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Österreich | Frauenrechte

April - 2007    
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Die Fristenregelung



Die Fristenregelung, die Abtreibung bis zum Ende des dritten Monats der Schwangerschaft legalisiert hat, ist eine der größten Errungenschaften der österreichischen Frauenbewegung. Doch immer wieder rütteln rechtskonservative und klerikale Kreise am Recht auf Abtreibung – wie jüngst der Salzburger Weihbischof Andreas Laun.

Seit 1975 sind Schwangerschaftsabbrüche in Österreich legal. Doch Frauen, die abtreiben wollen, haben es oft nach wie vor schwer – das zeigt schon die Tatsache, dass es in Salzburg erst seit April 2005 (!) in der Gynmed-Ambulanz des St.-Johanns-Spitals möglich ist, abtreiben zu lassen, nicht zuletzt weil Landeshauptfrau Gabi Burgstaller mit dem Anti-Abtreibungskonsens des vormals schwarzen Bundeslands gebrochen hat. Für Frauen aus westlichen Bundesländern, in denen die ÖVP samt klerikalen Anhängselorganisationen das Sagen hat, ist es für Frauen aus ländlichen Gegenden und finanziell und/oder sozial benachteiligte Frauen schwierig bis unmöglich, professionelle Beratung bzw. eine leistbare Abtreibung zu bekommen.

Wie dringend beides nötig ist, zeigen Zahlen: Seit der Eröffnung der Gynmed-Ambulanz in Salzburg wurden dort etwa 600 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Gleichzeitig meinte eine Sprecherin des Ambulatoriums am Fleischmarkt, wo etwa 20% der Abtreibungen in Wien durchgeführt werden, dass deutlich weniger Frauen aus westlichen Bundesländern nach Wien kämen. Zu den materiellen Schwierigkeiten – Zugang zu Informationen über Kliniken, die Abtreibungen durchführen, die Entfernung zu den Kliniken, die Kosten – kommt noch der ideologische Druck zur trauten Familie, der unter der Schwarz-Orange-Blauen Regierung wieder verstärkt auf Frauen ausgeübt wird.

Konservativer Widerstand



Vor allem am Land pocht das katholische Patriarchat auf die weibliche Pflicht, Kinderscharen in die Welt zu setzen – selbst wenn die finanzielle Lage bzw. die Lebenswünsche der Beteiligten damit kollidieren. In diesem Zusammenhang besonders makaber sind die Aussagen des Salzburger Bischofs Andreas Laun. In einem Profil-Interview warnte er davor, dass der Stephansdom zur Moschee werden könne, wenn EinwandererInnen einströmen während Österreich die eigene Bevölkerung ausrotte und kombinierte so geschickt Rassismus gegen MigrantInnen mit einem Angriff auf Frauenrechte, um dann weiter von drohenden ChristInnenverfolgungen zu phantasieren und schließlich ein Abtreibungsverbot zu verlangen.

Dieser Angriff auf ein demokratisch erkämpftes Recht zeigt, dass der Kampf um Frauenrechte noch lange nicht ausgefochten ist. Im reaktionären Klima der Schüssel-Regierung fühlen sich AbtreibungsgegnerInnen wieder gestärkt – so kandidierte bei den Wiener Gemeinderatswahlen im Herbst 2005 die fundamentalistische Abtreibungsgegnerin Gudrun Kugler-Lang auf der Liste der ÖVP, das Finanzministerium leistet finanzielle Unterstützung für einen Propagandafernsehspot der gegen Abtreibung auftretenden Lebensbewegung und die christlichfundamentalistischen AbtreibungsgegnerInnen von Human Life International (HLI) terrorisieren trotz Wegweiserecht Frauen auf dem Weg zu Abtreibungskliniken. Der Heuchelei und Doppelmoral von Kirche und Staat stehen harte Fakten gegenüber:

Kampf um Frauenrechte



Etwa 40.000 Schwangerschaftsabbrüche werden pro Jahr in Österreich vorgenommen, weltweit eine der höchsten Zahlen. Dass diese Zahl durch ein Abtreibungsverbot sinken würde – ob es nun wie von Laun offen gefordert oder von konservativen Landeshauptmenschen durch mangelnde Abtreibungskliniken stillschweigend implementiert wird – kann getrost ins Reich der Mythen verwiesen werden. Die Frage ist nicht ob abgetrieben wird, sondern wie – denn Frauen, deren Lebenssituationen Kinder nicht zulassen, Opfer von Vergewaltigungen usw. haben auch früher – illegal und oft mit gesundheitsschädigenden oder tödlichen Folgen abgetrieben. Die Möglichkeit eines sicheren Schwangerschaftsabbruchs muss allen Frauen offen stehen, ohne dass sie dafür ans andere Ende des Landes reisen oder nicht leistbare Summen zahlen müssen. Dennoch ist Abtreibung ein letzter Ausweg, der für tausende Frauen nicht nötig wäre, wenn es Verhütungsmittel auf Krankenschein und vermehrt Sexualunterricht an Schulen gäbe. Nur wenn Frauen informiert genug und materiell unabhängig sind, ist Selbstbestimmung über das eigene Leben möglich. Für diese Rechte muss die Frauenbewegung weiterhin kämpfen.

von Laura Grestenberger

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