link
Linkswende Logo
Logo Untertitel
         
Nur Titel
Arbeitskampf | Rassismus | Geschichte | Rechtsextremismus | Theorie | Wirtschaftskrise

September - 2006    
  eMail
Sklavenarbeit war ein wichtiger Teil der Beschäftigungspolitik der Nazis. Im Bild: Zwangsarbeiter in einem U-Boot-Bunker in Bremen 1944
© Bundesarchiv Wikicommons

Faschismus ist eine politische Bewegung, die in den 20er Jahren unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg in Europa entstand. Nach 4 Jahren Zerstörung und Elend des Krieges waren die europäischen ArbeiterInnen radikalisiert. Inspiriert von der Erfahrung der russischen Revolution gab es quer durch Europa revolutionäre Erhebungen der ArbeiterInnen. Die alten Eliten verteidigten ihre Macht mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Bis 1921 herrschten in Deutschland, Italien und Ungarn Bürgerkrieg. In dieser Auseinandersetzung von radikalisierten Massen der ArbeiterInnen und den alten Eliten entwickelt sich die faschistische Bewegung.

Sie war die Sammlung von alten Offizieren, Kriegsheimkehrern und mittelständischem Kleinbürgertum, die nach dem Ende des ersten Weltkriegs völlig perspektivelos ihre alten Privilegien verloren sehen und von enormen sozialen Abstieg bedroht waren. Sie stellten die reaktionärsten und entschlossensten Teile der Gegenrevolution dar. Das erste Mal erblickte das Hakenkreuz die Straßen Berlins, als neu formierte rechte Verbände im März 1919 zur Niederschlagung von Arbeiterrevolten einmarschieren. Formiert und ideologisch verfestigt wurde diese Bewegung zum ersten Mal in Italien, wo die Faschisten 1922 unter Führung von Mussolini an die Macht gelangen.

Zerschlagung der Linken



Faschismus ist eine besondere Form des Kapitalismus. Es ist eine Gesellschaft, in der kapitalistische Verhältnisse unberührt bleiben, aber jegliche Organisationen der ArbeiterInnen keinen Platz haben, sondern vollkommen zerschlagen werden. Dies findet sich in einer der zentralen ideologischen Säulen des Faschismus wieder: Dem völkischen Modell der sozialen Volksgemeinschaft. Klassenunterschiede sind der nationalen Einheit untergeordnet. Österreichische ArbeiterInnen und UnternehmerInnen stellen angeblich eine Gemeinschaft dar, insofern brauchen sie keine Interessensvertretung. Unabhängige Gewerkschaften oder Interessensvertretung sind aus dieser Sichtweise ‚Parasiten‘. Der Kernpunkt der faschistische Bewegung ist ihre extreme Feindlichkeit gegenüber jeglicher Linken und Andersdenkenden. Das Ziel ist, sie völlig zu vernichten.

Soziale Krise



Der Kapitalismus führt immer wieder zu wirtschaftlichen Krisen und der Verschärfung des Konkurrenzkampfes. In solchen Phasen wird der Lebensstandard der Bevölkerung gesenkt, damit die Profite wieder steigen und das Kapital wieder an Konkurrenzfähigkeit gewinnt. Die faschistische Bewegung wächst in Zeiten, in denen die materielle Existenz der Menschen nicht mehr gesichert ist. Kommt seitens der Linken keine entschlossene Alternative zu den Auswirkungen der kapitalistischen Krise, entsteht Raum für die radikale Rechte. Sie versucht mit ihrem Rassismus die Unzufriedenheit für sich zu kanalisieren. Sieht die Masse der Unzufriedenen keine Perspektive in gemeinsamem Kämpfen gegen die Herrschenden, kann sie von Rassismus angezogen werden. Fühlen sie sich ohnmächtig gegen die Misere, erscheint der starke Mann als einziger Rettung. Besonders anfällig für die faschistische Ideologie ist das Kleinbürgertum, kleine Handwerker, kleine Selbständige, das in Wirtschaftskrisen besonders hart getroffen wird.

