|
|||||||||
|
|
|||||||||
|
|||||||||
|
|||||||||
|
Arbeitskampf | Wirtschaft | Geschichte | Links-Parteien | Theorie | Demokratie
September - 2000 Reichsrätekongress im Dezember 1918 Als 1989 die stalinistischen Regime des Ostblocks zusammenbrachen, präsentierte sich der westliche Kapitalismus als die einzige Alternative für die Menschheit. Der Historiker-Guru Francis Fukuyama verkündete das Ende der Geschichte. Westliche Herrscher, allen voran der damalige US-Präsident George Bush versprachen eine Neue Weltordnung, die von Wohlstand und Frieden gekennzeichnet sein wird. Doch nach gut 10 Jahren sieht das Bild ganz anders aus. Die Zahl der Kriege nahm enorm zu. Sogar Europa wurde im letzten Jahr Zeuge eines Krieges in Jugoslawien. Die Zerstörung unserer Umwelt geht unvermindert weiter. Während der Reichtum auf der Erde immer größer wird, werden immer mehr Menschen davon ausgeschlossen. Diese Entwicklung wurde durch die etablierte Linke, die Sozialdemokratie und die Grünen, nicht gestoppt. Ganz im Gegenteil. Auch das sozialdemokratische Europa ordnet sich immer mehr den Profitinteressen der Wirtschaftsmagnaten unter – auf Kosten menschlicher Bedürfnisse. Diese Entwicklung des Kapitalismus hat eine weltweite Widerstandsbewegung hervorgebracht, die in Seattle ihr inspirierendes Debüt feierte. Die Diskussion über die Alternative zu diesem System ist entscheidend, ob die Bewegung gegen den Kapitalismus erfolgreich sein wird oder nicht. Irrsinn der MarktwirtschaftDie Produktion von Gütern, ihre Verwaltung und Verteilung ist entscheidend für das Leben und Überleben von Menschen. Das System der Marktwirtschaft wird uns als natürlich, einzig möglich und für Menschen funktionierend verkauft. Doch das Gegenteil ist der Fall. Im Kapitalismus steht Produktion und Reichtum nicht unter demokratischer Kontrolle. Eine kleine Minderheit ist im Besitz von enormen Reichtum und bestimmt was, wie und wieviel produziert wird. Diese Klasse der KapitalistInnen bestimmt letztendlich auch, was in der Politik geschieht. Gegen ihre Interessen kann sich kein Minister oder Parlamentarier zu stark auflehnen. Er wird sonst keine Chance haben, weiter aufzusteigen. Nicht im Parlament, sondern in den oberen Konzernetagen liegt die wahre Macht der Gesellschaft. Die herrschende Klasse der KapitalistInnen stehen in Konkurrenz zueinander und organisiert die Produktion nach ihre Profitinteressen. Wer nicht genug Profit abschöpft, geht unter. Jeder plant für sich, um andere auszustechen und größere Marktanteile zu bekommen. Diese fehlende Gesamtplanung führt dazu, daß der Markt immer wieder überschwemmt wird und Wirtschaftskrisen entstehen. Der Konkurrenzkampf erhöht sich und die KapitalistInnen werden gezwungen, Menschen, Umwelt und Tiere noch mehr auszubeuten, um bestehen zu können. Der Ostblock-KapitalismusDie Produktion im ehemaligen Ostblock lief nach den selben Prinzipien ab. Auch da hatte eine Minderheit, die privilegierten ParteibürokratInnen, die Kontrolle. Auch da war die Konkurrenz, und zwar auf Rüstungsebene mit dem Westen, die Triebkraft der Produktion. Während die DDR hochmoderne Aufklärungssatelliten produzierte fehlte es den Menschen an Hosen. Die Planung der Wirtschaft lief ohne die Legitimation der Bevölkerung nach den Zwängen der Wirtschaft und der Bereicherung der Parteibonzen ab. Die sozialistische Alternative Sozialismus ist eine Gesellschaft, in der die materiellen Ressourcen den menschlichen Bedürfnissen untergeordnet werden. Das Motiv bei der Produktion ist nicht der Profit für irgend jemanden, sondern was gebraucht wird und wie wir es herstellen. Die Alternative ist eine Gesellschaft, die wie eine Gemeinschaft funktioniert. Niemand arbeitet für den anderen, sondern alle gemeinsam als ein Kollektiv zur Befriedigung der Bedürfnisse aller. Die Schere zwischen Arm und Reich wird es nicht mehr geben. Die materielle Grundlage für das Leben aller Menschen ist gesichert, was beim heutigem Stand der Technik und der Produktivität ohne Probleme zu erreichen ist. Die