sich von dort über Europa. Vernunft und WissenschaftDie Aufklärung war dann eine Bewegung im 18. Jahrhundert, die von Philosophen, Ökonomen, Dichtern, Naturwissenschaftern oder Musikern getragen wurde. Sie kamen zu unterschiedlichsten Weltanschauungen, aber was sie gemeinsam hatten, war ihr Vertrauen auf Vernunft und Wissenschaft. Die Förderung davon sollte der Entwicklung des Individuums dienen und nicht der Huldigung von Königen oder der Fortschreibung mittelalterlichen Aberglaubens. Die berühmtesten Figuren der Aufklärung waren Descartes, Spinoza, Voltaire, Montesquieu, Adam Smith, aber auch Musiker wie Mozart. Kein aufgeklärtes ZeitalterObwohl sie in den intellektuellen Zirkeln Westeuropas die Debatten dominierten »war das Zeitalter der Aufklärung kein aufgeklärtes Zeitalter« wie der Philosoph Kant 1884 bemerkte. In Spanien und Frankreich wurden Menschen verbrannt, Millionen Menschen wurden versklavt und aus Afrika in die Kolonien der »Neuen Welt« verschleppt. Voltaire wurde von bezahlten Schlägern eines Adeligen verprügelt und musste Paris verlassen, Diderot verbrachte Zeit im Gefängnis, Rousseau floh in die Schweiz, und das Theaterstück »Die Hochzeit des Figaro« von Beaumarchais durfte in den meisten Ländern Europas nicht aufgeführt werden. In manchen Ländern, wie unter Joseph II. in Österreich, wandten sich die Herrschenden selbst den Ideen der Aufklärung zu. Joseph II enteignete zahlreiche Klöster und verkaufte die Ländereien, er ließ Mozarts aufrührerische Verarbeitung von »Die Hochzeit des Figaro« selbst aufführen. Sein Ziel war die Modernisierung des Staats, um mit der hoffnungslosen Rückschrittlichkeit des Feudalismus brechen zu können. Veränderung der Gesellschaft?Die rasanten Fortschritte, die England seit der Revolution machte, waren der Maßstab des Zeitalters. Doch die »aufgeklärten Despoten« machten einen Rückzieher, sobald die einfachen Menschen weiter gehen und die Gesellschaft grundsätzlich verändern wollten. Die vorherrschenden Ideologien in den fortschrittlichsten Zirkeln zu beeinflussen oder die Gesellschaft zu verändern sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Erst der amerikanische Unabhängigkeitskrieg und die französische Revolution sollten Schwung in die Entwicklung bringen. von Manfred Ecker Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführende Artikel:
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