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Hinweis auf einen aktuelleren Artikel vom 23. März 2013:

Hugo Chávez 1954-2013


Venezuelas Präsident Hugo Chávez Frías verstarb im Krankenhaus, nach einem langen Kampf gegen den Krebs. Mike Gonzales wirft einen Blick zurück auf das Leben und die Ideen von Chávez , und das…
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Geschichte | Lateinamerika

Juni - 2006    
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Venezuelas Präsident Hugo Chávez war einer der meistbejubelten Menschen am Weltsozialforum. Was macht ihn so attraktiv für die AktivistInnen Lateinamerikas? Der Journalist und Lateinamerikaexperte Richard Gott sprach darüber mit unserem englischen Schwesterblatt Socialist Worker.

Chávez ist fast so etwas wie der Nachfolger Fidel Castros, der in Lateinamerika immens populär ist. Die neuen politischen Bewegungen in Peru, Ecuador und Bolivien blicken enthusiastisch nach Venezuela. Es passiert eine Revolution in Venezuela, aber eine sehr ungewöhnliche – eine Revolution in Zeitlupe.

Chávez verabschiedete eine radikale neue Verfassung 1999, in der die Ölindustrie wieder unter die Kontrolle des Staates gebracht wurde, und setzte auch eine Landreform durch. Zwar sind die meisten Bauern und Bäuerinnen bereits in die Städte migriert – Venezuela ist das am stärksten urbanisierte Land Lateinamerikas – doch eine Landreform ist trotzdem ein starkes Symbol.

Im November 2001 verabschiedete Chávez erstmals eine Reihe radikaler Verordnungen. Dies zeigte erstmals deutlich, dass Chávez mehr ist als ein normaler Reformist. Diese Verordnungen betrafen die Ölindustrie, Landreform, Wohnbau, Fischerei sowie die Errichtung kleiner Kreditinstitute. Es waren große Reformen, durch die auch die Opposition wach gerüttelt wurde, die nun ihre Aktivitäten verstärkte und Massendemonstrationen organisierte. Oppositionelle traten in Verhandlungen mit Offizieren des Heeres und führten im April 2002 einen Putsch durch, der jedoch innerhalb von 24 Stunden scheiterte.

Die privaten Zeitungen und Fernsehstationen waren das Zentrum der Opposition. Sie haben die alten politischen Parteien ersetzt, der Putsch von 2002 wurde in TV- und Zeitungsbüros organisiert. Die Opposition versuchte noch zwei Mal, Chávez zu stürzen: eine Aussperrung durch die ArbeitgeberInnen 2002, in die die staatliche Ölindustrie involviert war, und ein Referendum im August 2004. Auch damit scheiterten sie. Die Opposition glaubte ihrer eigenen Presse, dass Chávez unbeliebt und leicht zu schlagen sei. Tatsächlich hat Chávez eine starke AnhängerInnenschaft.

Ebenso wie die Opposition, können auch die Pro-Chávez- Gruppen Massendemonstrationen mobilisieren. Die Regierung ist in den Slums und Armenvierteln besser organisisert, wo der Großteil der Menschen lebt. Venezuela hat unglaubliche Reichtümer in Form von Erdöl zur Verfügung. Doch obwohl die Ölindustrie 1976 verstaatlicht wurde, sind die Profite nur wenigen Menschen zu Gute gekommen. Das Geld wurde statt für die Menschen für Investitionen in den USA und Europa verwendet, nur sehr wenig davon ist wieder zurück nach Venezuela geflossen.

Nach den Aussperrungen im Jahr 2002 wurden alle Beteiligten entlassen – 18.000, ungefähr die Hälfte der Belegschaft. Das höhere Management wurde ebenfalls gefeuert und die palastartigen Gebäude des Konzerns in der Hauptstadt Caracas von der Regierung übernommen. Aus den Gebäuden wurden Bolivarische Universitäten, in denen junge Menschen aus den Armenvieteln studieren können.

Chávez hat sehr stark in Gesundheit und Bildung investiert, vor allem für die Armen. Damit werden die bisher marginalisierten Schichten in die Gesellschaft integriert. In zehn Jahren wird es eine Generation geben, die das Problem, dass Chávez’ Programm von der Mittelklasse boykottiert wird, lösen kann. Er hat sich in den letzten Jahren auch stark gewandelt, er wird immer radikaler. Er war oft ziemlich sexistisch, doch jetzt ist er auf der Seite des Feminismus. Er hat immer mit der Linken sympathisiert, aber in den letzten Jahren hat er begonnen, Marx und Trotzki zu zitieren. Chávez will, dass sich die Menschen für ihre eigenen Bedürfnisse und Rechte organisieren. Die Opposition ist nach dem Referendum verschwunden, aber sie wird zurück kommen. Auf lange Sicht werden sie eine politische Partei formieren, um Vorschläge zu unterbreiten, die Gesellschaft nach rechts zu bewegen. Es wird auch paramilitärische Gruppen geben, kleinere Gewaltausbrüche und Tötungen.

Chávez’ Hauptverbündeter in Lateinamerika ist Nestor Kirchner, der Präsident Argentiniens. Obwohl Kirchner in seiner Heimat keine revolutionäre Umgestaltung versucht, sind sie in außenpolitischen Belangen auf einer Linie. Es gibt eine gut organisierte Bewegung in Argentinien, die Druck auf Kirchner ausübt. Das Verhältnis mit Brasiliens Lula wird immer schlechter. Sie sind zwar öffentlich Freunde, doch Chávez unterstützt die Landlosenbewegung, die sich immer stärker gegen Lula stellt. Lula wird sich auf keinen Fall nach links bewegen, dem Neoliberalismus abschwören oder sich gegen die USA stellen. Bald gibt es Wahlen in Bolivien, wo es wahrscheinlich ist, dass Evo Morales, ein radikaler Führer der indigenen Bevölkerung, gewinnt. Ecuador scheint mit Lucio Gutierrez eine ähnliche Figur wie Chávez hervorgebracht zu haben, doch er war bisher nicht so radikal, wie man es erwartet hätte.

Über Kolumbien steht ein großes Fragezeichen. FARC, die linke Guerillabewegung, kontrolliert 40 Prozent des Landes und kann nicht ausgelöscht werden. Die USA unterstützen Alvaro Uribe, den kolumbianischen Präsidenten. Es besteht die Gefahr, dass der Krieg über die Grenze nach Venezuela getragen werden könnte. Wenn ich in einem CIA-Think-Tank sitzen würde um Venezuela zu destabilisieren, würde ich es über Kolumbien versuchen. Chávez wird sich durch diese Probleme kämpfen müssen. Er muss gute Beziehungen zu diesen mächtigen Ländern behalten, aber gleichzeitig zeigen, dass er auf der Seite der radikalen ReformerInnen ist.

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