Produktionsstätten und Ländereien gehören der Allgemeinheit und werden von der arbeitenden Bevölkerung direkt kontrolliert. Die Voraussetzung für solch eine Gesellschaftsordnung ist eine demokratische Planung der Wirtschaft. Demokratie und KontrolleDamit die von Menschen geschaffene Reichtümer auch den Menschen zu Gute kommen, müssen sie unter ihrer Kontrolle stehen. Sozialismus bedeutet Selbstverwaltung der produzierenden Menschen. Demokratie heute beinhaltet das Recht, einmal alle 4 Jahre ein Kreuz zu malen, was in 40 Jahren bei 3 Minuten per Wahl eine halben Stunde Demokratie im Leben eines Menschen bedeutet. Hinter der Bühne der Demokratie zieht allerdings das Kapital die Fäden. Im Sozialismus ist die demokratische Entscheidung Teil des Alltagslebens. Die ArbeiterInnen sind nicht passiv und ihrem Boss ausgeliefert, sondern bestimmen was aus ihrer Arbeit und ihren Produkten wird. Die ArbeiterInnen wissen viel besser als die heutigen Chefs, wie die Produktion zu organisieren wäre. Sie sind vertraut mit den einzelnen Abläufen. All ihre Fähigkeiten und Kreativität bleibt ungenutzt, weil sie völlig von ihre Arbeit entfremdet sind und ihre Produkte gar nicht ihnen gehören. Im Sozialismus gäbe es ein anderes Verhältnis. Die Menschen würden bewußt arbeiten und sich mit ihrer Arbeit auseinandersetzen, weil das Ergebnis ihnen zugute kommt. Natürlich wird eine Verwaltung nötig sein, die die Produktion koordiniert. Die Menschen die Verwaltungsaufgaben übernehmen dürfen sich jedoch nicht von den ArbeiterInnen vor Ort abheben. Sie müssen ihnen rechenschaftspflichtig sein. Sie sind ausführendes Organ der Diskussionen, die vor Ort im Betrieb oder im Stadtteil stattfinden. Setzen sie etwas anderes um als besprochen, müssen sie jederzeit abwählbar sein. Auch dürfen sie keine materiellen Privilegien genießen. Sicher werden nicht alle genau das Gleiche verdienen, aber keiner darf aufgrund seiner Tätigkeit große Vorteile besitzen. PlanungStatt der blinden Konkurrenz wird die Wirtschaft im Sozialismus durch die demokratischen Organe geplant. Planung bedeutet keineswegs Verlust von Fortschritt und Motivation. Ganz im Gegenteil! Wenn verschiedene Betriebe, die heute im Konkurrenzverhältnis stehen und gegeneinander arbeiten ihre Aktivitäten koordinieren, würde ein enorme Explosion der Produktivität entstehen. Man denke daran wie schnell ein ökologisches Auto zu entwickeln wäre, wenn weltweit die Forschungsabteilungen der Autofirmen zusammenarbeiten würden. Enorme Ressourcen die heute für den Konkurrenzkampf aufgebraucht werden, wie z.B. die Werbung oder die Rüstung, wären dann frei für nützliche Arbeit. Keineswegs führt ein allgemeiner Plan zum Verlust von Arbeitsmotivation, wenn der Plan ein Produkt der Debatten an der Basis der Gesellschaft ist und sich nach den Bedürfnissen der Menschen richtet. Wenn einige Menschen ihre Wohnung aufräumen oder zusammen in Urlaub fahren, entwickeln sie eine Art von Plan, wie sie es angehen. Weil es etwas ist, was allen nutzt, gehen sie motiviert an die Sache. Jeder macht seinen Teil in der Gewißheit, das die Arbeit des anderen auch ihm zu Gute kommt. RevolutionSolch ein System bedeutet eine Revolutionierung der heutigen Verhältnisse. Diejenigen die heute entrechtet sind und keine Macht über die Gesellschaft haben, die ArbeiterInnenklasse, würde die Kontrolle bekommen. Das Unterste wird zu Oberst gekehrt. Diejenigen die heute bestimmend sind, die KapitalistInnen, wären entmachtet und müßten genauso arbeiten wie jeder Andere. Ihr immenser Reichtum wird der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Solch ein System kann aber nicht von oben durch eine Minderheit errichtet werden. Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiter selbst sein, schrieb Karl Marx im Kommunistischem Manifest. Nur die Masse der ArbeiterInnen und Angestellten hat die Kraft, die Macht der Herrschenden zu brechen. Damit sie aktiv die kommende Gesellschaft gestalten, müssen sie sie selbst errichten. In dem Prozeß der Klassenkämpfe lernen die unterdrückten Menschen ihre Kraft kennen. Sie können sich nur durchsetzen, wenn sie zusammenhalten. So entsteht Solidarität. In einem Streik ist z.B. Rassismus kaum nützlich.. Ohne den ausländischen Kollegen bricht der Kampf zusammen. Sie merken, das sie nicht nur passiv und machtlos sind, sondern durch Entschlossenheit und Zusammenhalten Geschichte machen können. Die Entstehung von Klassenbewußtsein, Solidarität und Selbstbewußtsein erlebt man in jedem auch so kleinem Streikkampf, der erfolgreich ist. Eine Revolution wird nicht zufällig geschehen oder durch gutes Zureden. Sie ist eine Antwort auf ein System, das immer mehr die Lebensgrundlage der Mehrheit der Bevölkerung zerstört. Irgendwann wird die Unzufriedenheit so steigen, das die Menschen das ganze System in Frage stellen werden. Die Revolution ist notwendig weil die Herrschenden ihre Privilegien nicht freiwillig abgeben werden. Sie ist aber auch notwendig weil in diesem Prozeß der sich verschärfenden Klassenkämpfe die Masse der ArbeiterInnenklasse ihr Bewußtsein verändert. RäterepublikDie erste geschichtliche Erfahrung mit Selbstverwaltung der ArbeiterInnenklasse geht auf das Jahr 1905 in Rußland zurück. Damals spitzen sich die Streikwellen zu. Die ArbeiterInnen besetzen ihre Fabriken und wählten überall ArbeiterInnenräte, die sich wiederum untereinander zuammenschlossen. Zum ersten Mal im der Geschichte hatten die ArbeiterInnen ihre Selbstverwaltungsorgane entwickelt. Seither entstanden in zugespitzen Klassenkonflikten überall auf der Welt solche Ansätze der Selbstverwaltung: 1917 in Rußland, 1918/19 in Deutschland, Ungarn und Wien, 1920 in Nord Italien, 1936 in Spanien, 1956 wieder in Ungarn, 1974 in Chile und Portugal, 1979 in Iran und 1980/81 in Polen. Die Räte – Mosaike einer neuen Ordnung – gerieten in frontale Konfrontation zur alten Ordnung. Nur einmal konnten sich diese Arbeiterräte durchsetzen und eine Räterepublik errichten: in Rußland im Oktober 1917. Unter der Führung der revolutionären Bolschewiki wurden diese Mosaike zu einem Staatsgebilde zusammengefügt. Ein Rätestaat, der eine Massenerhebung verkörperte und die demokratische Kontrolle der ArbeiterInnenmassen in Kooperation mit den ebenfalls rebellierenden Bauern darstellte. Leider blieb die russische Räterepublik isoliert. In anderen Ländern fehlte eine starke erfahrene revolutionäre Kraft und die Rätebewegungen wurden unterdrückt. Die Isolation führte zum Scheitern der russischen Revolution. Der Rätestaat wurde immer autoritärer, um in der desolaten Lage zum überleben und bürokratisierte zunehmends, bis sich schließlich unter Stalin eine neue Diktatur und ein staatskapitalistisches System entwickelte. PerspektivenDer Kapitalismus im 21. Jahrhundert kann sein wahres Gesicht nicht mehr verbergen. Die sozialen Errungenschaften gehören einer Vergangenheit an, in der der Merkt noch enorm wachsen konnte. Heute ist der ökonomische Konkurrenzkampf viel massiver, was überall die Lebensgrundlage der Menschen verschlimmert. Auch steigen infolge der ökonomischen Konkurrenz die politischen und militärischen Spannungen. Ein weltweites Aufrüstung hat seinen Lauf genommen. Das System ist von großer Instabilität geprägt. Der Zusammenbruch der kapitalistischen Vorzeigestaaten im fernen Osten 1997 waren die Vorbeben der kommenden Zeit. Das System wird immer brutaler. Die radikale Rechte spielt sich mehr und mehr als eine Antwort auf soziale Probleme in den Mittelpunkt. Nicht Morgen auch nicht übermorgen, aber die zunehmenden Spannungen und die Instabilität werden zu politischen Explosionen führen. Diese Zeiten erinnern an die 30er Jahre – nur das sie in Zeitlupentempo ablaufen. Es ist höchste Zeit, den barbarischen Tendenzen des Kapitalismus die Perspektive einer humanen Gesellschaftsordnung entgegen zu setzen. Sozialismus oder Barbarei, sagte Rosa Luxemburg wird der Scheideweg der Geschichte sein. Sorgen wir dafür, daß nur das letzte Jahrhundert die Barbarei kannte. Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführende Artikel:
|
|
||||||||