Afrika – Zerstörung eines Kontinents |
August - 2001 |
Afrika wird uns immer wieder als Krisenherd präsentiert. Tatsächlich sind Bürgerkriege, Armut, Hungersnöte und AIDS-Epidemien Realität. Gleichzeitig wird argumentiert, dass der Westen in Afrika intervenieren muss, um diese Missstände zu beseitigen. Doch Interventionen sind keineswegs die Lösung, vielmehr hatten alle bisherigen Aktionen durch Länder wie Deutschland, Großbritannien, die USA oder Frankreich katastrophale Auswirkungen für die Bevölkerung.Die Gräuel der KolonialzeitDie erste westliche Intervention war der Sklavenhandel. Zwischen 9 und 13 Millionen Afrikaner wurden über den Atlantik verschifft. Dann begann der Wettlauf der kolonialen Invasionen. Vor 1880 herrschten afrikanische Stämme noch über fast gesamt Afrika. Innerhalb weniger Jahre teilte eine Handvoll europäischer Staaten Afrika unter sich auf und schufen 30 neue Kolonien mit einer Fläche von zehn Millionen Quadratmeilen. Zu dem Berliner Kongress 1884/85, der die Aufteilung regelte, war kein einziger Afrikaner eingeladen. Die Großmächte schluckten die Territorien und quetschten Profite heraus. Der Belgische König verwandelte die gesamte Bevölkerung des Kongo buchstäblich in gummisammelnde Sklaven. Wer die Sammelquote nicht erfüllte wurde hingerichtet. Während seiner 25jährigen Herrschaft machte er über drei Milliarden Mark Gewinn – in heutigen Preisen. Dabei starb etwa die Hälfte der Bevölkerung, um die zehn Millionen Menschen, an Erschöpfung, Hunger und Folter. Die britische Kolonialarmee benutzte grausamste Mittel, um 1906 einen Aufstand in Nigeria niederzuschlagen. Die Truppen leerten ihre Magazine in die mit Stöcken und Messern bewaffnete Menge, sie abschlachtend, als wären sie Ungeziefer. Gefangene wurden hingerichtet, ihre Köpfe abgehackt und auf Pfähle gesteckt. Der britische Kolonialismus perfektionierte die Strategie des Teile und Herrsche. So förderte er die Entstehung von korrupten und militaristischen lokalen Herrschern und hetzte Afrikaner gegen Afrikaner. Großbritannien erschuf den geteilten Arbeitsmarkt und das rassistische Passsystem in Südafrika in den 1880ern. Das waren die Ursprünge der Apartheid nach der Unabhängigkeit Südafrikas 1948. Letztlich wurde der Kolonialismus besiegt – wenn auch zu einem sehr hohen Preis. 20 Jahre Krieg waren zum Beispiel nötig, um die Franzosen aus Algerien zu vertreiben. Die Führer der jetzt unabhängigen Staaten erbten eine zerstörte Wirtschaft und eine geteilte Gesellschaft. Die Besten unter ihnen suchten einen Ausweg mit staatlicher Planung. Aber die begrenzten Ressourcen dieser Länder verhinderten eine Entwicklung über einen bestimmten Punkt. Schließlich baten sie globale (westliche) Institutionen um Hilfe. Der westliche Einfluss bleibtDer Internationale Währungsfond (Südafrikas) und die Weltbank verlangten einschneidende Kürzungsmaßnahmen, sogenannte Strukturanpassungsmaßnahmen (SAP), als Vorbedingung für Hilfe und Kredite. Bis heute leiden 39 Länder an diesen Maßnahmen. Die sozialen Errungenschaften der vorherigen 20 Jahre wurden zunichte gemacht. Die Kindersterblichkeit in Mali, West Afrika, ging zwischen 1960 und 1980, dem Jahr der Einführung der SAP, um 23 Prozent zurück. In den darauffolgenden fünf Jahren stieg sie um 26,5 Prozent. Die französische Regierung dominierte weiterhin die Steuer- und Währungspolitik eines großen Teiles von Afrika. Hilfsmittel dafür war die Kontrolle über die gemeinsame Währung der ehemaligen Kolonien, den Afrikanischen Franc. 