Martin Graf: Der »Alte Herr« |
November - 2008 |
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Der »Alte Herr Martin Graf« (so sein Ehrentitel) ist führendes Mitlied der traditionell deutschnationalen und antisemitischen Burschenschaft Olympia und Herausgeber ihrer rechtsradikalen Zeitschrift. Olympia ist nicht nur irgendeine ekelhafte Burschenschaft unter vielen, auch nicht ein »Verein«, wie es Innenministerin Fekter in einer Nationalratssitzung am 28.10. ausdrückte, nein, als diese Gruppe 1996 den Vorsitz der Deutschen Burschenschaften übernahm, traten andere rechte Burschenschaften aus Protest aus dem Verband aus. Zwischenzeitlich wurde sie sogar wegen Verstoßes gegen das Anti-Wiederbetätigungs-Gesetz aufgelöst. Ein Gesetz, das Graf, der nun eines der höchsten Ämter der Republik bekleidet, für menschenrechtswidrig hält. Wenn die Olympia zu »wissenschaftlichen Veranstaltungen« lädt, dann kommen Gäste, die eher den Grafschen Vorstellungen von Menschenrechtskonformität entsprechen. Der Liedermacher Michael Müller, Dichter des Neonazi-Hits »Bei 6 Millionen Juden, da fängt der Spaß erst an«, gastierte 2003. Wie die Anwälte ausrichten lassen, pflegt die Burschenschaft auf diese Weise einen »intellektuellen Diskurs«. In Flugblättern dient hin und wieder der Hinweis auf die langjährige SS-Mitgliedschaft eines Diskussionsteilnehmers als Werbemittel für die Veranstaltung. Der Holocaust-Leugner David Irving wurde zum Leidwesen der rechten Recken auf dem Weg zu einer solchen gleich festgenommen. Apropos Holocaust: Dass der wirklich stattgefunden hat, das traut sich Martin Graf nicht so klar zu sagen – in einem ZIB-Interview mühte er sich daran ab, die »Vernichtung von Massen« zu bestätigen, ohne die Wörter »Juden« oder »Gaskammern« in den Mund nehmen zu müssen. Andere Gehirnverrenkungen leisten die Olympioniken, wenn es darum geht, dass »der deutsche Volkskörper durch Ausländer unterwandert« wird oder sie rätseln, warum manche Menschen zwischen Deutschland und Österreich einen Unterschied machen. Wenigstens hat man beim Fußball mehr Freude, wenn wieder einmal die »Deutschnationalen gewonnen« haben (so ein Olympia-Burschenschafter im Wiener Gemeinderat nach dem Einzug der BRD ins WM-Finale). Es ist eine besonders perfide Strategie der FPÖ einen Menschen mit der saublöden Gesinnung eines Martin Graf zum Dritten Nationalratspräsidenten vorzuschlagen. Wenn allerdings die vielen Protestwähler der FPÖ sehen, welche elitäre und menschenverachtende Organisation mit der Olympia hinter Martin Graf steht, kann der Protest sich sehr bald gegen die FPÖ selbst wenden. |
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