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Juli/August - 2009
Im Jahr 1936 besetzten Arbeiter eine Fabrik von GM (General Motors) in Flint Michigan und lösten damit eine Streikwelle aus, die bald die gesamte Autoindustrie erfasste und mit einem gigantischen Sieg – der Durchsetzung von Gewerkschaftsrechten in der Autoindustrie – endete In den USA wurden während der »Great Depression« der Dreißigerjahre Arbeiterinnen und Arbeiter zu Millionen arbeits- und obdachlos. Wer noch Arbeit hatte, war oft gezwungen Lohnkürzungen und schlechtere Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. Die Kapitalisten waren entschlossen die Kosten für die Krise auf die Arbeiter abzuwälzen.
RepressionIn Flint, im US-Bundesstaat Michigan, war Gewerkschaftsarbeit in den Dreißigern gefährlich. Polizeichef, Richter, Bürgermeister und auch die einzige Zeitung »gehörten« dem Konzern General Motors. Nur 122 von 45.000 Arbeitern in Flint wagten es vor dem historischen Streik der 1936 gegründeten Gewerkschaft UAW (United Automobile Workers) beizutreten. Der Konzern beschäftigte eigene Spione und Schlägertrupps und sogar Auftragskiller der Mafia aus Detroit. Die Arbeiter hatten keine gewerkschaftliche Erfahrung, meistens kamen sie aus den verarmten Südstaaten, waren zum Großteil Hilfsarbeiter und mussten sich und ihre Familien in Barackensiedlungen der Stadt ohne Heizung und ohne Warmwasser über die Runden bringen. Die Frauen waren meistens arbeitslos und mit dem Überleben der Kinder beschäftigt. Beginn der SchlachtDie UAW hatte sich 1936 mit dem Ziel gegründet diese Zustände zu beseitigen und gewerkschaftliche Rechte durchzusetzen. Aber wegen der Einschüchterungen schien es unmöglich genügend Arbeiter und Arbeiterinnen für die Gewerkschaft zu rekrutieren. Am 30. Dezember 1936 wurde die Gewerkschaft durch den Streik in einer Anlage von GM überrascht. Als die Arbeiter bemerkten, dass das Unternehmen daran ging, die Anlage abzubauen, besetzten sie blitzartig die gesamt Anlage und sorgten dafür, dass keine Maschinen abtransportiert werden konnten. Um den Streik zu überstehen musste die ganze Fabrik wie eine Festung verteidigt werden. Angehörige und Freunde der Fabrikbesetzer organisierten riesige Küchen und Lebensmittel von Kleinbauern aus der Umgebung. Am 11. Jänner 1937 griff die Polizei an, stürmte die Anlage und schoss auf die Arbeiter. Mit Feuerwehrschläuchen, Schrauben und Werkzeugteilen verteidigte sich die Belegschaft und zwang die Polizei nach sechs Stunden zum Rückzug. Entscheidend für den Sieg war, dass sich Frauen aus der Menge der Zuseher herauslösten, den Polizisten den Rücken zukehrten und zu den Streikenden liefen. Sie tauften diese Schlacht »The Battle of Bulls Run«. Frauen bewaffnen sichFrauen taten aber mehr als nur Essen organisieren. Sie bauten eine neuartige Organisation zur Unterstützung des Streiks auf, die »Women’s Auxiliary and the Women’s Emergency Brigade« (Unterstützungs- und Notfallsbrigade der Frauen). Eine ihrer vielen Aufgaben war, die Streikposten zu unterstützen und dafür mussten Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder geschaffen werden. Wie Genora Dollinger, die Organisatorin der Notfallsbrigade in einem späteren Interview erzählte, trugen die Frauen rote Barette, rote Armbinden und sie trugen große hölzerne Schläger, deren Griffe für Frauenhände geschnitzt waren. Die Männer nähten ihnen in den Fabriken Totschläger aus Autoleder. Bilder dieser bewaffneten Frauen gingen um die ganze Welt. »Als die Nachricht der Besetzung und die Rolle die Frauen spielten, die Runde machte, gingen die Belegswchaften von fünfzehn weitere GM Werke in den Streik und auch dort wurden die Frauen aktiv. Frauen in Detroit organisierten sich und trugen grüne Barette und Armbinden, in Lansing trugen sie blau und in Pontiac orange.«, erzählte Genora Dollinger, »Vor dem Streik hatten die Frauen keine Gelegenheiten sich an Aktivitäten zu beteiligen. Die kleinen Kirchen in der Nachbarschaft waren die einzigen Orte, wo sie hingehen konnten.« Der Streik hatte ihr Leben für immer verändert. Schlag gegen RassismusAls die Besetzung losging war Roscoe Van Zandt der einzige schwarze Arbeiter. Rassismus war unter den weißen Arbeitern aus dem Süden sehr stark verbreitet. Er war gezwungen außer Sichtweite seiner weißen Kollegen zu essen. Damit war es mit dem Streik vorbei. Die Belegschaft verstand augenblicklich, dass sie nie gewinnen könnten, wenn sie nicht geeint vorgingen. In der ersten Nacht nach dem Ausbruch des Streiks wurde ihm von seinen Kolleginnen und Kollegen die einzige Decke und ein Tisch für die Nacht angeboten. Als die Zeit für die Siegesparade kam, stimmten die Arbeiter dafür, dass Roscoe van Zandt die Fahne tragen sollte. Die schwarze Gemeinde von Flint lud nach dem Streik Genora Johnson und Roscoe van Zandt ein, um sie für ihre historischen Verdienste für die »black community« zu würdigen. Der »Sitdown Strike« in Flint Michigan zeigt wunderschön, welches Potential sich in Arbeitskämpfen verbirgt, wie Menschen sich und ihre Umgebung verändern, sobald sie kollektiv ihr Schicksal in die Hand nehmen. von Manfred Ecker Weiterführender Artikel:
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