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Österreich | Geschichte | Rechtsextremismus | Links-Parteien
Oktober - 2009 Der erste FPÖ-Obmann Anton Reinthaller war seit den 30er-Jahren NSDAP- und SS-Mitglied machte Karriere als Landwirtschaftsminister Hitlerdeutschlands. © (Slg.A.E.) Ehemalige Nationalsozialisten hatten kurz nach 1945 noch kaum Chancen zur Reorganisation, einige kleinere illegale Neonazigruppen wurden von den Alliierten schnell aufgelöst. Neuorganisation ehemaliger NationalsozialistenDie Ehemaligen fanden allerdings bald andere Möglichkeiten sich neu zu organisieren: Die Alliierten errichteten Internierungslager für hohe ehemalige Nationalsozialisten, wie zum Beispiel in Glasenbach, Salzburg. In diesen Lagern, die von den Insassen gern mit den KZs der Nazis verglichen wurden, herrschte eine bessere Lebensqualität – vor allem was Ernährung und medizinische Versorgung betraf – als im Rest Nachkriegsösterreichs. Diese relativ guten Bedingungen erlaubten es den Nazis, sich neu zu organisieren. Kampf um StimmenSeit den Novemberwahlen 1945 kämpften sowohl SPÖ als ÖVP um die Stimmen der Ehemaligen. Diese Gruppe bestand nicht nur, aber zum Großteil, aus Ehemaligen, die die Zulassung einer vierten Partei zu den nächsten Wahlen forderten. Die SPÖ unterstützte diese Forderung vor den Alliierten, da sie sich dadurch eine Spaltung des konservativen Lagers und damit einen Stimmenverlust für die ÖVP erwartete. Die Alliierten stimmten der Forderung der SPÖ zu und ließen bei den Wahlen 1949 den VdU, Verband der Unabhängigen, zu. Dieser versuchte das nationale Lager zu vereinen, beinhaltete aber nicht nur Deutschnationale. Gerade vor der ersten Wahl war es für die Partei wichtig, liberale Aushängeschilder in den Vordergrund zu rücken. Der VdU erhielt bei den Wahlen 1949 11,7% der Stimmen, womit sich die Hoffnungen der SPÖ auf einen großen Stimmenverlust der ÖVP nicht erfüllten. Die beiden großen Parteien verloren zu etwa gleichen Teilen Wählerinnen und Wähler an den VdU. Partnerschaft statt KlassenkampfDer VdU versuchte nicht nur von Anfang an sich ein respektables Mäntelchen umzuhängen, wie die FPÖ es heute tut, sondern versuchte ebenfalls sich durch soziale Forderungen an die Arbeiter- und Arbeiterinnenklasse anzubiedern. Ein Beispiel dafür ist das »Soziale Manifest« aus dem Jahr 1950; der VdU bezeichnet sich darin selbst als »die Revolution gegen das soziale Unrecht«, spricht sich aber gleichzeitig »gegen Klassenkampf, für Schicksalsgemeinschaft des ganzen Volkes, Leistungsprinzip, …« aus. Die Ablehnung des Klassenkampfes demonstrierte der VdU auch in der Praxis. Obwohl intensiv versucht wurde sich den Gewerkschaften anzunähern, hielt der VdU Abstand von Arbeitskämpfen, wie etwa der Streikbewegung 1950. Die geforderten Rechte auf Arbeit, Wohnung, etc. sollten laut VdU durch »Partnerschaft statt Klassenkampf« durchgesetzt werden. Genau wie aus ihrer arbeiterfeindlichen Haltung, machte der VdU auch aus seiner deutschnationalen Gesinnung keinen Hehl. In seinem offiziellen Programm bekannte sich der VdU zum deutschen Volkstum unter Wahrung der staatlichen Selbstständigkeit Österreichs. NeuorganisationDurch den Staatsvertrag und den Abzug der Alliierten Truppen 1955 konnten sich die deutschnationalen Kräfte in Österreich neu und ungestört organisieren. Der VdU beinhaltete nach wie vor neben den Ehemaligen auch liberale Kräfte, die nun immer mehr in den Hintergrund traten. Als neue Partei des »Dritten Lagers« entstand 1956 die FPÖ, die auch die rechten Teile des VdUs beinhaltete. Die FPÖ enthielt zwar anfangs noch liberale Elemente – die erst unter Haider endgültig aus der Partei vertrieben wurden diese wurden allerdings nicht mehr als politische Aushängeschilder gebraucht, was sich schon am ersten FPÖ-Parteiobmann Anton Reinthaller zeigt. Reinthaller war vor 1938 illegales NSDAP-Mitglied, SS-Mitglied und später unter dem NS-Regime Reichtagsabgeordneter. 1950 war er als »Schwerbelasteter« zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. von Livia Grestenberger Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführende Artikel:
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