1993 wertete Frankreich den Franc um 50 Prozent ab – der Wert der Löhne halbierte sich quasi über Nacht und die Preise von Importen, besonders Medikamente, wurden unbezahlbar. Aber die französische Regierung hatte ihre Freunde in den lokalen herrschenden Klassen vorher informiert. Durch rechtzeitiges Umtauschen in westliche Währungen konnten sie ihren Reichtum vergrößern. Aber die Schuldenlast der Länder wuchs weiter an. Militärische Interventionen Ausländische Interventionen waren meist offener und direkter als finanzieller Druck. Der Westen setzte die Armee ein. Zum Beispiel in Zaire, dem ehemaligen Belgisch Kongo. Präsident Mobutu regierte seit 1965. Er war einer von Afrikas korruptesten Despoten. Der Westen hat ihn an die Macht gebracht und verteidigt. Es begann damit, dass Truppen aus den USA, Belgien und von den Vereinten Nationen die linke MNC-Bewegung von Patrice Lumumba zerschlagen und ihn ermordet haben. Etwa 90 Prozent des in der US-Flugzeugindustrie verwendeten Kobalt kommt aus Zaire. Das Land ist außerdem reich an Diamanten, Uran, Magnesium und Zinn. Die französische Armee rettete Mobutu bei drei Gelegenheiten vor der Oppositionsbewegung. Letztlich fürchtete der Westen, dass Mobutu zu offensichtlich korrupt war und dies Instabilität zur Folge haben könnte. Daraufhin sicherten französische Fallschirmspringer die Mienen, während der IWF die Kontrolle über die Wirtschaftspolitik Zaires übernahm. Aber Mobutu blieb trotzdem an der Spitze des Staates und der Westen schützte ihn bis 1997. Französische Truppen griffen in den letzten 15 Jahren insgesamt 35 Mal in Afrika ein. Der Zweck war immer, pro-westlichen Regimen zu helfen, oder neue Marionettenregierungen zu installieren. Erst bewaffnete und finanzierte Frankreich die Regierung von Ruanda, die einen Massenmord an Tutsis organisierte. Dann schickte Frankreich Truppen, um die Mörder zu schützen. Und Frankreich handelte nicht allein. Der Westen hat die UNITA-Bewegung von Jonas Savimbi in Angola unterstützt, die 20 Jahre lang Krieg gegen die gewählte Regierung führte. Am Anfang gab es direkte US-Hilfe. Danach kämpften Südafrikanische Truppen in Angola und Waffen, Ausrüstung und Soldaten wurden über Mobutus Zaire eingeschmuggelt. Über 750.000 starben in diesem Krieg – zwei Drittel davon Kinder. Ähnlich in Mosambik: Südafrika und konservative Kreise in den USA unterstützten die reaktionäre RENAMO (Nationaler Widerstand) mit Waffen und Geld. Das heizte einen Bürgerkrieg an, in dem in 80ern eine Million Menschen starben. Keine humanitären ZieleWestliche Regierungen haben regelmäßig versucht, ihre wirklichen Interessen mit dem Gerede von humanitären Zielen zu verbergen. Aber der Somalia-Einsatz zeigt, wie hohl diese Vorwände sind. US- und UN-Truppen, strömten ins Land – begrüßt von den Hoffnungen der Bevölkerung. Aber diese Armeen haben nichts getan, um die Nahrungsversorgung zu verbessern. Statt dessen haben sie die gewalttätigen Konflikte in Somalia weiter angeheizt. Ihr Erfolg war, die Mehrheit der Bevölkerung wieder hinter den bewaffneten Banden zu vereinen, von denen normale Leute sich abzuwenden gerade begonnen hatten. Die Länder, die Zinsen aus Afrika heraussaugen, die Kürzungsprogramme durchsetzen, durch die Unterstützung der Multis die Rohstoffe ausplündern und Truppen senden, die für korrupte Herrscher töten – diese Länder handeln niemals im Interesse der einfachen Leute. Sie sind die Rammböcke der Banker und Diamantenhändler. Kommt nach Prag, demonstriert für: Schuldenerlaß jetzt! Schluß mit den Waffenexporten! Keine Militärinterventionen! |
|
www.linkswende.org |
|