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Juni - 2007    
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Für Sozialismus von unten steht ganz oben auf der Titelseite der Zeitung, die du gerade in Händen hältst. Falls du dich noch nicht mit Linkswende oder ein wenig mit marxistischer Theorie und Praxis auseinandergesetzt hast, wirst du dich fragen, was das eigentlich heißen soll. Für uns ist Sozialismus von unten wie ein roter Faden, der sich durch unsere Aktivitäten und unser allgemeines Auftreten zieht. Sonst würde es nicht so fett und auffällig auf jeder Zeitung stehen. Was meinen wir also mit diesem Begriff?

Sozialismus



Sozialismus ist jenes Gesellschaftssystem, in der eine gerechte und gleiche Behandlung der Allgemeinheit der Menschen erreicht ist und in der die Reichtümer der Gesellschaft von denjenigen kontrolliert werden, die sie schaffen. Die Bedürfnisse der Mehrheit der Menschen steht dabei an oberster Stelle. Und somit hat Sozialismus in erster Linie etwas mit Freiheit zu tun. Diese Idee ist nicht neu. Sie gibt es, seit dem Klassengesellschaften entstanden sind. Sprich, schon seit ein paar tausend Jahren. Wir, die Linkswende, stehen in jener Tradition von Sozialisten, die glauben, daß eine gerechte Umverteilung von Produkten und die Erfüllung der Bedürfnisse der Menschen, also die ökonomische Basis für Sozialismus, erst seit der Ausbreitung des Kapitalismus möglich ist. Der Kapitalismus unterscheidet sich von allen früheren Klassengesellschaften dadurch, daß wir heute nicht mehr in einer Mangelwirtschaft leben, sondern in einem Wirtschaftssystem, daß von Überproduktionskrisen bestimmt wird. Das erste Mal in der Geschichte haben wir die ökonomische Rahmenbedingungen dafür, daß heute schon die Grundbedürfnisse aller Menschen erfüllt werden könnten.

Differenzen zwischen Sozialisten



Und nun gibt es natürlich die verschiedensten Theorien, wie man zu einer sozialistischen Gesellschaft gelangen könnte. Und hierbei gibt es auch die größten Differenzen zwischen Sozialisten. Die sozialistische Gesellschaft stellen sich alle zumindest ähnlich vor. Nur bei der Frage nach dem Weg scheiden sich die Geister. Grob genommen gibt es nämlich zwei mögliche Wege zum Sozialismus. Einerseits kann man auf eine kleine Minderheit, oder auf eine einzelne Person hoffen, die Sozialismus von oben per Dekret verfügt. Man könnte ja z.B. auf eine Partei im Parlament setzen, sie durch Wahlen an die Macht bringen, die ihrerseits dann die Kontrolle über das gesamte Geschehen in der Gesellschaft übernimmt, und dann durch Reformen und Gesetze den Sozialismus schrittweise einführt.

Andererseits kann der Sozialismus jedoch von unten durch eine Revolution geschaffen werden. Die große Masse der unterdrückten Arbeiterklasse kann durch Maßnahmen wie Streiks und Besetzungen von Gebäuden, Enteignungen und Vergesellschaftungen durchführen, und so zunächst die ökonomische und darauf die gesellschaftliche Macht übernehmen.

Parlamentarismus



Wie du sicherlich erkannt hast, glauben wir, daß zweiteres die einzige Möglichkeit ist, um eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung herbeizuführen. Dafür gibt es natürlich auch Gründe. Es gibt keine Beispiele dafür, daß auch nur ansatzweise eine stellvertretende Maßnahme für die Einführung des Sozialismus Erfolg gehabt hätte. Ein gutes Beispiel für das Versagen des Parlaments ist Chile 1973. In Chile gab es einen ernsthaften Versuch von dem Sozialisten Salvador Allende Gossens, den Sozialismus von oben einzuführen.

1970 kandidierte er für das Amt des Staatspräsidenten und erreichte durch ein breites Bündnis auch die relative Mehrheit. Als er jedoch versuchte, Enteignungen der Großgrundbesitzer und eine Verstaatlichung der Industrie durchzuführen, suchten die Kapitalisten die Unterstützung des Militärs zu seinem Sturz. Am 11. 9. 1973 gelang dieser Putsch auch, in dem Allende sein Leben verlor, genauso wie zehntausende Arbeiter, Gewerkschafter und Linke. Man sieht hierbei ganz deutlich, daß das Parlament keinerlei wirtschaftliche Macht besitzt, und somit ungeeignet für eigentliche gesellschaftliche Veränderung ist. Umgekehrt hat aber die Masse der Arbeiter die Macht die Wirtschaft zum Laufen oder zum Stehen zu bringen. Kapitalisten hätten bei einer Besetzung von Fabriken nicht ohne weiteres die Möglichkeit, ihre Arbeiter zu ermorden, was bei einer kleinen stellvertretenden Minderheit sehr wohl der Fall ist.

Ökonomischer Druck



Ökonomischer Druck, und dieser Druck ist entscheidend für eine Gesellschaftsveränderung, kann demnach nur von unten erfolgen. Ein weiterer wichtiger Grund, warum wir für eine Veränderung von unten eintreten, ist die ideologische Wirkung, die der Prozess der Revolution hat. Ein neues Gesellschaftssystem bedeutet logischerweise ein Brechen mit den alten Ideen. Es bedeutet komplett neue Organisationsstrukturen, im wirtschaftlichen, wie im politischen Sinne. In einem sozialistischen System werden allgemeine Entscheidungen nicht mehr von einer kleinen Minderheit von Menschen getroffen, sondern von der breiten Masse. Die Menschen werden ihre Fähigkeit zur Organisation der Gesellschaft erst dann richtig erkennen, wenn sie ihre Fähigkeit zur Organisation der Bewegung für eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft bereits gespürt haben.

Revolution



Revolution ist demnach nicht irgend etwas, was wir uns, oder ein Karl Marx oder Vladimir Lenin sich überlegt haben. Es gibt unzählige Beispiele dafür, die in Ansätzen deutlich gemacht haben, daß eine Revolution und eine Rätedemokratie funktionieren kann. Von der russische Oktoberrevolution 1917 über die Räteregierung in Ungarn 1956 oder die Nelkenrevolution in Portugal 1974 bis zur Revolution im Iran 1979 sahen wir die Embryonen einer sozialistischen Gesellschaft. Und genau deshalb ist es in keinster Weise utopisch von einer Revolution, einer Einführung des Sozialismus von unten zu sprechen. Der Klassenkampf, also der Interessens-kampf zwischen Kapitalisten und Arbeitern, zwischen der herrschenden und der unterdrückten Klasse, findet unabhängig von uns statt. Und wir brauchen nicht darauf zu hoffen, daß Menschen, die im Interesse des Kapitals handeln (wie es schlußendlich auch das Parlament gezwungen ist zu tun), stellvertretend für uns ein gerechteres System schaffen werden. Wir müssen selbst dafür aktiv werden. und für uns gilt noch immer das selbe, was Marx vor über 150 Jahren schon gesagt hatte: Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein.

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