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Wirtschaft | Imperialismus | Geschichte | USA

August - 2003    
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Die gegenwärtige Krise in Haiti hat ihre Wurzeln in einer Geschichte von Kolonialismus und Rebellion,meint die kanadische Autorin und Aktivistin Clare Fermont. Vor zweihundert Jahren besiegte eine Horde SklavInnen unter der Führung von Toussaint L’Ouverture die größten Kolonialmächte Europas und erreichte die Unabhängigkeit Haitis. Kaum jemand außerhalb von Haiti weiß über diese bemerkenswerte Revolution bescheid, aber die Großmächte der Welt haben dem Land und seinen BewohnerInnen diesen Sieg nie verziehen.

Reichste Kolonie der Welt



Im 18.Jahrhundert war Haiti – oder San Domingo, wie es damals genannt wurde – die reichste Kolonie der Welt. Grundlage dieses Wohlstands waren die zahlreichen Plantagen und die brutale Ausbeutung von etwa einer halben Million SklavInnen, die aus Afrika entführt worden waren. 1791 rebellierten die SklavInnen von San Domingo, inspiriert von den Ideen der Französischen Revolution. Während der nächsten zwölf Jahre besiegten sie die Armeen der lokalen Sklavenhalter, eine spanische, eine 60.000 Mann starke britische und schließlich eine nicht minder große französische Invasion. Die Schockwellen dieser Revolution waren überall in Südamerika und der Karibik zu spüren und inspirierten überall SklavInnenaufstände. Die Rache beginnt Der damalige US-Präsident Thomas Jefferson startete daraufhin eine Kampagne um Haiti zu isolieren – schließlich war zu diesem Zeitpunkt auch in den USA die Sklaverei noch nicht abgeschafft. Die siegreichen SklavInnen der Karibikinsel wurden zu KannibalInnen erklärt, der Handel mit Haiti erst boykottiert und schließlich zugunsten der US-Händler manipuliert.

Unabhängigkeit Haitis



62 Jahre lang wurde die Unabhängigkeit Haitis nicht anerkannt. Währenddessen mussten die HaitianerInnen für ihre Unabhängigkeit nicht nur mit Blut, sondern auch mit barer Münze bezahlen. Frankreich bestand auf eine Zahlung von 150 Millionen Gold-Francs (heute etwa 21 Milliarden US$) als Ausgleich für die Unabhängigkeit – Geld, das verwendet werden sollte, um die ehemaligen Sklavenhalter und ihre ErbInnen zu entschädigen. Als die ersten 24 Millionen Francs fällig waren, musste Haiti, das von der französischen Marine militärisch unter Druck gesetzt wurde, das Geld von Frankreich leihen. Damit wurde die Wirtschaft des Landes in die Hände der ehemaligen Kolonialherren gelegt.

Die ökonomische Abhängigkeit Haitis von Frankreich währte bis 1915, als die USA die Insel besetzten um einen Aufstand zu zerschlagen. Es folgten 19 Jahre der militärischen Besatzung, während der US-Marines rund 60.000 HaitianerInnen abschlachteten. Im Namen der Demokratie installierten die USA einen Präsidenten und übernahmen die Kontrolle über die Wirtschaft. Die Zollhäuser wurden nun ebenso durch die Vereinigten Staaten kontrolliert wie die Nationalbank und die Goldreserven. Das Corvée genannte, noch aus der Zeit der Sklaverei stammende System der Zwangsarbeit wurde wieder eingeführt um Straßen und andere Projekte zu bauen.

Imperialistische Interventionen



Die Verfassung Haitis wurde umgeschrieben, um die vorhandenen Ressourcen außer Landes bringen zu können. Und schließlich wurde eine neue Armee aufgebaut und trainiert, die für ihre rücksichtslose Brutalität und Unterdrückung bald berüchtigt wurde. Papa Doc und Baby Doc 1956 kam Francois Papa Doc Duvalier durch einen US-gestützten Militärstreich an die Macht. Mit Unterstützung der USA, die Haiti als Gegengewicht zum kommunistischen Kuba aufbauen wollten, und mit Hilfe der Tontons Macoute genannten Paramilitärischen Truppen etablierte Duvalier ein diktatorisches Regime, das 1971 von Baby Doc übernommen wurde und bis 1971 andauerte. Die Duvaliers ließen zehntausende HaitianerInnen massakrieren und stahlen mehrere hundert Millionen Dollar aus dem Staatshaushalt.

