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Juli/August - 2008    
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Im Zweiten Weltkrieg starben 45 – 50 Millionen Menschen – Russland hatte 20 Millionen Tote, Deutschland/Österreich 6 Mio, Polen 5 Mio, China 2,5 Mio, Japan 2 Mio und Jugoslawien ebenfalls 2 Millionen. Wofür mussten all diese Menschen sterben? Die meisten denken, der Krieg wurde alleine von Hitler, dem wahnsinnigen Diktator, verursacht. Der Schluss, den sie daraus ziehen, ist: »Der Zweite Weltkrieg war von Seiten der Alliierten ein guter Krieg, ein Krieg für Demokratie. Sie haben 1939 – 1945 die Demokratie in Europa vor dem Faschismus gerettet, und das müssen sie jetzt auch im Iran tun dürfen«. Selten wird diese Weltanschauung infrage gestellt, schreibt Manfred Ecker.

Natürlich war Hitlers Politik aggressiv. Schon beim ersten Kabinettstreffen 1933 sagt er, dass man sich auf Krieg vorbereiten werde. Aber darin unterschied er sich nicht von seinen Vorgängern. Der deutsche Generalstabschef Hans von Seekt erklärte schon 1919, dass es das Ziel Deutschlands sei, Polen vollständig zu zerstören und die Gebiete wieder zu erobern, die Deutschland und Österreich im Ersten Weltkrieg verloren hatten.

Imperialistischer Wettlauf



Deutschland, Italien und Japan wurden alle drei erst dann zu Großmächten, nachdem die Welt schon unter Großbritannien, USA, Frankreich und Russland aufgeteilt war (die Monroe Doktrin von 1823). Der einzige Weg für diese neuen Industrienationen sich als kapitalistische Großmächte zu etablieren war daher, Krieg mit jenen Nationen zu führen, die sich schon Imperien geschaffen hatten.

Kapitalistische Krise zuhause



Nach dem Ersten Weltkrieg schwappte eine revolutionäre Welle über Europa, die sich nirgendwo außer in Russland durchsetzte. Danach herrschte ein sehr fragiles Gleichgewicht, das durch eine mächtige Wirtschaftskrise abgelöst wurde. Überall brachen die demokratischen Strukturen zusammen – 1920 in Ungarn, 1922 in Italien, 1923 in Bulgarien, 1924 in Albanien, 1926 in Litauen, Polen und Portugal, 1929 in Jugoslawien und 1933 siegte der Nazifaschimus in Deutschland und der Klerikalfaschismus in Österreich. Japan war schon faschistisch. Die herrschenden Eliten versuchten weltweit ihre Probleme in den Griff zu kriegen indem sie die Arbeiterklasse in die Zange der Diktatur nahmen. Die einzigen größeren Demokratien hielten sich in jenen Ländern, die schon Imperien waren. Sie brauchen weder Faschismus zuhause noch Expansion im Ausland, um weiter Profite zu machen. Deutschland versuchte sich ein Imperium durch Eroberungen in Osteuropa zu errichten. Das ging nicht, ohne die bestehenden Imperien zu konfrontieren.

Weg in den Krieg – Beschwichtigung



Waren die Alliierten vor dem Krieg gegen den Faschismus? Winston Churchill, der englische Premier meinte noch 1927: »Wäre ich Italiener, ich würde Mussolini unterstützen«. Die Briten erlaubten Deutschland 1935 sich militärisch zu erneuern, weil es Deutschland als Bollwerk gegen den Kommunismus sah. Großbritannien wollte seine Flotte nicht in Europa lassen müssen, während es sie in Indien, Ostasien und Afrika brauchte, um seine Kolonien zu regieren. Also erlaubte es 1936 die Remilitarisierung des Rheinlandes, im März 1938 den ‚Anschluss’ Österreichs und im September 1938 die Eroberung der Tschechoslowakei, dem letzten demokratischen Staat Westeuropas. Nachdem Deutschland einmarschierte, gaben der britische Premierminister Arthur Neville Chamberlain und der französische Ministerpräsident Édouard Daladier in München Adolf Hitler ihre Zustimmung zum Anschluss des tschechischen Sudetenlandes, dessen Bevölkerung überwiegend deutschsprachig war.

