|
|||||||||
|
|
|||||||||
|
|||||||||
|
|||||||||
|
Rassismus | Krieg | Imperialismus | Geschichte | Rechtsextremismus | USA | Afrika | Nahost-Konflikt | England
November - 2001 Jüdische Kinder weltweit sind nach 1945 mit 2 Konstanten aufgewachsen: einerseits der furchtbaren Erinnerungen an die Sho‘a und andererseits Israel, als Rettungsanker, das so etwas nie wieder geschehen lassen würde. Leider existieren in Bezug auf den israelischen Staat einige Mythen, die selten hinterfragt werden. So ist es keineswegs so, dass die ZionistInnen sich bemüht hätten Jüdinnen und Juden Europas vor der Vernichtung der Nazis zu bewahren. Zitate führender ZionistInnen belegen, dass die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina Vorrang hatte vor der Rettung der akut mit dem Tod Bedrohten. Wie Uri Avnery (Mitglied der Stern-Bande) meinte: »Den ganzen Krieg hindurch unternahm die zionistische Führung kaum Anstrengungen, den Jüdinnen und Juden zu helfen. Man hätte Kämpfer bewaffneter zionistischer Organisationen beispielsweise mit dem Fallschirm über Europa abspringen lassen können«. Als 1938 ein britischer Plan diskutiert wird, der die Einreise von zumindest mehreren Tausend deutsch-jüdischen Kindern nach GB ermöglichen soll, war David Ben-Gurion, einer der zionistischen Gründerväter, dagegen. Und was taten die Alliierten, um Jüdinnen und Juden zu retten? Die USA zeichnen sich durch folgende Maßnahmen aus:
ZionismusIst eine teils religiöse, teils historische Vorstellung, dass alle jüdischen Menschen der Welt, ein Anrecht auf das Land ihrer Vorväter hätten. Biblische Mythen sind Teil dieser politischen Philosophie. Die Idee des Zionismus blieb aber ohne praktische Bedeutung bis zu anhaltenden antisemitischen Ausbrüchen des späten 19. Jahrhunderts. In den 80er und 90er Jahren des 19.Jahrhunderts nahm die zionistische Idee Gestalt einer politischen Bewegung an. Zu dieser Zeit lebten 90% der gesamten jüdischen Bevölkerung in Europa und Russland. Jüdinnen und Juden hatten schon immer einen wichtigen Beitrag zur Kunst, Literatur und Wissenschaft in Europa geleistet. Permanent waren Jüdinnen und Juden aber auch Opfer von Hass und Gewalt. Obwohl diese Verfolgung oft religiöse Züge annahm, war es im Grunde ein Problem mit wirtschaftlichen Ursachen. Als Händlergemeinschaft mit eigener Religion waren Jüdinnen und Juden ein willkommener Sündenbock für die Herrschenden, die den Hass des Volkes von sich weglenken wollten. Besonders ausgeprägt war dieser Mechanismus im zaristischen Russland. Das Aufhetzen des Volkes zu Massakern an der jüdischen Bevölkerung wurde zum Standardmechanismus der Zaren und Großgrundbesitzer Russlands. Eine Massenauswanderung russischer Jüdinnen und Juden setzte ein, traditionell Richtung Amerika. In den 4 Jahrzehnten seit 1890 hatten mehr als 3 Millionen Jüdinnen und Juden Osteuropa und Russland Richtung Amerika verlassen. Fast eine halbe Million flüchtete nach Westeuropa. Im Vergleich dazu sind die bis 1930 ins damalige Palästina eingewanderten 120.000 Jüdinnen und Juden eine Minderheit. Die in den Westen geflohenen jüdischen Einwanderer trafen hier auf den voll entfalteten Imperialismus, der die Welt in Rassen eingeteilt hatte, um so die ArbeiterInnenbewegung zu spalten. Wie schon im Feudalismus zuvor dienten auch hier besonders jüdische Einwanderer als Feindbild und Sündenböcke. Die etablierten jüdischen Gemeinden Westeuropas betrachteten die Neuankömmlinge mit Argwohn, und suchten eine politische Antwort auf die wachsenden antisemitischen Ausbrüche. Viele Jüdinnen und Juden begriffen das eigentliche Wesen des Antisemitismus als grausamen Kontrollmechanismus zur Aufrechterhaltung des Status Quo und zur Spaltung der Opposition. Daher traten viele von Ihnen sozialistischen Bewegungen bei. Zionisten waren eindeutig in der Minderheit. 