In den späten 80er Jahren war es der katholische Priester Jean-Bertrande Aristide,der mit seiner Befreiungstheologie den Armen in den Slums von Port-au-Prince Hoffnung schenkte. 1990 wurde er in freien Wahlen zum Präsidenten gewählt. Aristide – die neue Hoffnung? Aristides Reformmaßnahmen wurden durch Einflussnahmen aus dem Ausland zurückgeworfen.

Der Wert der Währung sank um die Hälfte, die Arbeitslosigkeit stieg ebenso wie die Armut immer weiter an. Aristide, der vor den aufgebrachten Massen mehr Angst hatte als vor den USA und den internationalen Finanzinstitutionen, bat die HaitianerInnen in wahrem christlichem Geiste ruhig (und arm) zu bleiben. Sieben Monate nach seiner Wahl wurde Aristide von einer Militärjunta, bestehend vorwiegend aus US-trainierten Soldaten, verjagt. Tausende HaitianerInnen wurden getötet und gefoltert. Die UNO reagierte helfenderweise mit einem Embargo, das das Land noch weiter in die Armut trieb.

Demokratie in Haiti?



Drei Jahre später,im September 1994, erklärte US-Präsident Clinton der Welt, er würde nun die Demokratie in Haiti wieder herstellen und entsandte 20.000 Soldaten, um Aristides Rückkehr zur Macht zu ermöglichen. Die Motive hinter der Operation Restore Democracy waren jedoch nicht ganz so hehr, wie Clinton es glauben machen wollte. Erstens war Clinton mit den Feindseligkeiten konfrontiert, die den tausenden haitianischen Flüchtlingen, den sogenannten Boat People, entgegenschlugen – eine Krise, die zu lösen er im Rahmen seines Wahlkampfes versprochen hatte. Zweitens brauchten die USA dringend einen militärischen Erfolg nach dem Desaster von Somalia. Drittens befürchteten die US-Strategen, dass ein Volksaufstand das Militärregime in Haiti stürzen könnte. Der vierte und wichtigste Grund war jedoch, dass Aristide zu einer Spielfigur der Vereinigten Staaten herabgesunken war.

Als Ausgleich für seine Rückkehr zur Macht übergab er die nationale Ökonomie Haitis in die Hände des internationalen Kapitals. 1993 akzeptierte er ein IWF-Programm, das ein niedriges Lohnniveau, die Privatisierung von Staatseigentum und die Abschaffung von Zöllen und anderen Kontrollmechanismen über den Import von Waren und Kapital. Hilfsgelder wurden ausdrücklich an Aristides Zustimmung zur Privatisierung von neun wichtigen Staatsunternehmen gekoppelt. Diese Politik wurde von Aristides Regierung durchgeführt, das unvermeidliche Ergebnis war ein weiteres Ansteigen von Armut und Ungleichheit.

Armut und Schulden



Doch selbst dies war noch nicht genug, um die Hyänen der Weltwirtschaft zufrieden zu stellen. In den Wahlen vom Mai 2000 besiegte Aristides Fanmi Lavalas-Partei die von Washington favorisierten Kandidaten deutlich. Die Opposition bezichtigte darauf hin die Regierung des Wahlbetrugs,diese weigerte sich zurück zu treten, und bestraft wurden einmal mehr die HaitianerInnen, durch ein Einfrieren der internationalen Hilfsgelder durch die reichen Geberländer. Vor wenigen Monaten musste Haiti, der ärmste Staat der westlichen Hemisphäre, 30 Millionen US-$an Schuldenrückständen zahlen. All dies erklärt die gegenwärtige Krise. Aristides Regierung, deren Popularität massiv gefallen ist, weil sie nicht für die Menschen eingetreten sind, denen sie versprochen hatten zu helfen, setzt Polizeigewalt ein, um Demonstrationen niederzuschlagen.

Die USA untergraben weiter die Demokratie, indem sie die Opposition unterstützen und die Wirtschaft des Landes zu Grunde richten.

Die Rache geht weiter.

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