Wenig bekannt ist, dass während der Münchner Krisensitzungen der deutsche Generalstabschef Ludwig von Beck den Briten und Franzosen angeboten hatte, Hitler gefangen zu nehmen, wenn sie ihm die Zustimmung zur Besatzung der Tschechoslowakei versagten. Von Beck stellte sich gegen Hitler, weil er fürchtete, dieser stürze Deutschland in einen Krieg, den es nicht gewinnen konnte. Aber die Briten und Franzosen stellten sich hinter Hitler, und von Beck wurde entlassen. Die Bewahrung der Demokratie war also niemals das Thema, und wie sollte Großbritannien sich für Demokratie stark machen, wenn es selbst in seinen Kolonien über 600 Millionen Menschen unterjochte? Das wahre Thema war: Können wir unsere Imperien und Profite behalten, indem wir unseren Herausforderern – Deutschland, Italien und Japan – ausweichen oder indem wir Krieg gegen sie führen?

Ab 1939 kamen sie zum Schluss, dass Krieg nötig sein würde. Amery, der Berater Churchills sagte: »Hitler zu schlagen ist nur ein Mittel, um das britische Imperium zu erhalten«. Der Krieg wurde also nicht 1938 erklärt, um die demokratische Tschechoslowakei zu schützen, sondern 1939, um das judenfeindliche faschistische Regime Polens zu verteidigen.

Welche Rolle spielte Russland?



1939 herrschte schon lange keine Demokratie mehr in Russland. Stalin hat sich Ende der 20er-Jahre endgültig durchgesetzt, die Reste der Arbeiterdemokratie zerschlagen und Millionen ermorden und vertreiben lassen. Er spielte genau dasselbe imperialistische Spiel wie die Westmächte. Im August 1939 unterzeichnet er einen Pakt mit Hitler, erlaubte diesem, Polen zuerst anzugreifen, um drei Wochen später selbst einzumarschieren und sich das hilflose Ostpolen einzuverleiben. Um Hitler seine Pakttreue zu beweisen, verhaftet er viele deutsche Hitlergegner, die in den Osten geflohen waren und liefert sie den Nazis aus. Stalins Kriegsgründe hatten genauso wenig mit Antifaschismus zu tun, wie die der westlichen Industrienationen.

Während des Kriegs



Der Weltkrieg begann nach dem Einmarsch in Polen. Hitler überrannte die kleinen Länder mühelos, erst in Frankreich wurden die Nazis aufgehalten. Die französischen Eliten waren aber derart gespalten, dass ein Teil davon den Deutschen in die Hände spielte. Das so genannte Vichy-Frankreich zog die deutschen Faschisten dem steigenden Einfluss der französischen Sozialisten und Kommunisten vor.

Die Großmächte



Großbritannien war vor allem damit beschäftigt, seine Kolonien zu verteidigen und kämpfte daher besonders in Nordafrika und dem Mittleren Osten gegen die italienischen und deutschen Truppen, um die Freihaltung ihrer See- und Landwege in die Kolonien zu gewährleisten. 1942 ermordeten britische Soldaten 2000 friedliche Demonstranten, die in Indien für die Unabhängigkeit protestieren. 1942 startete auch Hitler die Operation Barbarossa, den Angriff auf die Sowjetunion. Premier Churchill war strikt dagegen, die deutsche Armee zu schwächen, indem eine zweite Front in Westeuropa eröffnet würde. Erst sollten sich die russischen und deutschen Truppen gegenseitig aufreiben.

Die USA unterstützten Großbritannien erst, als dieses ihnen großzügigen Zugang zu den Kolonien erlaubt hatte und die Errichtung zahlreicher Militärbasen zuließ. Die USA nahmen erst direkt am Krieg teil, als Japan und Deutschland seine Interessen unmittelbar bedrohten. Russland hatte denselben Zugang. Als sich im August 1944 die Warschauer Bevölkerung gegen die Nazis erhob, waren die russischen Truppen ganz in der Nähe. Die Aufständischen erwarteten sich Unterstützung, aber die Rote Armee ließ die Nazis gewähren. Die Russen marschierten erst nach der Niederschlagung ein und ließen 160.000 Menschen von den Nazis töten.