1939 war die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung nicht zionistisch eingestellt, und nur eine winzige Minderheit war nach Palästina ausgewandert. Seit 3 Generationen ging die jüdische Auswanderung immer Richtung Westen. Im Sommer 1933 kam es zum Transferabkommen zwischen ZionistInnen und Nazis zum gegenseitigen Nutzen. Nazideutschland strebte eine Stärkung seiner Wirtschaft und die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung an. ZionistInnen brauchten Menschen für die Realisierung eines jüdischen Staates. Im Gegenzug für vermehrte jüdische Einwanderung sprachen sich die ZionistInnen gegen den antideutschen Boykott aus, der die deutsche Wirtschaft empfindlich hätte treffen können. Im Jahr des Aufstandes im Warschauer Ghetto weigerten sich Führer des zionistisch jüdischen Rettungskomitees Gelder zur Rettung von Jüdinnen und Juden zur Verfügung zu stellen. Das zeigt, dass das Nachkriegsimage Israels als Retter der Jüdinnen und Juden höchst löchrig ist, und dass die Zusammenarbeit zwischen ZionistInnen und Nazis nicht aus humanitären Gründen, um möglichst viele jüdische Menschen retten zu können passierte, sondern alleine aus zionistischem Eigennutz. Zionismus behauptet ja, Antisemitismus sei unvermeidbar, und dass nur eine eigene jüdische Heimat die Lösung sei. Zionistische TheoretikerInnen gaben dem Antisemitismus nach, entschuldigten ihn und arbeiteten auch mit AntisemitInnen zusammen, da sie dachten, dass sich Judenhass für ihre Interessen nutzen lies. Nach dem Krieg ermutigten die Zionisten die Alliierten, keine jüdischen Flüchtlinge aufzunehmen, weil sie wussten, dass die Mehrheit der Geretteten die USA als Wunschziel der Auswanderung hatten, sie selbst aber Einwanderer brauchten. Die Anfänge IsraelsIm November 1947 kam es zur Unterzeichnung des UNO – Teilungsplans, der 55% Palästinas an die jüdische Bevölkerung (30% der Gesamtbevölkerung, die 6% des Bodens besaß) abgeben wollte, wobei annähernd 400.000 AraberInnen im jüdischen Staat leben sollten – genauso viele wie JüdInnen und Juden. In den 45% des palästinensischen Gebiets sollten 725.000 PalästinenserInnen und 10.000 Jüdinnen und Juden leben. Der Teilungplan signalisierte das Ende der britischen Herrschaft. Es kam zu heftigen Protesten der arabischen Bevölkerung des gesamten Nahen Ostens. Doch die arabische Führung betrieb nur eine halbherzige Opposition die PalästinenserInnen waren auf sich allein gestellt. Am 9. April 1948 beging die IRGUN-Miliz im palästinensischen Dorf Deir Yassin ein Massaker. Am 21.April wurde das überfüllte arabische Stadtviertel von Haifa mit Sprengstoff angegriffen. Dieser systematische Terror veranlasste die palästinensische Bevölkerung zu fliehen, und es kam zu einem riesigen Flüchtlingsstrom. Einen Tag nach der Proklamation Israels am 14. Mai 1948 marschierten arabische Truppen ein. Das war jedoch nur eine Scheinübung, und die arabischen Regierungen nahmen sofort Verhandlungen