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Arbeitskampf | Krieg | Geschichte | USA | Lateinamerika

September - 2008    
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Die Revolutionären Streitkräfte von Kolumbien, die »FARC«, gibt es bereits seit den späten 1940er Jahren. Aber selten noch haben sie weltweit eine derartige Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie heute. Zum Teil ist dies das Ergebnis einer internationalen Kampagne für die Befreiung von Ingrid Betancourt, der in Frankreich geborenen Präsidentschaftskandidatin, die jahrelang von der FARC als Geisel gehalten wurde. Aber der wahre Grund für das aktuelle Interesse an der FARC ist viel weit reichender. Im Februar dieses Jahres überschritten kolumbianische Truppen die Grenze zu Ecuador um einen Überraschungsangriff auf ein Lager der FARC durchzuführen. Sie töteten den zweiten Mann in der Kommandokette der Organisation, Raul Reyes und erbeuteten entscheidende Informationen über die Gruppe. Der historische Führer der FARC, »Tirofijo« (Manuel Marulanda), starb kurz darauf an einem Herzinfarkt. Das bedeutete eine schwere Niederlage im Krieg mit dem kolumbianischen Staat. Noch wichtiger, es war ein Sieg für den Präsidenten Kolumbiens, Uribe, dem führenden Vertreter von US-Interessen in Lateinamerika. Der »Plan Colombia«, von Bill Clinton formuliert und später von George Bush enthusiastisch weiterverfolgt, versorgte die kolumbianische Regierung mit über zwei Milliarden Dollar Militärhilfe. Der Plan wurde als Teil des »Kriegs gegen Drogen« verkauft, und ein Teil des Budgets dafür sollte auch für humanitäre und soziale Zwecke eingesetzt werden. In Wirklichkeit wurden gerade einmal sechs Millionen Dollar für nicht-militärische Ausgaben verwendet. Die Wahrheit ist, dass diese Gelder nur dazu gedacht waren, den hoch militarisierten kolumbianischen Staat weiter aufzurüsten. Außerdem konnte ein »Krieg gegen Drogen« schwerlich von einem Mann vorwärts getrieben werden, dessen Präsidentschafts-Wahlkampagne höchst wahrscheinlich von den Drogenkartellen mitfinanziert worden war. Jetzt wird Präsident Uribe als Verteidiger der Demokratie präsentiert, und das obwohl Kolumbien, was Menschenrechtsverletzungen, die Unterdrückung von Gewerkschaften und Angriffe auf die Landbevölkerung angeht, Spitzenreiter ist.

Widerstand gegen Neoliberalismus



Kolumbien spielt eine Schlüsselrolle in der Strategie der USA in Lateinamerika, und zwar als Basis für eine militärische Operation, die die ganze Region betrifft. Das ist auch der Grund, warum die Kolumbianer in Ecuador eingedrungen sind – und warum der »Plan Colombia« die Errichtung einer US-Militärbasis in Manta, Ecuador, beinhaltete. Im letzten Jahrzehnt sind in ganz Lateinamerika neue Regierungen an die Macht gekommen, die massenhafte Unterstützung der Bevölkerungen genossen und entschlossen waren, die eigenen natürlichen Ressourcen zu kontrollieren, genau so wie den globalen, neoliberalen Strategien Widerstand entgegenzusetzen und neue politische Bündnisse, unabhängig von US-Kontrolle, einzugehen. Heute ist der linke Präsident von Bolivien, Evo Morales mit einer orchestrierten Kampagne des Großkapitals konfrontiert, die versucht den bolivianischen Staat zu unterminieren. In Ecuador gibt Rafael Correa derweil bekannt, dass er den Vertrag für die US-Basis in Manta erneuern wird. In Venezuela bleibt Hugo Chavez das Haupthindernis für die Pläne multinationaler Konzerne zur Kontrolle der Ölversorgung.

Hugo Chavez und die FARC



Die FARC ist aus den Kämpfen der kolumbianischen Bauern gegen eine gewalttätige Großgrundbesitzer-Klasse entstanden. Sie überlebte und wuchs zu der Organisation, die sie heute ist, weil sich an der Situation nichts geändert hat. Im Gegenteil, alle kolumbianischen Regierungen haben die Oligarchie beschützt und deren bezahlte Schläger in den Polizei- und Militärdienst übernommen. Wie auch immer man die Politik der FARC beurteilt, sie bildete die Verteidigungslinie gegen Uribe und seine Vorgänger. Es besteht kein Zweifel, dass die FARC durch die letzten Ereignisse geschwächt wurde, und dass Uribe und Washington denken, sie hätten eine wichtige Schlacht gewonnen. Das macht auch Bolivien und Ecuador verwundbarer. Die US-Führung redet nun davon, eine Militärbasis direkt in Kolumbien zu errichten, nahe zur venezolanischen Grenze. Ein neuer »Krieg gegen Drogen«, die »Merida Initiative« in Zentralamerika, soll, wenn es nach Barack Obama geht, nach Süden ausgeweitet werden. Vor diesem Hintergrund ist es überraschend, dass Hugo Chavez nun die FARC öffentlich aufgerufen hat, alle Geiseln freizulassen und die Waffen niederzulegen, vor allem, wenn man bedenkt, dass er noch vor kurzem zwischen FARC und kolumbianischer Regierung vermittelt hat. Chavez sprach sich für die bedingungslose Freilassung der Geiseln aus. Außerdem will er eine internationale Kommission, die die Friedensgespräche überwachen soll, so wie in Zentralamerika in den 80ern. In Wirklichkeit waren die damaligen, so genannten »Contadora«-Friedensvereinbarungen mehr dazu gedacht, die Revolution in Nicaragua zu isolieren als dazu, Frieden in die Region zu bringen.

Die wirklichen Feinde



Die FARC will jetzt schon seit Jahren über einen Gefangenenaustausch verhandeln – ohne eine Antwort zu bekommen. In den späten 80ern war eine ganze Generation von Guerillas aus den Bergen gekommen, um in eine politische Auseinandersetzung einzutreten – sie wurden zu Hunderten massakriert. Chavez besteht darauf, dass die Existenz der FARC Uribe den willkommenen Vorwand liefert, Venezuela anzugreifen. Das ist vielleicht eine Entschuldigung, aber es ist nicht der Grund. Ohne diese Erklärung würde man eine andere finden – und es ist unwahrscheinlich, dass die USA, in der Hoffnung auf Frieden, ihre Pläne zur militärischen Expansion in der Region einfach aufgeben werden. Den US-Interessen kommen Instabilität und ökonomische Krise in diesem Teil der Welt weit mehr entgegen. Man kann sich leicht vorstellen, unter welchem Druck Chavez derzeit steht. Aber jetzt ist es Zeit, uns zu erinnern, wer wirklich unsere Feinde sind und wessen Interessen sie dienen.

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