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Rassismus | Krieg | Islam | Literatur
September - 2009 © verlag.de (www.transcript) Zur Dekonstruktion von Orientalismus und antimuslimischem RassismusDie Entstehung der Islamophobie wird gemeinhin als Folge jüngster Terroranschläge, allen voran den Angriffen auf das World Trade Center 2001 gesehen. Die deutsche Sozialwissenschaftlerin Iman Attia, gibt einen Einblick wie lange die Tradition des antimuslimischen Rassismus bereits zurückgeht. Ans Tageslicht gebracht wurde dieser stets durch die Interessen der herrschenden Klasse. Der westliche Blick auf den islamischen Orient hat eine lange Tradition. Die geographische Nähe, ähnliche religiöse Glaubensvorstellungen, vor allem aber wissenschaftlich ähnliche Entwicklungen und Handelsbeziehungen bewirkten in vielen Jahrhunderten unterschiedliche Bezüge zueinander, angefangen von gegenseitigem Austausch bis hin zu Kriegen. Im ausgehenden Mittelalter, erklärt die Autorin, kam der Islam erstmals als Abgrenzung zum christlichen Selbstverständnis zum Tragen. Zur Legitimation der Kreuzzüge, die die Eliten zu dieser Zeit führten, wurden der Bevölkerung Bilder des abscheulichen Feindes vorgelegt. Dies diente den aufkommenden Interessen Europas nach Expansion, Imperialismus und Kolonialismus. Diese Bilder wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ergänzt und reproduziert. Seit dem Ende des Kalten Krieges und den US-europäischen Kriegen im Nahen und Mittleren Osten, so Attia, erfahren diese Bilder eine Renaissance und der Islam erstarkte zusehends als politisches Gegenbild. Mit dem Wegfallen des kommunistischen Feindbildes nach dem Kalten Krieg wird wieder der islamische Orient zur Legitimation von Kriegen und neoliberaler Politik aktuell. Die Migrationsbewegungen in der Nachkriegszeit, die Golfkriege in den 80ern und vor allem der Nahostkonflikt passten hervorragend in das bereits propagierte Bild des »kriegerischen Islam«. Seine Vollendung fand der Diskurs über den Islam im Bild des arabischen Terroristen. Als entscheidend für die heutige Hetze sieht Attia neben Politik die mediale Präsentation des »Anderen«. Exemplarisch gibt die Autorin Einblick in die westlicheuropäische Kultur, wo sich diese immer durch die Abgrenzung zum Islam ein Stück weit selbst definiert. Viel härter aber als mit Karl May und Disney's Aladdin, geht Attia mit Pseudo-Experten wie Peter Scholl-Latour und Alice Schwarzer ins Gericht. Scholl-Latour und Schwarzer, die beide seit den 80ern für das Fernsehen als Islam-Experten fungieren, verfolgen einen zutiefst rassistischen Kurs. Schwarzer, die Islamisten für gefährlicher als die Nazis hält, »weil sie wirklich im Weltmaßstab operieren«. Der deutsche Flächenbrand hatte ja noch Grenzen., greift auf tradierte Themen und Bilder zum Islam zurück, verkleidet diese als journalistische Information und belegt sie mit Koran-Zitaten, wie Attia eindrucksvoll belegt. Iman Attias Buch ist ein entscheidender Beitrag gegen Rassismus und Islamophobie und eine schlagkräftige Argumentationswaffe gegen antideutsche oder rassistische Politik. Sie belegt lückenlos, dass Rassismus nicht in den Köpfen der Menschen entsteht, sondern stets eine Taktik der herrschenden Klasse ist, um ihre Interessen durchzusetzen. Alleine die vernichtende Entlarvung medialer und politischer Größen wie Schwarzer als – schlicht weg – Rassisten macht das Buch lesenswert. Transcript Verlag, 182 Seiten, Bielefeld www.transcript-verlag.de/ts1081/ts1081.php Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführende Artikel:
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