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Geschichte | USA | Revolution | Kultur | Lateinamerika

Juli/August - 2009    
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Che – Teil 1 ist ein Film, der Anhänger und Kritiker der kubanischen Revolution begeistern wird. Vor allem aber wird einem breiten Publikum die Revolution mit all ihren Widersprüchen näher gebracht. Regisseur Steven Soderbergh und Benicio del Toro, gleichzeitig Produzent und Hauptdarsteller des Films, haben sich über drei Jahre lang in Dreharbeiten und Recherchen gestürzt und ein wirklich beeindruckendes Meisterwerk geschaffen.

Wie schafft man eine erfolgreiche Revolution? Was macht einen guten Revolutionär oder eine gute Revolutionärin aus? Solche Fragen beschäftigen die Protagonisten im Film ab der ersten Szene, die 1953 in Mexiko spielt. Che lernt bei einem Abendessen den kubanischen Anwalt und Revolutionär Fidel Castro kennen. Fidel will den kubanischen Diktator Fulgencio Batista stürzen und Kuba aus der Abhängigkeit von den USA befreien: Er hat noch keine 40 kubanischen Revolutionäre nach Mexiko gebracht und ebenso wenig hat er ein Schiff. Fidel fragt Che, ob er verrückt klingt. »Ein bisschen«, antwortet dieser Castro. In der letzten Szene kehrt der Film zu dieser ersten Szene in Mexiko zurück. Che stellt Fidel eine Bedingung fürs Mitmachen: »Wenn du mir versprichst, dass du nach dem Sieg die Revolution nach ganz Amerika bringen wirst.«

Soll die Revolution sich strikt auf die Befreiung Kubas beschränken oder verstehen Revolutionäre sie nur als ersten Schritt zu etwas Größerem? Das ist eine der Debatten, welche die Revolutionäre wirklich bewegt haben. Eine andere Auseinandersetzung fand zwischen den Bergen und dem Tiefland statt. Die bewaffnete Guerilla konnte sich zwar in den Bergen Kubas halten, in den Städten hatte sie jedoch keine Macht. Die Vertreter der kubanischen Kommunistischen Partei wollten das Regime mittels eines Generalstreiks stürzen. Die Kämpfer in den Bergen glauben alleine an die Macht ihrer Gewehre und dass ihr Kampf die Bevölkerung anspornt.

»Die Geschichte hat gezeigt, wer Recht behalten sollte«, sagte Che in einem Interview in New York, welches in schwarz/weiß nachgestellt wurde und dem Film als Leitfaden dient. In Wahrheit lief aber weder der Generalstreik noch der bewaffnete Kampf unter aktiver Beteiligung der Bevölkerung ab. Tatsächlich ist das Regime von Batista weniger gestürzt worden als in sich zusammen gefallen, weil ihm die USA längst die Unterstützung entzogen hatte. Schließlich hat das Militär das Regime auch nur mehr halbherzig unterstützt, als das Ende abzusehen war. Eine Stärke des Films liegt darin, dass er diesen Widerspruch zeigt und man das Gefühl hat, dieser Sieg, der wenigen hundert Kämpferinnen und Kämpfer, fiel etwas zu leicht. Im Dezember 1958 überfällt die Einheit des Comandante Guevara die Stadt Santa Clara. Noch bevor die Stadt eingenommen ist, erfahren sie, dass der Diktator aus Kuba geflohen ist und die Regierung zerbricht. Die Armeegeneräle fliehen ebenfalls aus Santa Clara und es dauert nicht lange bis die völlig demoralisierte Armee vor der Guerilla kapituliert.

Im Triumph fahren sie nach Havanna. Hier lernt man den Che kennen, den die Menschen in Kuba noch immer so sehr lieben. Ein Untergebener des Comandante überholt dessen Jeep in einer soeben beschlagnahmten Luxuslimousine. Che befiehlt ihm sofort umzudrehen und das Auto zurückzugeben. Korruption bedrohte die Revolution schon im Moment ihres Triumphs. »Lieber würde ich zu Fuß gehen als in einem gestohlenen Auto fahren.« In den Bergen lässt er Mitstreiter exekutieren, die ihre Position nutzten um die Bauern zu schikanieren und ein Mädchen vergewaltigten. Che war ein harter und gleichzeitig Prinzipien-treuer Mensch.

Er bestand darauf, dass seine Leute Lesen und Schreiben lernen, auch wenn sie zu Tode erschöpft waren. Die Bauern in den Bergen behandelte er äußerst korrekt und liebenswürdig. Auf der anderen Seite war er so unbarmherzig, dass manche Männer seine Marschkolonne verließen und viele sich weigern, seinem Kommando unterstellt zu werden.

Sein Asthma war sein schwerstes Handikap und der wirklich wunderbar spielende Benicio del Toro lässt die Zuseher minutenlang mitleiden, bis seine Anfälle wieder abklingen.

Einen ganz anderen Che erleben wir dann in New York, wo er 1964 seine legendäre Ansprache vor der UNO-Hauptversammlung hielt. Er klagte die USA und ihre verbündeten lateinamerikanischen Regierungen an, anstatt ihnen zu Kreuze zu kriechen, weil sie beschlossen haben, Kuba mit einem Handelsembargo wirtschaftlich zu ruinieren.

Zu dieser Zeit ist er Regierungsmitglied in Kuba und war frustriert über die Grenzen des Erreichbaren in einem international isolierten Land. Der Konflikt zwischen ihm und Castro über die Dimension der Revolution war zu dieser Zeit bereits voll ausgebrochen.

Im zweiten Teil, der unter dem Titel »Che-Guerilla« ab 24. Juli in den Kinos anläuft, wird gezeigt wie Che immer unzufriedener wurde und daraufhin Kuba verließ, um die Revolution zu verbreiten. Sein Tod in Bolivien, die Isolation Kubas und die zunehmende Abhängigkeit von Russland stehen dabei im Mittelpunkt.

von Manfred Ecker


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