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Soziales | Rassismus | Geschichte | USA | Islam
August - 2002 Mediale Hetze»Der Feind hat sich offen zu erkennen gegeben. Unsere Feinfühligkeit hat uns bisher davon abgehalten seinen Namen zu nennen. Sein Name ist der radikale Islam«, so der Kolumnist Charles Krauthammer in der Washington Post nach den US-Anschlägen. Plötzlich bekamen die längst diskreditierten Ideen des rechten US-Politikwissenschafters Samuel Huntington wieder Auftrieb. Die terroristischen Anschläge seien Ausdruck eines Kampfes der Kulturen zwischen dem aufgeklärten Westen und der reaktionären Welt des Islams. Der englische Premierminister Tony Blair erklärte in CNN: »Es ist Krieg… zwischen der zivilisierten Welt und dem Fanatismus, diese Leute schrecken vor nichts zurück. Es war ein Angriff auf die gesamte zivilisierte Welt… « »Es geht um die offene Gesellschaft und ihre Feinde«, stimmt auch Hans Rauscher im Format in diesen Ton ein. Aufschwung des RassismusResultat dieser medialen Hetze ist ein Aufschwung des Rassismus und eine Welle von Übergriffen gegenüber Muslimen. Zwei Tote und mehrere Schwerverletzte gab es bereits in den USA. Flüchtlinge werden zu Sündenböcken. Man darf diese Leute eben nicht ins Land lassen, es ist zu gefährlich, Kann man überhaupt noch einem Moslem trauen? Vielleicht ist er auch einer von diesen Schläfern, so die Leserbriefe in einigen österreichischen Zeitungen. All diese Stellungnahmen versuchen die politische Basis der Terroranschläge mit einer angeblich völlig irrationalen Religion zu verschleiern. Es ist völlig falsch Muslime im allgemeinen mit den Terroranschlägen in Verbindung zu bringen. Innerhalb des islamischen Denkens gibt es viele unterschiedliche Richtungen. Der Koran kann, wie die Bibel auch, völlig unterschiedlich ausgelegt werden. Teilweise bedeutet der Koran für Reiche etwas anderes als für Arme. Generell zeichnet sich der Islam im Vergleich zu anderen Massenreligionen, wie auch dem Christentum, durch ein hohes Maß an Toleranz aus. Muslime mit Selbstmordattentätern gleichzusetzen wäre das Gleiche wie Christen mit dem Horror der spanischen Inquisition. Darüber hinaus gibt es einen Unterschied zwischen religiösen und politischen Islam. Islam ging als eine Religion aus den reichen Handelsgesellschaften im Mittleren Osten im 7. Jahrhundert hervor. Politischer Islam entwickeltet sich parallel zur Bildung von Nationalstaaten. Soziales ElendEinen besonderen Zulauf bekam er in Reaktion auf die Unterdrückung, Demütigung und Armut durch die westlichen imperialistischen Mächte im 20. Jahrhundert. Ein Koranschüler in Pakistan meinte zu den Terroranschlägen: Unschuldige Zivilisten sollten nicht getötet werden. Aber USA und andere Länder sollten verstehen, dass Menschen in Kaschmir und Palästina ein solches Schicksal jeden Tag erleiden. Radikale Islamisten profitieren aber nicht nur von Armut. Sie stützen sich auch auf die mangelnde Hoffnung der Menschen auf ein Ende ihres Leids. Der Journalist Robert Fisk erklärte was die Menschen nach den Attentaten mit soviel Hass erfüllte: »Ich half mit eine Fernsehserie darüber zu machen, warum so viele Muslime den Westen hassen. Gestern Abend erinnerte ich mich an einige Muslime in diesem Film, deren Familien von US-Bomben und US-Waffen ausgelöscht wurden. Sie sprachen davon, dass niemand ihnen helfen könnte außer Gott«. Der Sprecher der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich machte in einem Interview auch die sozialen Gründe für radikalen Islam klar. Bei und gibt es die Anerkennung unserer Religion, wir dürfen sie frei ausüben. Wir haben unsere Rechte. Wir haben einen hohen Lebensstandard. Wir müssen uns nicht jeden Tag Sorgen machen. Deshalb gibt es bei uns keinen Extremismus. Aber auch politischer Islam ist nicht überall gleich. USA und IslamIn der Vergangenheit fand die USA nichts dabei, islamische Regierungen zu unterstützen, wenn es ihren Interessen dienlich war. So sind die Herrscher der Golfstaaten durch ihre Kontrolle über die Ölvorkommen reich geworden, obwohl ihre Bewohner bitter arm sind. Die Herrscher behaupten, gläubige Moslems zu sein und eine Gemeinschaft ohne soziale Unterschiede zu vertreten. Aber hinter ihrem Reichtum steht riesige wirtschaftliche und militärische Macht – vor allem die der USA – welche die einfachen Menschen niederhalten. Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien sind bis heute enge Verbündete. Die CIA unterstützte die Mudschaheddin, die Vorläufer der Taliban, in den 80er Jahren im Kampf gegen die sowjetischen Truppen. Als 1996 die Taliban in Afghanistan an die Macht kamen, wurden sie weiterhin von den USA unterstützt, an ihrer strikten Auslegung des Islam, konnte US-Außenministerin Madeleine Albright nichts Anstößiges finden. Sie hat auch die afghanische Opposition nicht unterstützt. Ihr Führer Ahmad Shah Massoud, der kürzlich bei einem Attentat ermordet wurde, erklärte im August in einem Interview: »Wo ist die USA, wo ist die UN? Warum hilft uns keiner?« Terrorismus im Namen des Islam ist ein Produkt der Wut unter dem Eindruck, dass auch massenhafte Aktionen gegen Kapitalismus und Imperialismus nicht siegen können. Die internationale antikapitalistische Bewegung gibt aber Anlass zu Hoffnung. Nur wenn wir sie in den größten kapitalistischen Ländern aufbauen, kann sie sich dorthin ausweiten, wo die Menschen am meisten unter der Globalisierung leiden. Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführende Artikel:
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