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Österreich | Rassismus | Rechtsextremismus

Juni - 2009    
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Schändung des KZ-Gedenkstätte Mauthausen



»Vor wenigen Wochen wurde die KZ-Gedenkstätte Mauthausen geschändet, gestern wurden ehemalige Häftlinge mit Nazi-Parolen provoziert – was kommt als nächstes?« fragt der Vorsitzende des Mauthausenkomitees. Warum haben viele Jugendliche keine Skrupel im Umgang mit Nazisymbolik, und wieso ist die FPÖ die stärkste Partei bei den Erstwählern?

Erhobener Zeigefinger



Es liegt nicht an zu wenig Aufklärung über die Nazizeit und den Holocaust, sondern daran, dass sie falsch und mit erhobenem Zeigefinger läuft. Denn Schulen wird Geschichtsunterricht oft so betrieben, als müsse man potenzielle Nazis davon abhalten, welche zu werden. In den Warnungen schwingt dann der Vorwurf mit, dass ungebildete Kinder gleich auch rechte Kinder sind. Schockieren kann, wer sich auf die ekelhafteste Ideologie überhaupt beruft – den Nationalsozialismus.

Gründe für Rebellion



In Wahrheit rebellieren Jugendliche ja zu Recht. Ihre Zukunftsaussichten sind katastrophal schlecht, aktive politische Beteiligung ist unerwünscht. Nachvollziehbar, dass sie in dieser Situation die Eliten und deren zweifelhafte Werte erschüttern wollen. Die liberale Demokratie und der Parlamentarismus sind solche Werte, welche entrüstete Politiker und Medien heute gefährdet sehen. Dabei ist es nicht verwunderlich, wenn Wahlen von Jugendlichen nicht ernst genommen werden – immerhin nimmt dieses System auch sie nicht ernst.

Provokation



Wie könnten sie also die Mächtigen effektiver provozieren, als dadurch, die Abschaffung jeglicher Demokratie durch die Nazis zu verherrlichen? Diese Möglichkeit stellt sich in Zeiten, in denen ein Ultrarechter zum dritten Nationalratspräsidenten gewählt wird und Strache ungestraft mit Neonazis gegen Muslime hetzen kann, als eine gesellschaftsfähige dar. Nur, wenn wie in Mauthausen oder Ebensee die faschistischen Tendenzen zu eindeutig werden, dann sind plötzlich wieder alle Parteien ganz vorne mit dabei, diese Geschehnisse zu verurteilen – nur um am nächsten Tag wieder ein rassistisches Fremdenrecht zu verteidigen.

ÖVP als Antifaschisten?



Auch ÖVP-Granden stellen sich dabei als Antifaschisten dar. Das offizielle Österreich hat vergessen, dass es ihre Vorläuferpartei war, die schon 1934 einen faschistischen Putsch durchgeführt und die Arbeiterbewegung zerschlagen hat. Weil aber auch in KZs der Nazis kamen, können sich heute ÖVPler als Opfer und sogar Widerständler präsentieren. Das Problem daran ist, dass zwar einzelne Konservative Widerstand geleistet, aber ihre Gesinnungsgenossen die Nazis erst groß gemacht haben.

Widerstand von unten



Das Bild des Widerstands wird heute geprägt von Eindrücken aus Filmen wie Schindlers Liste und Operation Walküre. Jedes Mal sind es Angehörige der Eliten, die hier gegen Hitler kämpfen. Auch in den Schulen wird der Widerstand als etwas Klassenunabhängiges gelehrt. Demnach haben anständige Christen aus religiösen, anständige Bürgerliche aus moralischen, und anständige Sozialisten aus politischen Gründen Widerstand geleistet. Der effektivste und für die Nazis gefährlichste Widerstand jedoch war unorganisiert, kam mitten aus der Arbeiterklasse und war vor allem dadurch motiviert, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter von den Nazis gezielt unterdrückt wurden.

Teil der Elite



Es muss uns also darum gehen, den Zorn auf »die da oben« auch gegen Neonazigruppen und die FPÖ zu richten, indem wir den Klassenzusammenhang von Faschismus wieder betonen. Die Jugendlichen können leicht begreifen, dass die Nazis Systemerhalter waren und auch heute noch ein Teil der herrschenden Eliten sind – sie müssen dazu nur einen Blick ins Parlament werfen.

von Manfred Ecker

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