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Österreich | Geschichte | Revolution | Kultur

April - 2007    
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Zum Jubiläum von Wolfgang Amadeus Mozarts Geburt am 28. Jänner 1956 in Salzburg werden wir in diesem Jahr hauptsächlich Geschichten über das Wunderkind, das praktisch noch in der Wiege Meisterwerke komponierte, zu hören bekommen. Uns wird erzählt werden, dass Mozarts Musik an Perfektion und Schönheit weder vor noch nach ihm von irgendeinem Komponisten übertroffen wurde.

Doch es gibt auch einen Mozart jenseits von Kitsch und Kommerz. In all diesen Darstellungen steckt natürlich ein Körnchen Wahrheit. Es ist unglaublich, dass Mozart in der Lage war, Sonaten, Symphonien und Opern zu komponieren, bevor er überhaupt in die Pubertät gekommen war. Doch die gängigen Stereotype über Mozart unhinterfragt zu akzeptieren würde ihm Unrecht tun, denn es würde suggerieren, dass er einfach ein Wunder der Natur war, dass nicht weiter erklärt werden kann. In Wirklichkeit musste er in Schlüsselmomenten seines Lebens um seine Kunst kämpfen. Seine Entwicklung vom Wunderkind zum radikalen Komponisten, der er in den letzten 10 Jahren seines Lebens wurde, war das Resultat künstlerischen Mutes und seiner Eingesponnenheit in eine Umgebung, die sowohl in der Musik als auch politisch voller radikaler Ideen war.

Jugend



Mozart stammte aus einer musikalischen Familie. Sowohl Mozart als auch seine ältere Schwester erhielten von ihrem Vater Leopold, einem Violinisten und Autor eines Lehrbuchs zum Violinspielen, Klavier- und Geigenunterricht. Als ihm das musikalische Talent der beiden klar wurde, nahm er sie auf eine Reihe von Reisen an die europäischen Herrscherhöfe mit. In seiner Jugend war Mozart im Wesentlichen eine Art dressierter Affe für die Könige, Prinzen und Erzbischöfe Europas. Als die Sensation seines frühreifen Talents nachließ, kehrte er ins provinzielle Salzburg zurück. Musiker hatten zu seiner Zeit eigentlich nur zwei Optionen: Sie konnten sich entweder in den Dienst der Kirche stellen und Woche für Woche Musik für Messen schreiben, wie es Johann Sebastian Bach getan hatte, oder Angestellte eines örtlichen Aristokraten werden, wie z.B. Joseph Haydn. Mozart gefiel keine dieser Möglichkeiten. Deshalb wagte er den Versuch einer Karriere als unabhängiger Musiker, was zu seiner Zeit überaus ungewöhnlich war. 1778 zog er nach Paris. Nach zwei Jahren kehrte er gebrochen und enttäuscht nach Salzburg zurück und schloss sich seinem Vater als Bediensteter des Erzbischofs von Salzburg an.

Die Ideen der Aufklärung



Mozart weigerte sich, die Restriktionen, die ihm sein strenger und konservativer Auftraggeber auferlegte, zu akzeptieren. Bei einem Besuch in Wien zusammen mit dem Erzbischof kamen die Spannungen zum Vorschein. Nach einem heftigen Streit wurde Mozart von Kammerherrn des Erzbischofs aus dem Zimmer geworfen. Mozart war damit endlich ausgebrochen und würde für den Rest seines kurzen Lebens ein unabhängiger Musiker bleiben. Er beschloss, in Wien, der pulsierenden Hauptstadt des österreichischen Kaiserreichs und, was noch wichtiger war, dem Zentrum von Ideen und Engagement der Aufklärung, zu bleiben. Die Aufklärung war eine Bewegung des 18. Jh., die für Wissenschaftlichkeit und Rationalität, Kunst als individuelles Ausdrucksmittel und die Schwächung autokratischer Herrschaft eintrat. Ein Jahr bevor Mozart in Wien ankam wurde Joseph II, der sich aufklärerischem Gedankengut verbunden fühlte, Kaiser von Österreich. Der neue Herrscher griff die Privilegien der katholischen Kirche an, reformierte das Rechtswesen und lockerte die Zensur in der Kunst. Es war diese Umgebung, die es Mozart erlaubte, unabhängig zu leben und seine Meisterwerke zu schaffen.

Doch Mozart war nicht nur ein passiver Nutznießer der Aufklärung, sondern engagierte sich aktiv für sie. In Wien trat er den Freimaurern bei, die damals eine Gesellschaft aufgeklärter Denker war. Er vertrat deren radikale Ideen auf mehr oder weniger offensichtliche Art und Weise in seiner Musik. Zum Beispiel machte er den Solisten in den Klavierkonzerten seiner Wiener Jahre mit dem Orchester ebenbürtig. Solisten waren zuvor eher als Begleitung des Orchesters gesehen worden. Durch diese Änderung wurde der Gedanke des individuellen Ausdrucks in der Musik real. Noch direkter nützte Mozart seine Kunst in drei seiner größten Opern – der Hochzeit des Figaro, Don Giovanni und der Zauberflöte – um die alte Ordnung anzugreifen.

Angriff auf die alte Ordnung



Die Hochzeit des Figaro basiert auf einem damals in Österreich und Frankreich verbotenen Theaterstück, in dem ein Hofdiener namens Figaro Susannah, ebenfalls Dienerin, heiraten möchte. Ihr Herr, ein Graf, beschließt, seine feudalen Rechte wahrzunehmen und vor der Hochzeit mit Susannah zu schlafen. Figaro und die anderen Diener versuchen, den Grafen vor der Hochzeit auszutricksen. An einer Stelle singt Figaro eine Rachearie über den Grafen, Se Vuol Ballare. Mozart fügt Sarkasmus zu Figaros Zorn hinzu indem er seine Worte mit einem Menuett begleitet – Musik, die eher mit aristokratischen Ballsälen assoziiert wird. Don Giovanni basiert auf der Legende des Don Juan. Der Höhepunkt der Oper, in der Don Giovanni sich weigert, für Sünden zu büßen und in die Hölle geschleift wird, ist einer der dramatischsten Momente in der Geschichte der Oper.

Französische Revolution



Die Französische Revolution von 1789 war um einiges radikaler als die schrittweisen Reformen, die unter Joseph II stattfanden. Mozart beschloss, die Zauberflöte, die seine vorletzte Oper sein würde, zu einem kaum verdeckten Lob der progressiven Ideale der Aufklärung und des Freimaurertums zu machen. Während in Paris die Revolution triumphierte schlitterte Wien geradewegs in die Reaktion. Mozart stellte sich auf Seite der Revolution. Tragischerweise starb er wenige Monate, nachdem er die Zauberflöte vollendet hatte. In welche Richtung er sich musikalisch und politisch entwickelt hätte, bleibt eines der Fragezeichen der Geschichte. Mozart war erst 35 Jahre alt als er starb. In demselben Alter hatten seinen großen Zeitgenossen, Beethoven und Haydn, die Kompositionen, die heute als ihre Meisterwerke gelten, noch nicht geschrieben. Und doch haben wir heute so viele Werke von Mozart, die noch über 200 Jahre später die Spannungen und Hoffnungen seines revolutionären Zeitalters zum Leben erwecken.

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