mit Israel auf. Zu dieser Zeit dominierte Großbritannien die arabische Liga. Jordanien unterstützte die Sabotage des UNO Teilungsplans, um eigene Ansprüche besser verwirklichen zu können. So standen sich im Unabhängigkeitskrieg nicht wirklich 600.000 Juden gegen 40.000.000 Araber gegenüber (laut zionistischer Geschichtsschreibung): tatsächlich zählten die Streitkräfte der arabischen Liga (5 arabische Staaten) zusammen nicht mehr als 15.000 Mann und auch die Ausrüstung machte von vornherein klar, wer Sieger sein würde. Die britische Kolonialverwaltung war überzeugt, dass die Haganah gegen den Widerstand der ganzen arabischen Welt Palästina, auch nach Rückzug der britischen Streitmächte halten könnte. Die UNO versuchte noch ihren Teilungsplan durchzusetzen, und schickte dafür einen Vermittler in die Region. Dieser wurde bald darauf durch Mitglieder der Stern – Bande getötet. Die Ermordung rief weltweiten Protest hervor, und Israel musste ein Waffenstillstandsabkommen im Jänner 1949 akzeptieren. Zu dieser Zeit waren bereits 80% Palästinas besetzt. Politik des Staates IsraelEs scheint in der israelischen Politik eine Tradition der Vergeltung für Terrorakte zu geben, in deren Folge unbewaffnete ZivilistInnen Opfer von Bombardierungen werden. Im Sommer 1982 bedeckte Israels Armee nach dem militärischen Einmarsch im Libanon, West – Beirut mit einem Flächenbombardement. Der Einmarsch galt als Vergeltung für die Ermordung von Shlomo Argov, dem israelischen Botschafter in London. In Wirklichkeit war der Einmarsch aber von langer Hand vorbereitet, wie die israelische Zeitung Ha‘aretz aufdeckte. Unmittelbar vor dem Einmarsch hatte Ariel Sharon (der General und Verteidigungsminister, der verantwortlich war für die Kriegsführung im Libanon) die USA besucht, und in der Folge 50% mehr Militärlieferungen aus den USA erhalten. Ein Nebeneffekt des Einmarsches im Libanon war, dass die israelische Rüstungsindustrie (Ta‘as) eine großangelegte Werbekampagne in der internationalen Presse startete, um ihre Märkte auszuweiten. Im Zuge der Invasion wurden PalästinserInnenlager angegriffen. Als das Ausmaß der Verbrechen bekannt wurde, organisierte Shalom Achshaw (Peace now) eine große Demonstration. Der israelische Einmarsch führte zur Ausweisung der PLO aus Beirut, und trotzdem ging das Blutvergießen weiter. Am 16.September drangen christlich-libanesische Falangisten-Milizen in die palästinensischen Flüchtlingslager Sabra und Schatila ein, und verübten ein Massaker. Das israelische Militär hatte die Aufgabe, das Lager abzuriegeln. Die israelische Regierung versuchte jede Kenntnis darüber abzustreiten. Auch die US-Regierung war in das Massaker verstrickt, da sie amerikanische Friedenstruppen mit der doppelten Aufgabe, den Abgang der PLO aus Beirut zu überwachen und die übrige palästinensische Bevölkerung zu schützen, entsandt hatte. Die Friedenstruppe zog sich jedoch 2 Wochen vor Ablauf ihres Mandats, zugleich mit den PLO-Kämpfern zurück – und da passierte das Massaker. Israel und die IntifadaDie arabischen StaatsbürgerInnen Israels werden durch zahlreiche Gesetze diskriminiert. Sie bekommen schlechtere Bildung und Gesundheitsversorgung, sie dürfen keinen Grundbesitz kaufen, und werden auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Noch schlimmer dran sind bis heute die PalästinenserInnen. Etwa 3,5 Millionen von ihnen leben in der dritten Generation in Flüchtlingslagern – in Syrien, Jordanien oder im Libanon. Westbank und Gazastreifen sind praktisch riesige Flüchtlingslager. Inmitten dieses Elends liegen zionistische Siedlungen – beschützt von Soldaten und Panzerfahrzeugen. Die Außengrenzen werden vom israelischen Militär kontrolliert. IntifadaErst die Intifada, der palästinensische Aufstand von 1987 bis 1993, hat Israel überhaupt zu Friedensverhandlungen gezwungen. Aber israelische Regierungen versuchen den Preis für einen dauerhaften Frieden so niedrig wie möglich zu halten. Das bedeutet aber, dass von Gerechtigkeit keine Rede sein kann. Für die meisten PalästinenserInnen hat dieser Friedensprozess nichts gebracht. Anstatt der versprochenen 70 Prozent der besetzten Gebiete hat die Armee nur 13 Prozent verlassen. Die Vertriebenen dürfen nicht auf ihren Boden zurückkehren. Entgegen seinem Versprechen, keine neuen zionistischen Siedlungen in den besetzten Gebieten zuzulassen, hat Ehud Barak 3.196 neue Siedlungen alleine in der Westbank genehmigt – mehr als seine Vorgänger. Auf diese Weise wird das von Israel beanspruchte Land immer größer, der mögliche Palästinenserstaat immer kleiner. Lösung?Abraham Leon, der Führer der illegalen revolutionären sozialistischen Bewegung in Belgien wähend der Nazi-Besatzung schrieb die erste marxistische Analyse der jüdischen Geschichte. Leon ist heute eine anerkannte Autorität in Bezug auf Zionismus. Er warnte vor der Rolle, die Jüdinnen und Juden spielen würden, wenn sie als ZionistInnen als Werkzeuge des britischen und amerikanischen Imperialismus dienen würden. Er sprach von: Das Ausnutzen der Jüdinnen und Juden als ein Gegengewicht zur arabischen Gefahr. Die globale Krise des Imperialismus, die den AraberInnen und Jüdinnen und Juden ihre jeweiligen Rollen zugeschrieben hat, ist ein Produkt der Geschichte, und kann nur durch die Beendigung der ökonomischen Grundlagen des Imperialismus gelöst werden. Karl Marx hat beschrieben, wie Menschen durch äussere Umstände in Bedingungen gefangen sein können, die sie nicht selbst geschaffen haben, und wie sie dennoch fähig sind, diese zu verändern. Das heutige Israel ist weit davon entfernt, eine Zufluchtsstätte zu sein Es ist das einzige Gebiet, wo Jüdinnen und Juden schwerbewaffnet hinter Stacheldraht leben müssen. Genauso wenig sind die arabischen Staaten an der Verbesserung des Loses der palästinensischen Bevölkerung interessiert. Wir müssen die sozialistischen Kräfte auf beiden Seiten fördern, und die fundamentalistischen Kräften auf allen Seiten zurückdrängen. Religiösem und antisemitischem Wahn müssen wir uns entgegen stellen, auch wenn es sich um unterdrückte Völker handelt, denn diese reaktionären Kräfte haben sich schon immer als die gefährlichsten Gegner des Sozialismus herausgestellt. Es gilt die falsche Theorie des Zionismus zurückzudrängen, und die falschen Mythen über den Zionismus zu entlarven, um Unmenschlichkeit, Krieg und Terror endlich die Grundlagen zu entziehen. Zionismus ist einfach nur ein Instrument der Herrschenden, das gerade von jüdischer Seite mehr Gegenerschaft erfahren sollte. Israelinnen und PalästinenserInnen wollen nicht länger Handlager des Imperialismus sein, der schon zu viel antisemitischen und rassistischen Wahnsinn hervorgebracht hat. Rita Weber Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführende Artikel:
|
|
||||||||