Die einfachen Soldaten



Eigentlich wurden zwei Kriege gefochten. Die herrschenden Eliten, welche die Befehle gaben, kämpften einen imperialistischen Krieg um Territorien, Einfluss und Macht. Die einfachen Menschen dachten, sie kämpften einen Krieg gegen eine Diktatur und für die Verteidigung der Demokratie und ließen sich so begeistern. Beide Seiten würden im Laufe des Krieges miteinander in Konflikt geraten. Während des spanischen Bürgerkriegs von 1936 -1939 unterstützten Großbritannien, Frankreich und die USA die Faschisten, indem sie ihnen ihre Versorgung ermöglichten und vor allem, indem sie die demokratische Republik boykottierten. Hitler und Mussolini unterstützten die spanischen Faschisten unter Franco ohnehin ganz offen. Junge Frauen und Männer aus ganz Europa gingen dagegen nach Spanien, um gegen den faschistischen Putsch zu kämpfen. In den »Internationalen Brigaden« kämpften Deutsche und Österreicher, die zuhause schon den Faschismus kennen gelernt hatten, gemeinsam mit jungen Menschen aus den USA und ganz Europa. Die deutsche Armee hielt gemeinsam mit bulgarischen und italienischen Truppen Griechenland grausam besetzt.

Die griechische Volksbefreiungsarmee E.L.A.S. kämpfte einen erbitterten Partisanenkrieg gegen die Besatzung. Zahlreichen deutschen, österreichischen und italienischen Soldaten gelang es, zur ELAS überzulaufen und kämpften fortan in ihren Reihen. Im Oktober 1944 gelang ihnen die Vertreibung der Faschisten, aber Großbritannien wollte um jeden Preis verhindern, dass die Macht in die Hände der kommunistischen und sozialistischen Partisanen geriet. Es kam soweit, dass die Royal Air Force Athen bombardierte. Österreichische, deutsche und italienische Partisanen wurden gefangen genommen und gemeinsam mit deutschen Kriegsgefangenen interniert, anstatt als Helden des Widerstands gefeiert zu werden. Bis 1949 dauerte dann der Bürgerkrieg an.

Die Briten unterstützten darin die Rechten bis die USA ab 1947 diese Rolle als neue führende Supermacht übernahmen. Im Sommer 1943 landeten die Alliierten in Sizilien und erreichten einen Waffenstillstand mit Italiens Armeeführung. Mussolini wurde verhaftet und der König, ein führender Verbündeter der Faschisten, kam an die Macht. Die Deutschen überrannten Norditalien, befreiten Mussolini und machten ihn zum Diktator der Marionettenrepublik von Salo. Die Alliierten kamen den Partisanen kaum zu Hilfe, die von nun an die deutsche Armee und die Faschisten zurückdrängten und schließlich Mussolini erneut gefangen nehmen und hinrichten konnten. Der Vormarsch der Alliierten animierte auch in Deutschland selbst die Arbeiter.

Als die Truppen die deutschen Städte erreich hatten, waren diese oft schon in der Kontrolle von Antifa-Komitees. Wie amerikanische Diplomaten bezeugten, stützten sich diese Komitees auf Netzwerke von Arbeiterinnen und Arbeitern, die schon jahrelang existiert hatten und die nun überall begannen, die Fabriken und das öffentliche Leben zu organisieren. In enger Zusammenarbeit zwischen russischen und amerikanischen Besatzern wurden die Antifa-Komitees aufgelöst. Sie durften ohne Genehmigung keine Publikationen verbreiten. Wie überall in den befreiten Gebieten brachten die Alliierten eine konservative Regierung an die Macht.

Nach dem Krieg



Die Politik der kommunistischen Parteien war in Übereinstimmung mit Moskau zurückhaltend und wirkte verwirrend bis demoralisierend auf die Arbeiterbewegung. Wie die Welt zwischen Ost und West aufgeteilt wurde, war schon längst entschieden worden. Die Alliierten hatten freie Hand, in Europa Regimes ihrer Wahl zu installieren. Das war kein Sieg der Freiheit und der Demokratie. Spanien und Portugal blieben faschistisch und Osteuropa kam unter direkte Herrschaft Moskaus. Amerikas Kampf um die globale Vorherrschaft führte zu den Kriegsgräueln von Korea und Vietnam. Wenn die USA Iran angreifen, dann tun sie das nicht um Demokratie zu fördern. Das lehrt die Geschichte des Zweiten Weltkriegs.

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