Es ist einerseits unter dem Druck vom Großkapital im verhärteten Wettbewerb und andererseits von den ArbeiterInnen, deren Löhne sie Konkurrenzfähigkeit kosten. Zwischen diesen beiden Hauptpolen wird das Kleinbürgertum in Krisenzeiten aufgerieben. Das Kleinbürgertum wäre bereit sich vorübergehend mit den wachsenden Entbehrungen abzufinden, wenn es zur Überzeugung käme, daß das Proletariat imstande ist es auf einen neuen Weg zu führen. Erweist sich aber die revolutionäre Arbeiterklasse als unfähig, schwankt sie, ist sie verwirrt, dann verliert das Kleinbürgertum die Geduld und beginnt in den revolutionären Arbeitern die Urheber des eigenen Elends zu sehen »… Der Faschismus ist die besondere Partei, deren Ziel es ist, das Kleinbürgertum bis zur Weißglut zu bringen und seinen Haß und Verzweiflung gegen das Proletariat zu richten.« (Leo Trotzki 1932).

Kampf um die Straßen



Die faschistische Bewegung unterscheidet sich von konservativen und anderen rechten Kräften im politischen Mittel, wie sie die Macht ergreifen und ihre Ziele verwirklichen will. Sie setzen auf die Eroberung der Straße durch Mobilisierung ihre AnhängerInnen. Für Mussolini waren seine militärisch ausgerüsteten Verbänden der Schwarzhemden der entscheidende Faktor der Machtübernahmen, bei Hitler war es die Sturmabteilung (SA), in Österreich die Heimwehr. Die Faschisten kamen nicht an die Macht, weil die Mehrheit sie wollte oder wählte. Mussolini hatte 1922 gerade mal 8% Stimmen.

Hitler bekam bei den letzten freien Wahlen Ende 1932 33% der Stimmen. Entscheidend war, dass Hitler 400.000 SA-Leute unter sich hatte, die systematisch die Straßen terrorisierten. Normale Armeen sind in Zeiten der extrem Krise oft unfähig, die Bevölkerungsmassen und große ArbeiterInnen-Organisationen zu bekämpfen. Die faschistische Straßenarmee ist ideologisch befestigt und voller Haß gegen Linke und Andersdenkende. Ist das Kapital zu sehr unter dem Druck der Massen, benutzt es die faschistische Bewegung, um seine Haut zu retten, auch wenn sie einen Teil ihrer Macht an die Faschisten abzugeben hat.

Die deutsche Industrie unterstützte Ende 1932 mit massiven Hilfen Hitler und seine SA. Ohne sie war keine Zerschlagung der Gewerkschaften und Linken möglich. Der Lohn dafür war eine wehrlose ArbeiterInneklasse. Die Löhne sanken drastisch und die Profite der Industrie wuchsen von 6.6 Mrd. DM 1934 auf 15 Mrd. im Jahr 1938.

Nie Wieder



Die Verbrechen des Faschismus sind die größten der Menschheitsgeschichte. Im Zuge der Krise seit den 90‘er Jahren erleben wir eine Neuformierung der radikalen Rechten in Europa. Wir müssen eine entschlossene antikapitalistische Linke aufbauen, die die Unzufriedenheit der Menschen gegen die wahren Verantwortlichen, die Konzerne und die reichen Eliten richtet. Der Faschismus muss aber da geschlagen werden, wo er versucht zu wachsen: Auf der Straße. Jeder Versuch der radikalen Rechten, die Straßen zu erobern muß von den AntifaschistInnen, egal welche unterschiedliche Überzeugung sie auch in anderen Fragen haben mögen, durch entschlossene und einheitliche Aktion bekämpft werden.

Zu allen Artikeln dieser Ausgabe


  eMail

Weiterführende Artikel: