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Dezember - 2009    
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Führungsgruppe bei der Befreiung von Lannion. Franz Petrei geht am Ende der Kollone

Wenn man Österreich und Nationalsozialismus hört, so denkt man zuerst an Kollaboration, Mitschuld und anschließendes Totschweigen. So zahlreich und bedauernswert dieses Verhalten bei viel zu vielen Österreichern in der Geschichte war, umso wertvoller und interessanter sind für uns jene Menschen, die sich durch gegenteiliges Handeln ausgezeichnet haben.

Franz Petrei



Franz Petrei war Deserteur und antifaschistischer Widerstandskämpfer. Er wurde im Februar 1922 in eine neunköpfige Arbeiterfamilie in Bleiburg (Kärnten) geboren, die ihm die Ausbildung zum Hauptschullehrer ermöglichte. Die Inhaftierung und spätere Deportation und Ermordung eines Onkels im KZ Dachau, sowie die Einberufung zweier Brüder in Strafkompanien an die Ostfront sollten ihn zu dieser Zeit politisch immer tiefer prägen.

Erste Station im Krieg war der Balkan. Dort arbeitete er als Hilfslehrer in einer jugoslawischen Schule, wo er schnell Kontakt zu Titopartisanen der Umgebung herstellte. Ein möglicher Übertritt zu den Partisanen wurde jedoch durch eine Versetzung an die Westfront Anfang 1944 verunmöglicht. Dort, am Flugplatz von Servel im Norden der Bretagne, arbeitete er von Anfang an mit französischen Widerstandskämpfern zusammen gegen die nationalsozialistische Besatzung. Zu Beginn beschränkte sich die Form des Widerstandes noch auf das »Stehlen« von Treibstoff bzw. kleinere Sabotageakte an Flugzeugen. Als seine Einheit den Befehl zu einer Erschießung von Inhaftierten bekam, vollzog er endgültig den Schritt in die Illegalität und desertierte am Abend des 27. Mai 1944.

Widerstand



Eine solche Entscheidung zu diesem Zeitpunkt – die Landung der Alliierten in der Normandie sollte erst gut eine Woche später stattfinden – ist umso bemerkenswerter, weil das Leben eines Wehrmachtsdeserteurs in den Augen der Nazis alles andere als wertvoll war. Nach einer dreitägigen Odyssee von Versteck zu Versteck (die Wehrmachtsführung in dieser Region ließ eine Großfahndung nach ihm durchführen) konnte er sich nun aktiv den FTP (Francs-Tireurs et Partisans), eine von der PCF (Kommunistische Partei Frankreichs) gegründeten Splittergruppe der politisch sehr vielschichtigen Résistance, anschließen und so aktiv in den Kampf gegen Wehrmacht und SS eintreten.

Nach Berichten von Kampfesgenossen zu urteilen, hatte er großen Wert für den Widerstand, da er bei seiner Desertion zahlreiche Waffen mit sich nahm, und weil er deutsche Befehle im Kampf schnell übersetzen konnte. So nahm er in weiterer Folge des Krieges an zahlreichen Überfällen und Gefechten teil, allen voran dem von La Lande am 17. Juni 1944. Dort überfiel eine zahlenmäßig völlig unterlegene Widerstandsgruppe angeführt von Capitaine Maurice und Franz Petrei eine Gruppe von Feldgendarmen und SS, unter ihnen ein gefürchteter SS-Kommandant, der als »Schlächter von Plouaret« bekannt war. Durch eine strategische Meisterleistung gewann man die Auseinandersetzung, in dessen Verlauf auch der SS-Kommandant getötet wurde.

Rückkehr nach Österreich



Der französische Widerstand spielte bei den Vorbereitungen der alliierten Landung in der Normandie und in der ganzen darauffolgenden Befreiung Frankreichs eine große Rolle. An ebendieser Befreiung beteiligte sich auch Franz Petrei noch bis zum Ende des Krieges. Am 22. Februar 1946 kehrte er nach Kärnten zurück und schloss seine Ausbildung zum Lehrer ab. Seine Vergangenheit als Deserteur hielt er ständig geheim, da er in einem Staat lebte, der diesen Akt des Widerstandes gegen ein unmenschliches Regime immer noch als Verbrechen, als Fahnenflucht bezeichnete. Hätte mein Großvater nicht wenige Monate vor seinem Tod mir seine Geschichte erzählt, sie wäre mit ihm gestorben.

Österreichs Umgang mit Deserteuren



Davon zutiefst fasziniert, fuhr ich im Frühjahr 2006 in die Bretagne, um seinen Krieg, so gut es noch ging, zu rekonstruieren. Nicht nur die Einzelheiten der damaligen Begebenheiten waren von großem Interesse, viel prägender für mich war der Umgang mit Deserteuren und Widerstandskämpfern in der französischen Gesellschaft an sich. In Frankreich werden diese Menschen, die ihr Leben dafür riskierten, Europa und ihre Mitmenschen von Tyrannei und Unmenschlichkeit zu befreien nicht als Kameradenmörder oder Verräter beschimpft, sondern als das gefeiert, was sie waren. Nämlich als Helden.

»Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.« (Bertolt Brecht)

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