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Österreich | Soziales | Wirtschaft | Wirtschaftskrise
Dezember - 2008 Veit Sorger, Präsident der Industriellenvereinigung, forderte anlässlich der Wirtschaftskrise kürzlich die österreichischen Arbeitnehmer zu einem Lohnverzicht von 25% auf. Linkswende bringt die Entstehungsgeschichte des grandiosen Vorschlags. Es ist ein kalter, windiger Novembertag. Als Veit Sorger aus dem Fenster seines Büros auf den grauen Wiener Schwarzenbergplatz blickt, kann er die Welt nicht mehr verstehen. Die Banken liegen in Trümmern, Immobilien sind wertlos und die Wirtschaft liegt am Boden. Die Frage wie das passieren konnte, spukt in Veit Sorgers Kopf umher, wie Wolfgang Schüssel in der ÖVP-Zentrale. Die Wirtschaft kann nicht daran Schuld sein, ist sie doch nie an irgendetwas schuld. Die grundehrlichen Manager, Banker und Finanzgurus auch nicht, das haben sie ihm ja erst gestern beim alljährlichen Ball der Lungauer Spekulanten, Geldwäscher und Kredithaie versichert. Bleibt also nur noch ein Faktor: die Arbeitnehmer. Und die waren Veit Sorger schon länger irgendwie suspekt, zumindest seitdem er vor drei Monaten zum ersten Mal mit einem sprach. Plötzlich kommt ihm eine Geistesblitz. Als vor vier Jahren die Eisenbahner den Güterverkehr im Westkaukasus bestreikten, musste die Industriellenvereinigung auf ihre Monatslieferung Beluga-Kaviar verzichten. In einer eigens einberufenen Krisensitzung brachte Veit Sorger den nötigen Mut für unpopuläre Maßnahmen auf: In harten Zeiten muss der Gürtel enger geschnallt werden. Und so verzichtete die Industriellenvereinigung auf 25% des täglichen Kaviar-Konsums, um mit dem bestehenden Vorrat durchzukommen. Es war zwar eine harte Zeit, aber die Herrschaften am Wiener Schwarzenbergplatz hielten durch. Sicherlich machte die große Wachteleier-Spende, die im gleichen Monat am Schwarzenbergplatz ankam, die schmerzliche Zeit erträglicher, aber auch ohne dem Rekordwurf der Wachteln im Tierpark Herberstein, hätten die Industrie-Granden den Monat schon über die Runden gebracht. Harte Zeiten brauchen harte Maßnahmen, denkt sich Veit Sorger und erhebt sich von seinem Schreibtisch. Wenn die Kapitäne der österreichischen Industrie, die Lenker des Gemeinwohls und überdies angesehensten Mitglieder der Seitenblicke-Gesellschaft auf 25% der überlebensnotwendigen Grundnahrungsmittel verzichten können, müssen doch diese Arbeiter auch auf 25% ihres Lohns verzichten können. Zufrieden stellt sich Veit Sorger vor den Spiegel und betrachtet Österreichs Retter vor der Wirtschaftskrise. Da fällt ihm das nächste Problem ein. Diese Geschmacksbanausen von Gewerkschaftern hat er ja noch nie Kaviar essen gesehen. Wie soll er seine Lösung nun logisch verständlich erklären? Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführender Artikel:
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