Südafrika-10 Jahre seit dem Ende der Apartheid

Mai - 2004
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1963 versammelten sich beim Marsch auf Washington hunderttausende Menschen, um für gleiche BürgerInnenrechte für Angehörige aller Ethnien zu demonstrieren. Martin Luther King begann damals seine berühmte Rede mit den Worten »I have a dream….« Unterdessen wurden in Südafrika bei gewaltlosen Widerstandsaktionen gegen die Apartheid über 70 Menschen erschossen, 187 verletzt und mehr als 20.000 DemonstrantInnen verhaftet. 1963 erlebten die Menschen in Südafrika eines der schlimmsten Jahre der Apartheid. Martin Luther King ahnte nicht, dass dort das Wahlrecht für alle erst 31 Jahre später erkämpft sein würde.

Apartheid



Die Rassentrennung wurde nach der Gründung der Südafrikanischen Union 1910 durch ein Bündel von Gesetzen eingeleitet. Diese Gesetze beschnitten konsequent immer mehr die Rechte der dunkelhäutigen Bevölkerung. Der Mines and Works Act zum Beispiel verpflichtete diese, ausschließlich niedere Arbeit zu verrichten und garantierte damit die Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte. Aufgrund der schlechten ökonomischen Verhältnisse und des generellen Streikverbots für alle Nicht-Weißen wurde der ANC (African National Congress) als Widerstandsorganisation gegründet.

Diese ökonomische Trennung in Rassen wird heute als kleine Apartheid bezeichnet. Mit den wirtschaftlichen Krisen am Anfang des 20. Jahrhunderts, die wilde Streiks der dunkelhäutigen Bevölkerung hervorriefen, setzten die politischen Parteien der Weißen immer mehr eine gesellschaftliche Trennung durch, um die schwarze Gefahr einzudämmen.

Aus der so genannten kleinen Apartheid wurde die große. Ehen zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe wurden verboten, in öffentlichen Einrichtungen und Verkehrsmitteln wurde Rassentrennung eingeführt. Der zweite Präsident Südafrikas Dr. Verwoerd verschärfte diese Politik noch weiter und untermauerte sie, als scheinbare Rechtfertigung für Geschehenes, im Nachhinein theoretisch. Diese Politik brachte die dunkelhäutige Bevölkerung noch mehr in Aufruhr.

Der Widerstand



Die neue Radikalität ging auch an der ANC nicht spurlos vorbei. Nachdem 1976 die Polizei in eine SchülerInnen-Demo, die gegen die aufgezwungene Sprache der ehemaligen KolonialistInnen an den Schulen demonstrierten, geschossen hatte, entstand unter der Führung von Nelson Mandela eine weniger pazifistische Fraktion in der ANC, die auch mittels Sabotage-Aktioen versuchte, die Politik der Weißen zu ändern.

Ab 1990 traten der ANC und die pseudodemokratische Regierung in geheime Verhandlungen, in denen beide Parteien erklärten, auf Gewalt zukünftig zu verzichten. Im April 1994 gab es die ersten Wahlen mit Beteiligung schwarzer Menschen. Nelson Mandela wird zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt.

Heute



Die Verhandlungen zwischen ANC und NP (National Party, bisherige Regierungspartei) waren jedoch ein fauler Kompromiss. Dieselben Unternehmen, die von der Ausbeutung der dunkelhäutigen Bevölkerung zu immensen Reichtum gekommen sind, sind nach wie vor im Einsatz. Diese Unternehmen besitzen zwar nunmehr keine billigen Arbeitskräfte aufgrund rassistischer Politik, sie unterstützen den ANC, damit er neoliberale Politik durchsetzt. Die Unternehmensbesteuerung fiel von 49% unter der Apartheid auf 30% 2003. Der Gewinnanteil für die UnternehmerInnen war 2003 der höchste seit 1981.

Während die ManagerInnen und UnternehmerInnen mit lachendem Gesicht zur Bank gehen, stöhnen die ArbeiterInnen – nach wie vor hauptsächlich Dunkelhäutige – unter der Last des Neoliberalismus. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 42%, bei manchen Schichten, wie zum Beispiel Frauen und Jugendlichen, sogar bei 70%. Es werden mehr Jugendliche ins Gefängnis gesteckt als in Colleges. In Südafrika gibt es weltweit die höchste AIDS-Rate, staatliche Unterstützung für Medikamente gibt es kaum. Sozialleistungen werden konsequent gekürzt. Die Hälfte aller SüdafrikanerInnen leben unter der Armutsgrenze. Neue Bewegungen gegen neuerliche ökonomische Ungleichheit, diesmal zwischen ArbeiterInnen und KapitalistInnen, sind entstanden. Der Kampf um Gleichheit geht weiter, diesmal jedoch weltweit.

Michael Doblmair

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