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Wirtschaft | Theorie | Demokratie

August - 2000    
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Der Zusammenbruch der staatskapitalistischen Regime im Osten, war für viele der Beweis dafür, dass Planwirtschaft nicht funktionieren könne. Allerdings wurde die Wirtschaft dort von einer zentralisierten Behörde aus gesteuert, die keinerlei Kontrolle von unten unterlag. Primäres Ziel war es, mit dem Westen konkurrieren zu können. Der Großteil der Ressourcen floss in die Rüstung. Wenn wir hingegen von Planwirtschaft sprechen, meinen wir damit eine demokratisch organisierte Wirtschaft, in der nach den Bedürfnissen der Mehrheit entschieden und geplant wird.

Zu komplex?



Eines der häufigsten Argumente gegen eine solche Form der Organisation ist, dass die heutige Wirtschaft zu komplex sei, als dass eine weltweite Planung möglich wäre. Tatsächlich ist Planung aber ein zentraler Bestandteil der modernen Wirtschaft. Im Kaufhaus sehen wir uns mit einer Vielzahl von Produkten aus aller Welt konfrontiert. Damit dies möglich ist, muss mit lokalen Produzenten zusammengearbeitet werden. Frachter und Flugzeuge müssen gebucht werden. Viele Firmen verfügen nicht einmal mehr über ein eigenes Lager, sondern arbeiten nach dem sogenannten »Just In Time«-Prinzip. Das bedeutet, dass die Lieferung von Einzelteilen für die Produktion erst dann erfolgt, wenn diese wirklich benötigt werden.

Allein Daimler-Chrysler verfügt über 27.000 Zulieferbetriebe. Die Entwicklung eines Flugzeuges dauert beispielsweise zwischen 15 und 20 Jahre. Während dieser Zeit müssen Milliarden an Entwicklungskosten investiert werden. Darüber hinaus sind wieder unzählige Firmen in die Produktion mit einzubeziehen. Dass dies alles ein gehöriges Maß an Planung und Organisation erfordert, versteht sich von selbst.

Verschwendung



Allerdings dient diese ganze Planung letztendlich nur dem Erzielen von Profiten. Darüber hinaus gibt es keine Koordination zwischen Konkurrenzbetrieben. Forschungsergebnisse und Pläne werden von den rivalisierenden Unternehmen geheim gehalten. Dies führt zu einer unnötigen Verdopplung von Forschung und Produkten, und dadurch zu einer gewaltigen Verschwendung von Ressourcen und Arbeitskräften. Dann werden wieder Unsummen für Werbung ausgegeben, um den Menschen einzureden, dass das Produkt der Firma x besser ist als das Produkt der Firma y (und umgekehrt), bzw. dass sie den ganzen Schrott, der produziert wurde überhaupt brauchen. Die aufgestellten Pläne basieren auf Schätzungen über die Marktlage, über Marktanteile (in der Hoffnung diese vergrößern zu können), über zu erwartende Profite und ähnlichen Überlegungen. Schätzungen, die oftmals falsch sind.

Bewußtsein



Trotzdem hört man immer wieder, dass eine Planung mittels demokratisch gewählten Räten in der Theorie zwar ganz schön, in der Praxis jedoch nicht durchführbar wäre. Die Menschen wären einfach (noch?) nicht reif dafür. Tatsächlich ist die Idee der Kontrolle von unten aber kein theoretisches Hirngespinst, sondern aus konkreten Erfahrungen heraus entstanden. Nicht nur bei der Pariser Kommune, oder der russischen Revolution, auch bei längerfristigen Streiks bildeten sich bereits Ansätze echter Arbeiterdemokratie. Außerdem veränderte sich in solchen Situationen auch das Bewusstsein der Arbeiter. Reaktionäre Ideen wie Rassismus oder Sexismus verschwanden zugunsten echter Solidarität. 1881 fanden in Russland 500 Pogrome gegen Juden statt und es war ihnen untersagt in den beiden größten Städten Moskau und Petrograd zu leben. Wenige Jahre später wurde Trotzki ein Jude zum Vorsitzenden des Petrograder Sowjets gewählt.

Konzentration



Durch die zunehmende Konzentration des Kapitalismus wird es für die Arbeiter viel einfacher, über die bereits vorhandenen Planungsstrukturen und Kommunikationsmöglichkeiten die Kontrolle zu übernehmen und die Gesellschaft neu zu organisieren. Bereits heute werden 50% des weltweiten Wirtschaftsausstoßes von etwa 500 riesigen üssen getätigt. Die Entscheidungen über die Produktion werden von den jeweiligen Aufsichtsräten getroffen und diese könnten ohne weiteres durch demokratische Arbeiterräte ersetzt werden. Die zunehmende Technisierung trägt ebenfalls zur Erleichterung der Produktion bei. Wenn heute im Supermarkt beispielsweise eine Dose Cola verkauft wird, korrigiert der Computer den Bestand. Sinkt dieser unter eine bestimmte Stückzahl, so wird automatisch nachbestellt. Der moderne Kapitalismus hat keine unüberschaubar komplizierte geschaffen, sondern lediglich größere Einheiten von häufen. Außerdem resultiert ein Großteil der Komplexität unserer Wirtschaft aus dem Kapitalismus selbst und wäre unter anderen Umständen gar nicht notwendig. Wer braucht schon doppelte Buchhaltung, Steuern, Banken, Werbeagenturen, usw. wenn nicht mehr nach Profiten, sondern nach den Bedürfnissen der Allgemeinheit gewirtschaftet wird?

Flexibilität



Eine demokratische Planwirtschaft würde neben der effizienteren Nutzung von Ressourcen und Kräften, sowie einer gerechten Verteilung der Reichtümer auch eine erhöhte Flexibilität mit sich bringen, denn das was gerade benötigt wird, könnte ohne Profitabilitätsüberlegungen schnell produziert werden. Doch dies setzt voraus, dass wir für ein Ende des Kapitalismus kämpfen, denn im Moment befinden sich die Produktionsmittel in den Händen einiger weniger Unternehmer, die damit immer höhere Profite machen wollen. Ihnen sind unsere tatsächlichen Bedürfnisse egal.

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