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Österreich | Soziales | Rassismus
Oktober - 2009 Seit Jahr und Tag ist Michael Jeannée in den deutschsprachigen Boulevardzeitungen auf Mission gegen Ausländer und Gutmenschen. Vom Krone-Kolumnisten bis zum Bild-Chefredakteur hat er dabei kein Schmierblatt und keinen Tiefpunkt ausgelassen und immer wieder bewiesen, dass nur einer sein Niveau unterbieten kann: nämlich er selbst. So gibt es nun in jeder Krone »Post von Jeannee«, in der er denen nach dem Maul schreibt, die er für die »einfachen Leute« hält. Die eifrigsten Rassisten und Sexisten sind aber viel eher die, an denen er sich orientiert. Dass ihm sein Posten als »Adabei« der Kronen Zeitung sage und schreibe wegen Frauenfeindlichkeit gekündigt wurde – und das bei dieser Konkurrenz im eigenen Blatt – ist dafür an sich schon ein Beweis. Für die wirklich einfachen Leute hat der eitle Jeannée dagegen wenig übrig, vor allem wenn sie es wagen das Eigentum seiner illustren Freunde aus der Wirtschaft zu gefährden: »Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben«, meinte er einfühlsam zum Tod eines 14-Jährigen und fügte schnell noch an alle »linkslinken Gutmenschen« mit ihrem »Geheul« hinzu, dass das aus ihrer Sicht »natürlich eine faschistoide Formulierung« sei. Tja, da könnten Sie Recht haben, Herr Jeannée, aber immerhin haben Sie das selbst bemerkt. Dann gibt es im Weltbild des Kolumnisten noch besonders einfache Menschen, die sich durch dunkle Hautfarbe, eine böse Religion oder die falsche Staatsbürgerschaft auszeichnen. Dass solche auch noch Rechte haben sollten, unter anderem auf Asyl oder – eine absurde Idee – Leben, ist etwas, das angeblich »ohnehin kein Mensch versteht«. Deshalb nahm er den kürzlichen Tod eines indischen Schubhäftlings im Hungerstreik zum Anlass zu beklagen »dass 3.929 Schubhäftlinge einsitzen, von denen sich 1.223 im Hungerstreik befinden, eine Zwangsernährung gesetzlich aber nicht erlaubt ist. Wer hart genug ist, bis an die lebensbedrohliche Grenze die Nahrung zu verweigern, geht frei und taucht dann selbstredend unter.« Dass Menschen, die mit etwas Mitgefühl gesegnet sind, viel eher als die Zahl der Hungerstreikenden schockiert, dass 3.929 Menschen, deren einziges »Verbrechen« die Flucht vor Armut und Krieg nach Österreich ist, im Gefängnis sitzen, geht wohl über Jeannées Horizont. »Denn was soll daran ungesetzlich sein, wenn man das Leben von Schubhäftlingen rettet, auf dass sie gesund und munter in ihre Heimatländer zurückkehren können.« Dass sie im Heimatland unter Umständen ein unfreiwilliger Hungertod erwartet, interessiert einen, der bei den Köchen der High Society speist, freilich nicht. Zu allen Artikeln dieser Ausgabe |
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