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Wirtschaft | Krieg | Geschichte | USA | Theorie | Wirtschaftskrise

März - 2009    
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Judith Litschauer über Michael Kidron und Tony Cliffs Theorie der permanenten Rüstungswirtschaft. Die Weiterentwicklung der Theorien Trotzkis erklärt den boomenden Marktkapitalismus nach den krisenhaften 30er-Jahren.

Wirtschaftskrise in den USA



Auf den Börsencrash an der Wallstreet 1929 folgte eine schwere Wirtschaftskrise in den USA, die sich auf Europa ausweitete. Die Weltindustrieproduktion fiel bis 1932 um 28%. Massenarbeitslosigkeit (ein Drittel der Arbeiter und Arbeiterinnen war davon betroffen), Rückgang der Pro-Kopf-Einkommen in sämtlichen Industrieländern, Verarmung der Bevölkerung – auch der Mittelschicht – und ein drastischer Rückgang der Konsumnachfrage waren die Folgen.

Staatsinterventionen



Daraufhin wurde versucht durch Staatsinterventionen die schwere Wirtschaftskrise zu beenden. Dies markiert einen wichtigen Punkt in der Geschichte des Kapitalismus: Es wurde klar, dass der Kapitalismus seine Probleme nicht mehr ohne systematische Eingriffe des Staates lösen konnte. Doch derartige Maßnahmen hatten nur einen limitierten Einfluss auf die Krise. Nach einem »Miniboom« 1932 sah man sich der bisher schlimmsten Wirtschaftskrise gegenüber, die auch durch staatliche Maßnahmen nicht beendet werden konnte.

Rüstungswirtschaft



Der ab den 40er-Jahren einsetzende, lange Wirtschaftsaufschwung hatte eine ganz andere Ursache: die Rüstungswirtschaft. Der Großteil der staatlichen Gelder floss nämlich in die Aufrüstung – die Militärausgaben verzehnfachten sich bis zum Kriegsausbruch.

Die Ausgaben bzw. Investitionen von Arbeiterinnen und Arbeitern unterscheiden sich gravierend von jenen der Unternehmen. Arbeiter geben ihr Geld für lebensnotwendige Verbrauchsgüter wie Nahrung und Unterkunft aus – sie haben nicht die Wahl, ob sie das tun oder nicht. Unternehmen haben die Wahl, ob sie in neue Produktionsanlagen investieren, um wiederum Güter für den Markt zu produzieren, oder eben nicht, wenn sie damit rechnen so keine Profite zu erzielen. Wenn allerdings der Staat als sicherer Abnehmer für Rüstungsgüter fungiert, investieren Unternehmer nicht in die Konsumgüterproduktion, sondern stecken beträchtliche Teile ihres Kapitals in die Rüstungsproduktion. Sie ist risikoärmer, weil sie nicht den Schwankungen der restlichen Wirtschaft ausgesetzt ist.

Unproduktiver Verbrauch



Hohe Staatsausgaben für Rüstungsgüter, wie Panzer, Kriegsschiffe und Waffen, sind in ihrer Beschaffenheit von Staatsausgaben für beispielsweise das Gesundheits- und Sozialsystem zu unterscheiden. Rüstungsgüter haben zwei besondere Eigenschaften: Zum einen dienen sie nicht dem Konsum der Arbeiter- und Arbeiterinnenklasse und tragen somit nicht zum Wohl der Mehr heit der Menschen bei, sondern gehorchen den Interessen der Rüstungswirtschaft. Zum anderen schafft die Rüstungsproduktion KEINE neuen Produktionsmittel, wie Maschinen, und trägt somit nicht zur weiteren Produktion bei. Rüstungsgüter sind also eine Art unproduktiver Verbrauch – oder Verschwendung.

Das Verhältnis von kapitalintensiven Investitionen und Zahl der Beschäftigten stieg nicht so rasant an, wie es vor dem Krieg der Fall war. Die Profitraten der konkurrierenden Supermächte USA und Russland sanken durch Verschwendungswirtschaft weniger schnell als zu erwarten gewesen wäre. Dagegen investierten die Kapitalisten in Japan und Deutschland großteils in die eigenen Betriebe und ihre Produktivität überholte in den 60er-Jahren die der USA und Russlands. Diese senkten ihre Rüstungsausgaben, akkumulierten wieder größere Teile ihres Kapitals und beschleunigten damit den Fall der Profitrate.

Ein Aufschwung, der durch Rüstungswirtschaft entsteht, kann also nicht langfristig stabil sein, da der Wettbewerb um Profite das System des Kapitalismus wieder zurück in die Auf- und Abschwungphasen, zurück in die Krisenanfälligkeit und zurück in die Tendenz der fallenden Profitraten treibt.

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